Wallfahrt Tausende Gläubige pilgern zur Bernharduskapelle

BEATE SCHNABL 22.08.2016
Wie jedes Jahr am 20. August pilgerten Tausende Gläubige auf dem Bernhardus. Der ehemalige Abt Pater Kassian Lauterer aus Bregenz hielt die Festpredigt.

Die kleine Kapelle auf dem Bernhardus im Albuch steht meist einsam auf der Lichtung. Lediglich Wanderer oder Radfahrer kommen vereinzelt vorbei und halten inne. Nicht so am 20 August. An diesem Tag, dem Namenstag des Heiligen Bernhard von Clairvaux, strömen die Menschen in Scharen zu diesem Gnadenort. So auch Edith Nagel und Siegfried Gaugler aus Donzdorf. Sie haben ihr Auto am Jägerhaus abgestellt und gehen die restlichen Kilometer zu Fuß. „Wir wandern gern im Albuch und so ist es selbstverständlich, dass wir auch zur Bernharduswallfahrt gehen“, erklärt Edith Nagel.

Busse rollen an den Pilgern vorbei, bringen weitere Gläubige aus Donzdorf, Lauterstein und Schwäbisch Gmünd. Rainer Schmidt hat sich bereits um 6 Uhr mit dem Fahrrad aufgemacht. Er verbinde die Wallfahrt mit einer größeren Radtour, erzählt er. Nun freue er sich auf die andächtigen Minuten während des Gottesdienstes. Viele tragen Rucksäcke und nutzen die Wallfahrt für eine Wanderung. Dann ist das Glöckchen der Bernhardus-Kapelle zu hören. Die Menschen beschleunigen ihren Schritt. Längst haben sich auf der Waldlichtung zahlreiche Gläubige versammelt. Und noch kommen immer mehr hinzu. Die meisten stehen, viele haben sich Klappstühle oder Decken mitgebracht.

Die Sonne blinzelt durch die Baumwipfel und taucht die Szenerie in ein stimmungsvolles Licht. Die Stadtkapelle Weißenstein beginnt zu spielen, eine andächtige Stille macht sich breit.  Das Bernharduslied wird angestimmt. „Wallfahrtsorte sind die Geographie des Glaubens“, macht Festprediger, Alt-Abt Pater Kassian Lauterer aus Bregenz, deutlich. Er habe in Google Bernharduswallfahrt eingegeben und sei dabei nur auf diese Wallfahrt gestoßen.

Der ehemalige Abt der Territorialabtei Wettingen-Mehrerau umreißt kurz die Geschichte der Bernharduskapelle und beschreibt den Ursprung der Wallfahrt vor mehr als 300 Jahren, die auf Initiative der Grafen von Rechberg hier entstanden ist. Der Geistliche gibt offen zu, dass er selbst von dieser Wallfahrt erst vor kurzem erfahren habe. Und das, obwohl dieser Ort so viele Menschen anlockt. In seiner Predigt geht er schließlich ausführlich auf das Leben und Wirken des Heiligen Bernhard von Clairvaux ein.

Nach den Fürbitten folgt die Gabenbereitung. Dazu singt der Männerchor Lauterstein. Bei der Verteilung der Kommunion wird der Zelebrant von weiteren Geistlichen aus der Umgebung unterstützt. Der Männerchor und die Stadtkapelle unterstreichen diesen feierlichen Akt. Nach dem Segen mit dem Bernhardus-Reliquienkreuz machen sich die Menschen wieder auf den Heimweg.

Zur Stärkung hält der Liederkranz Weißenstein heiße Rote  im Wasserwecken bereit. „Nach dem Gottesdienst no a Veschpr, dann isch des a scheener Tag“, meint Gabriele Witzani. Seit 65 Jahren komme sie nun schon jedes Jahr zur Bernharduswallfahrt, verrät die rüstige Rentnerin. Als Kind habe ihr Vater sie mit dem Motorrad hierher mitgenommen.

Nicht nur Gläubige haben eine enge Verbundenheit zu dieser Wallfahrt. Seit 50 Jahren begleitet die Stadtkapelle Weißenstein den Gottesdienst, schon im Jahr  1966 unter der Leitung von Fridolin Pausch, der aus diesem Anlass am Samstag beim Schlusslied den Taktstock übernahm. Und die Firma Marzini aus Göppingen ist seit 1963 ehrenamtlich und unentgeltlich für die Beschallung verantwortlich.