Ebersbach an der Fils Todesmärsche von 1945 im Stadtmuseum "Alte Post" in Ebersbach

Der Geruch des Todes: In der Ausstellung können Besucher anhand von Bittermandelbackaroma erfahren, wie Blausäure riecht.
Der Geruch des Todes: In der Ausstellung können Besucher anhand von Bittermandelbackaroma erfahren, wie Blausäure riecht. © Foto: Sandra Thurner
SANDRA THURNER 15.07.2015
Das Stadtmuseum Alte Post in Ebersbach beleuchtet derzeit mit einer Wanderausstellung des Internationalen Suchdienstes (ITS) die Todesmärsche im nationalsozialistischen Deutschland von 1945.

Eingebettet in die Jahresausstellung "Alle wollen überleben im Jahr 1945" führt die Wanderausstellung des Internationalen Suchdienstes (ITS) - wie auch die Thematik - eher ein Schattendasein: Sieben Banner und drei Lesemappen dokumentieren die Todesmärsche als das letzte organisierte Massenverbrechen des Nationalsozialismus und versuchen mit entsprechenden Dokumentbeständen und Einzelschicksalen Licht ins Dunkel zu bringen. Susanne Urban, Macherin der Wanderausstellung und Leiterin des Forschungsprojektes: "Unser Augenmerk liegt bei der Ausstellung auf den gequälten Menschen, die auf diese Märsche getrieben wurden."

Auf der Flucht vor den herannahenden Alliierten trieben Polizei und SS Tausende von Gefangenen ins Landesinnere. Auch durch das Filstal zogen 1945 Gefangenenmärsche, deren Hintergründe und Bezüge teilweise allerdings ungeklärt seien, berichtet Museumsleiter Uwe Geiger. Der einzig geklärte Fußmarsch sei ein Gefangenenmarsch, der vom Zuchthaus Ludwigsburg über den Schurwald nach Ebersbach gelangte. Der damalige Ebersbacher Bürgermeister Gustav Seebich habe einen solchen in seinem Geschäftstagebuch vermerkt. Augenzeugen berichteten von grauenhaften Szenen, von abgemagerten Menschen in Sträflingskleidung und angeschossenen Gefangenen. "Ein Teil der Häftlinge brach von den Strapazen der Wanderung zusammen", berichtete ein Zeitzeuge. Oder: "Den ganzen Tag ziehen große Kolonnen mit Gefangenen auf der Hauptstraße ostwärts. Gefangene von Jagdbombern angeschossen, Tote gegeben", dokumentierte ein Ebersbacher Bürger. Offiziell seien allerdings keine Todesopfer solcher Gefangenmärsche auf Ebersbacher Gemarkung bekannt, sagt Geiger. Und fügt hinzu: "Das lässt viel Raum für Spekulationen."

Während die Rahmenausstellung "Alle wollen überleben im Jahr 1945" das so sensible Thema mit allen Sinnen zu präsentieren vermag - mit Bittermandelbackaroma wird der Geruch des Todesgiftes Blausäure imitiert - reduziert sich die Wanderausstellung auf schriftliche und bildliche Dokumente von überlieferten Beständen und Einzelschicksalen.

So wird das Leben des Sinto Karl Franz erzählt, der während des Todesmarsches erschossen wurde, weil er nicht mehr weiter konnte. Auch Josef Walkowski aus Polen wurde auf einen Todesmarsch Richtung Süden geschickt, auf dem er umgebracht wurde. So berichtet der Überlebende Alexander Kuden: "Sie haben uns geschlagen, viele erschossen und sterbend am Wege zurückgelassen." Und schließlich, heraus aus dem Schatten: "Als am 2. Mai plötzlich amerikanische Panzer erschienen: Die Wachmannschaft ist weggelaufen und wir sind frei geworden."
 



Info Öffnungszeiten: donnerstags 14 bis 18 Uhr, sonntags 14 bis 17 Uhr (bis 23. August). Der Eintritt ist frei.