Ulm Superstar setzt neue Maßstäbe

FRANK KÖNIG 20.07.2012
Superstar Elton John fliegt am heutigen Freitag in Ulm ein und tritt auf einer Stadionbühne auf dem Münsterplatz auf. Während des Konzerts sollen sogar die Glocken schweigen. Das gab es bisher noch nie.

Mit Elton John tritt heute einer der größten Popstars auf, die je in Ulm Station gemacht haben. Entsprechend sind die Vorbereitungen der Konzertveranstalter Carlheinz Gern und Rolf Weinmann von Provinztour. Der Aufbau der Stadionbühne auf dem Münsterplatz ist bereits abgeschlossen. Die Bühne ist so teuer, dass sie erstmals nicht bisSchwörmontag stehen bleibt, sondern nach dem Auftritt von Elton John sofort wieder abgebaut wird. Für das Schwörmontags-Programm des Mitveranstalters Donau 3 FM wird dann eine neue Bühne erstellt.

Der Superstar landet in Memmingen und kommt von dort mit dem Helikopter nach Ulm, Landepunkt: das Donaustadion. Von dort geht es dann mit Blaulicht-Eskorte auf den Münsterplatz, wo für Elton John und Band auch ein großer privater Aufenthaltsraum hinter der Bühne - man spricht von"backstage" - aufgebaut ist. Das Konzert beginnt pünktlich um 19 Uhr und dürfte spätestens gegen 22 Uhr enden, weil der 65-Jährige zurück nach London fliegt und der Start in Memmingen nur bis um 23 Uhr möglich ist. Flughafenmanager Ralf Schmid hat den Start der Maschine über eine Sondererlaubnis des Bundesluftfahrtamts ermöglicht, währendStuttgart nach Gerns Worten abwinkte.

Auf dem Münsterplatz werden heute rund 10 000 Zuschauer die Welthits des Briten wie"Candle in the Wind" hören. Die Veranstalter haben nach letztem Stand 9700 Tickets zum Preis von 70 Euro verkauft, zudem 500 VIP-Tickets für je 238 Euro. Die VIP-Lounge wurde erstmals auf das ganze Stadthaus ausgedehnt, mit dem Buffet im Stadthaus-Saal.

Gern, der auch als Geschäftsführer von Donau 3 FM über ein breites Netzwerk verfügt, wurde zudem offenbar mit zahlreichen Anfragen für Gratistickets bombardiert. Viele"alte, neue Freunde" wollten eine Karte schnorren. Besonders heikel sind Wünsche aus dem Umfeld von Politikern. Gern hat dazu ein Rechtsgutachten eingeholt und auch wegen der Affäre mit den ENBW-WM-Karten keine Tickets an Minister, Abgeordnete und Stadträte herausgegeben: um keinen Verdacht der"Bestechung oder Vorteilsnahme" auszulösen. Gern:"Ich gehe für einen Stadtrat nicht ins Gefängnis."

Dagegen haben OB Ivo Gönner und auch Finanzbürgermeister Gunter Czisch als Hausherren Anspruch auf einen Dienstausweis.

Die Bedeutung, die das Konzert hat, mag man auch daran ermessen, dass selbst die Münstergemeinde dem Star entgegenkommt. Wie Gern berichtet, hat Elton John die evangelische Kirchengemeinde höflich ersucht, die Glocken während seines Auftritts abzustellen. Münsterpfarrerin Tabea Frey habe Verständnis signalisiert. Das sei ein einmaliger Vorgang.

Auch beim Schwörmontagskonzert der legendären britischen Rockband The Who 2006 läuteten die Glocken normal. The Who gaben mit den Ausschlag, dass Elton John in Ulm auftritt. Das Management hatte einen Imagefilm zum Münsterplatz erhalten, in dem die von Elton John geschätzten The Who eine prominente Rolle spielen.

Der Musiker und sein Management haben aufgrund der Kalkulation für den Münsterplatz - Kapazität, Produktionskosten - das Honorar berechnet. Danach fiel bei Gern und Weinmann der Entschluss:"Wir können es wagen." Gern hätte es jedoch bevorzugt, wenn das Konzert wie zuletzt in Würzburg teils bestuhlt gewesen wäre. Dann hätte man höhere Ticketpreise nehmen können. Das Konzert muss genügend abwerfen, um die Schwörmontags-Party zu finanzieren, bei der keine Einnahmen erzielt werden.

Eine Bestuhlung oder Tribüne im rückwärtigen Bereich des Platzes war auch deshalb nicht machbar, weil sich der Wochenmarkt am Mittwoch und morgigen Samstag im Wesentlichen ungehindert ausbreiten soll.

Für Gern handelt es sich um das bedeutendste Konzert seiner Laufbahn seit dem Open Air in der Friedrichsau 1978. Es waren noch andere Namen im Gespräch: Eric Clapton, R.E.M. Paul McCartney:"Wir wollten etwas Großes bringen." Mit Elton John hat es auch deshalb gut geklappt, weil seine Deutschland-Agentur bereits Pink auf dem Münsterplatz veranstaltet hatte.