Glaube Symbol des Glaubens steht wieder

1949 wurde das Kreuz im Gedenken an vier Menschen aufgestellt,  die in Gosbach Opfer des Zweiten Weltkrieges wurden.
1949 wurde das Kreuz im Gedenken an vier Menschen aufgestellt, die in Gosbach Opfer des Zweiten Weltkrieges wurden. © Foto: Patricia Jeanette Moser
Gosbach / Patricia Jeanette Moser 03.08.2018
Albert Karle und Erwin Rieg retten das Feldkreuz im Gosbacher Gewann „Esel“ vor dem Verfall. Mit einer Andacht und Musik wurde es eingeweiht.

Für den Gosbacher Emil Müller bedeutet das Kreuz im Gewann „Esel“ am früheren Sportplatz in Gosbach viel. Schließlich wurde es 1949 aufgestellt, um der vier Opfer des Zweiten Weltkriegs in Gosbach zu gedenken, unter anderem seinem gleichnamigen Vater. Durch dessen Tod wurde Emil Müller zum Vollwaisen. Die Zeit meinte es aber gut mit ihm, nicht so mit dem Kreuz: Es verwitterte. Deshalb wurde es auf Initiative zweier rühriger Gosbacher restauriert und am Freitag eingeweiht. „Christliche Zeichen im christlichen Abendland haben durchaus ihre Berechtigung“, sagte Bad Ditzenbachs Bürgermeister Herbert Juhn.

Insgesamt kamen 30 Gläubige an den Standort des Feldkreuzes. Dieses stand kurz vor dem Verfall. Es hatte eine verfaulte Standfläche und auch die „Jesus-Skulptur“ war nur noch teilweise vorhanden. Es ging das Gerücht um, dass das Kreuz wohl entfernt, gar „entsorgt“ würde. Albert Karle aus Gosbach wollte dies nicht geschehen lassen und setzte sich für die Restaurierung ein. Gemeinsam mit dem Gosbacher Erwin Rieg, der als Jäger im Gebiet des Feldkreuzes sein Jagdgebiet hat, erfolgte die Erneuerung. Bei der Jesus-Figur wurden Finger, Zehen und auch ein großer Teil des Kopfes neu modelliert und wieder gänzlich hergestellt. Das Kreuz selbst steht jetzt mit Metall-Spangen fest verankert im Boden. Ein Beton-Fundament stützt das Ganze.

Das Holzkreuz ist nicht mehr der Verrottung ausgesetzt. Es schwebt sozusagen ein Stück weit über dem Boden in seiner sicheren Verankerung. Ein kleines Blumenbeet schmückt den Standort des Feldkreuzes. Helfend standen mehrere Gosbacher Firmen zur Seite. Die Materialkosten wurden von der Gemeinde Bad Ditzenbach getragen.

„Insgesamt stehen auf der Gosbacher Gemarkung etwa 30 Kreuze“, weiß Albert Karle. Ihm liegen das Kreuz und seine Symbolik sehr am Herzen und daher ruht sein fürsorglicher Blick auch auf den Kreuzen im Ort. Als Heimatforscher bedient er sich aller Archive, die ihm Einblick gewähren zur Ortsgeschichte. Sein Heimat-Foto-Kalender, den es jährlich in Gosbach zu kaufen gibt, hängt fast in jedem Gosbacher Haus.

Die Recherchen von Albert Karle ergaben, dass das Feldkreuz am „Esel“ das einzige kommunal errichtete Kreuz in Gosbach ist und bereits 1949 schon einmal restauriert und neu aufgestellt wurde – ebenfalls wegen Verrottung. „Der restaurierte Christus muss sehr alt sein“, fügt Albert Karle hinzu. Das bewiesen die Spuren, die die Restaurierung hervorbrachte.

Das bestätigten einige der Anwesenden am Freitagnachmittag. Manche erinnerten sich genau, dass bei der Errichtung des Feldkreuzes im Jahr 1949 an vier Opfer des Zweiten Weltkrieges gedacht wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde demnach an die Kriegsopfer Gosbachs vom 21. April 1945 gedacht. Ein Artillerieangriff kostete an diesem Tag Emil Müller, Hans Alt und den Franzosen Louis Bonnet, kurz vor Kriegsende, das Leben. Die Gosbacherin Lore Schweizer überlebte erblindet den Angriff. Emil Müller, der gleichnamige Sohn des Kriegsopfers, erzählte vom schwarzen Tag, an dem er mit erst 13 Jahren zur Vollwaise wurde: „Ich habe trotzdem jede Menge Glück gehabt im Leben“, sagte er mit nun 86 Jahren rückblickend und dankbar vor dem Feldkreuz.

Symbol des Friedens

Für mehr als 70 Jahre Frieden steht das Feldkreuz auf dem „Esel“ heute unter anderem. Die weitere Bedeutung des Kreuzes wurde von den anwesenden Pfarrern Wolfgang Krimmer (Evangelische Christuskirchengemeinde) und Christuraj Lourdusamy (Seelsorgeeinheit Deggingen-Bad Ditzenbach) erörtert. Die Legende von Jesus und dem Esel führte Symbolik und Standort des Feldkreuzes eindrücklich zusammen.

Manuela Rink und Claudius Karle vom Musikverein Gosbach, umrahmten die Einweihung musikalisch. Gemeinsamer Gesang und Gebete bereicherten die besinnliche Stunde im Wald. Der Gesangverein Gosbach, dem auch die beiden „Restauratoren“ Albert Karle und Erwin Rieg angehören, war fast geschlossen anwesend. Das Kreuz am Gosbacher „Esel“, nahe des alten Sportplatzes, steht auch weiterhin für Dankbarkeit, Bewahrung, Führung, Lebensfreude und Orientierung, so die geistlichen und weltlichen Redner an diesem Nachmittag. Dieses 1949 erstellte und 2018 erneut restaurierte Kreuz steht auch in der Gegenwart als Zeuge für Kultur-, Glaubens- und Heimatgeschichte, darin waren sich alle Anwesenden einig.

Mehrere Wege führen zum restaurierten Kreuz

Der Weg zum Feldkreuz hinauf auf die Albhochfläche führt vorbei am Gosbacher Bauernhof der Familie Emil Müller, nahe der Autobahn A 8/Drackensteiner Hang. Von dort aus geht es weiter hinauf zum alten Sportplatz. Heute wird diese landwirtschaftliche Fläche von Landwirt Werner Bunz/Eselhöfe bewirtschaftet. 

Autofahrer können über die Gemarkung Mühlhausen vom Ortsteil Eselhof aus zum Kreuz gelangen – oder man kann vom ehemaligen Gasthaus Alpenrose aus hin wandern.

Bei gutem Wetter kann durch den Wald gefahren werden. Allerdings besteht die Gefahr, dass das Auto an manchen Stellen auf dem Boden aufsitzt. Davor warnt ein Schild, das Jäger Erwin Rieg aufgestellt hatte. Je nach Wetterlage und Straßenzustand ist dieser Aspekt unbedingt zu beachten.

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