Stadtentwicklung SWU-Aus bringt Uhingen neue Perspektiven

In Uhingen endet eine über hundertjährige Textiltradition. Die SWU wird bis Ende Mai das Gelände an der Ulmer Straße räumen. Weil es groß ist und zentral liegt, ergeben sich für die Stadt interessante Nutzungsmöglichkeiten.
In Uhingen endet eine über hundertjährige Textiltradition. Die SWU wird bis Ende Mai das Gelände an der Ulmer Straße räumen. Weil es groß ist und zentral liegt, ergeben sich für die Stadt interessante Nutzungsmöglichkeiten. © Foto: Staufenpress
Uhingen / Ingrid Zeeb 13.02.2018
Mit dem Ende der ehemaligen Uhinger Spinnweberei eröffnen sich der Stadt neue Möglichkeiten  bis hin zu einem alternativen Hallenstandort.

Das Aus für die ehemalige Uhinger Spinnweberei ist für die Beschäftigten und den Wirtschaftsstandort bitter. Doch für die Stadt tun sich damit auch unerwartet neue Perspektiven auf. Auf dem gut 1,2 Hektar großen Areal, das zentrumsnah an der Ulmer Straße liegt, könnten in einem „Urbanen Gebiet“ Wohnungen, neue Wirtschaftsbetriebe und Parkplätze entstehen, der östliche Teil ist als Alternativstandort zu der auf dem Haldenberg geplanten Sporthalle denkbar. Doch entschieden ist noch nichts. Der Gemeinderat hat jetzt einstimmig beschlossen, dass für das Gebiet zunächst ein Bebauungsplan aufgestellt wird.

Bisher gibt es dort nur zwei Baulinien aus dem vorletzten Jahrhundert, die für eine städtebauliche Neugestaltung nicht ausreichen. Eine Veränderungssperre soll ausschließen, dass bis zur Gültigkeit eines Bebauungsplanes unerwünschte Tatsachen geschaffen werden. Die Stadt Uhingen will ein Vorkaufsrecht für die Grundstücke. Auch diese beiden Punkte wurden einstimmig beschlossen.

„Das ist städtebaulich ein sehr wichtiger Bereich für Uhingen“, begründete Hauptamtsleiter Reinhard Goldmann die Aufstellung eines Bebauungsplans. „Diese Größenordnung erfordert Gestaltung und Lenkung, deshalb wollen wir alle Instrumente des Baurechts anwenden, um die Gestaltung offensiv anzugehen.“ In einem „Urbanen Gebiet“ ist eine Mischnutzung von Wohnen und Gewerbe zulässig, Schalltechnische Gutachten sollen nun zeigen, welche Nutzungen tatsächlich möglich sind. In den nächsten Monaten werde die Planung ausgearbeitet. Die Stadt Uhingen sei in Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern, und diese hätten auch Verständnis für das Vorgehen der Stadt gezeigt.

„Die SPD kann sich allem anschließen“, sagte Susanne Widmaier. „Auch wenn es natürlich sehr bedauerlich ist, dass der Betrieb schließt. Die Spinnweberei Uhingen war einmal ein großer Name.“ Das Vorgehen, dass sich die Stadt ein Vorkaufsrecht sichert, habe sich in der Vergangenheit bewährt, etwa beim Bau des Uditoriums, stellte sie fest.

So sah es auch Rainer Frey (FWV): „Das ist eine sehr wichtige Entwicklungsmöglichkeit mitten in der Stadt. Wir müssen schauen, dass wir das Grundstück erwerben können.“ Auch für Rolf Höflinger (FDP/UB) ist dieses Areal „eine Riesenchance“. „Ein so großes Grundstück mitten in Uhingen, wo wir bestimmen können, was gemacht wird“, das überzeugte auch Sabine Braun (CDU).

Ob die Sporthalle, die die Stadt Uhingen laut ihrem Konzept zur Sportstättenentwicklung bauen will, nun an der Ulmer Straße statt auf dem Haldenberg errichtet wird, steht aber noch in den Sternen. „Es eröffnet sich für uns einfach noch einmal eine andere Option“, erläuterte Goldmann auf Anfrage. Das SWU-Gelände habe durch die Nähe zur Hieberschule seinen Reiz als Standort für eine Sporthalle. „Es gibt viele Ideen, aber noch keine Entscheidung“, unterstreicht er jedoch.

Fast 125-jährige Firmengeschichte geht in Uhingen zu Ende

Gründung: 1894 gründeten Moritz und Harry Rothschild die Mechanische Weberei M. Rothschild & Söhne in Uhingen. Die Spinnweberei war führender Hersteller für Schuhfuttergewebe. 1896 wurde eine Spinnerei in Waldkirch erworben. 1925 arbeiteten in Uhingen mehr als 300 Menschen.

Verkauf: 1936 wurde das jüdische Unternehmen weit unter Wert an die Firma Walter Otto in Klingenstein verkauft. Die Besitzer emigrierten in die USA. 1950 kam die Firma wieder in den Besitz der Familie Rothschild und firmierte fortan als Spinnweberei Uhingen GmbH. 2013 war das Unternehmen insolvent und wurde von der Karlsruher Ettlin Textiles AG gekauft, die den Betrieb als SWU Technical Fabrics in Uhingen weiterführte.

Ende: Zuletzt arbeiteten gut 30 Beschäftigte in Uhingen, die Ettlin AG hatte nach eigenen Angaben mit der SWU zwischen sieben und acht Millionen Euro Umsatz im Jahr gemacht. Weil der Hersteller spezialisierter Textilgewebe jedoch der billigeren Konkurrenz aus Asien auf Dauer nicht mehr trotzen konnte, wird der Betrieb der SWU in Uhingen bis Ende Mai eingestellt.

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