Gesundheit Therapeuten protestieren im ganzen Land

Therapeuten protestieren am Samstag.
Therapeuten protestieren am Samstag. © Foto: Privat
Kreis Göppingen / Dirk Hülser 24.08.2018
In Göppingen beginnt die Kreide-Aktion für bessere Bedingungen am Samstag um zehn Uhr.

Therapeuten in ganz Deutschland – auch in Göppingen – protestieren am Samstag gegen ihrer Meinung nach zu niedrige Honorare. Dieser Zustand habe gravierende Folgen: Viele Stellen blieben unbesetzt, Patienten bekämen keine Termine oder nur nach langen Wartezeiten und vielen Praxen drohe trotz voller Wartezimmer die Insolvenz.

Mit einer Kreideaktion machen Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen am Samstag von 10 Uhr an auf dem Göppinger Marktplatz und anschließend in der gesamten Innenstadt auf ihre Situation aufmerksam. #therapeutenamlimit heißt der Slogan, den sie überall auf Plätzen, Straßen und Gehwegen mit Kreide hinterlassen wollen. „Wir sind mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem viele Therapeuten ihre Praxis nicht mehr halten können“, klagt Logopädin Evelyn Knape, die seit 15 Jahren eine eigene Praxis in Ebersbach betreibt.

Knape, stellvertretende Vorsitzende im Landesverband der Logopäden, nennt zwei Hauptprobleme. „Es muss dringend das Schulgeld abgeschafft werden“, fordert sie. Rund 20.000 Euro koste die Ausbildung, aber anschließend – Problem Nummer zwei – sei der Verdienst mager: Zwischen 2000 und 2200 Euro verdienen Therapeuten als Berufseinsteiger, brutto, versteht sich. Grund seien die niedrigen Honorarsätze, die von den Krankenkassen überwiesen werden. „Unterirdisch“ nennt Knape dies.

Nachwuchs fehlt

Die Folge: Immer weniger junge Menschen lassen sich ausbilden, es fehlt der Nachwuchs. Knape hat es selbst erlebt: Statt drei Mitarbeiterinnen hatte sie ein Jahr lang nur eine einzige Kollegin, es gab niemanden, der in der Praxis arbeiten wollte.

Der Initiator des Protesttags, der Physiotherapeut Heiko Schneider aus Hessen, brachte eine Protestnote mit dem Fahrrad nach Berlin zu Gesundheitsminister Jens Spahn, am Schluss hatten sich 1000 Kollegen mit Brandbriefen angeschlossen. Wenn sich nichts ändert, müsste der Kollege im kommenden Jahr seine voll ausgelastete Praxis in die Insolvenz schicken, berichtet Evelyn Knape. Sie hofft nun, dass die Proteste etwas bewirken, sonst sei es um die Zukunft einer ganzen Branche schlecht bestellt.

Info Die Aktion beginnt am Samstag um 10 Uhr vor dem Göppinger Rathaus.

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