Zwei Pferde sind tot. Ihre Besitzerin steht vor dem Amtsgericht Göppingen. Zwei Fragen stehen im Raum: Können Naturheilmittel chemische Präparate bei Tieren ersetzen - in diesem Fall Entwurmungsmittel? Und: Wurden die Tiere womöglich von einem Unbekannten vergiftet?

Es war Ende 2013, als an zwei Tagen gleich zwei Pferde verendeten, die der Vorsitzenden eines Tierschutzvereins im Landkreis Göppingen gehörten. Im später vom Kreisveterinäramt erlassenen Bußgeldbescheid heißt es, die Besitzerin habe den Tieren "erhebliche Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt". Als Grund gab die Behörde "mangelhafte und unterlassene Behandlung nach Wurmbefall" an. So sei es zu einem lebensbedrohlichen Arterienverschluss gekommen, der sehr schmerzhaft sei. Mit der fatalen Konsequenz, die Richter Felix Schwarz ausführte: "Der Tod stellt bei Lebewesen den größtmöglichen Schaden dar."

Die Tierhalterin legte Einspruch gegen den Bescheid ein, deshalb landete der Fall vor Gericht. "Nur wenige Stunden nach dem Auftreten der Symptome" seien die Pferde gestorben, berichtete die Tierschützerin. Einige Wochen später habe sie weitere Pferde einschläfern lassen müssen, wegen ähnlicher Symptome. Statt "chemischer Keulen" hatte sie auf "alte Methoden" beim Entwurmen gesetzt, wie etwa "viele Karotten" und "Kräuter, die Würmer nicht mögen". Entwurmungsmittel seien "pures Gift" - auch wenn sie diese heute wieder verwende.

Dass Karotten und Kräuter wirksame Medikamente seien, bestritt der Leiter des Veterinäramts, Michael Pettrich. Sie seien "nicht als wirksame Behandlungsmethode anerkannt". Vielmehr müssten Pferde in Stallhaltung zwei Mal, bei Weidehaltung vier Mal pro Jahr entwurmt werden. In Richtung der Frau gewandt meinte der Amtsleiter: "Bei Ihnen kommt immer wieder der unbekannte Dritte ins Spiel, der Ihnen schaden will." Die Pferdehalterin hatte die Tiere eigens in München in der Tierpathologie der Universität für mehrere tausend Euro untersuchen lassen, "eindeutige Befunde" seien das, meinte Pettrich.

Das sahen die Frau und ihr Anwalt Martin Freibauer anders: Keineswegs hätten die Pathologen eindeutig erklärt, dass Würmer am Tod der Pferde schuld waren, das könne sein, müsse aber nicht.

Ins Rollen war der Fall erst gekommen, nachdem die Familie Anfang 2014 Anzeige gegen Unbekannt erstattet hatte, Tatvorwurf: Zwei Pferde seien vergiftet worden. Diesen Vorwurf hatte die Tierschützerin auch früher schon erhoben. Doch Richter Schwarz wollte sich nicht an Spekulationen beteiligen - statt ursprünglich 500 Euro muss die Frau nun 250 Euro Bußgeld bezahlen.