Kreis Göppingen Suche nach Tagesmüttern und Kinderfrauen

Die Kindertagespflege Tigerhäusle in Geislingen. Der Tagesmütterverein im Landkreis sucht nach wie vor Hände ringend Fachkräfte. Demnächst startet ein neuer Qualifizierungskurs.
Die Kindertagespflege Tigerhäusle in Geislingen. Der Tagesmütterverein im Landkreis sucht nach wie vor Hände ringend Fachkräfte. Demnächst startet ein neuer Qualifizierungskurs. © Foto: Rainer Lauschke
Kreis Göppingen / Von Susann Schönfelder 07.09.2018
Tagesmütter sind als Kita-Alternative gefragt. Auch der Bedarf an sogenannten Kinderfrauen steigt. Demnächst startet ein neuer Qualifizierungskurs.

Wenn Mama und Papa arbeiten gehen, müssen die Kinder versorgt sein. Eine Alternative zur Kita – oder zusätzlich zum Kindergarten und Schülerhort – sehen viele Eltern in der Beschäftigung einer Tagesmutter. Die Nachfrage nach dieser flexiblen Form der Betreuung steigt, das Angebot ist jedoch knapp. „Der Markt ist leer“, bringt es Bettina Bechtold-Schroff, Geschäftsführerin des Tagesmütter­vereins Landkreis Göppingen, auf den Punkt. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Einerseits steigen die Kinderzahlen, andererseits haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Doch es gibt zu wenig Fachkräfte – in der Vergangenheit war sicher auch die eher mäßige Bezahlung ein Hinderungsgrund.

Zumindest in diesem Punkt gibt es etwas Entspannung. Im Rahmen des „Pakts für gute Bildung und Betreuung“ hat das Land den Kommunen vor der Sommerpause zugesagt, sich an einer finanziellen Verbesserung für Tagespflegepersonen zu beteiligen. Das bedeutet: Selbstständige Tagesmütter in Baden-Württemberg verdienen künftig einen Euro mehr pro Kind und Stunde. „Wir hoffen, dass sich dies auswirkt und der bessere Verdienst ein Anreiz ist“, sagt Bechtold-Schroff.

Ein neuer Qualifizierungskurs startet am Samstag, 22. September. „Wir suchen Leute für alle drei Formen“, unterstreicht Ilse Birzele, Vorsitzende des Tagesmüttervereins. Also Tagesmütter, die sich bei sich zu Hause im Schnitt um drei bis vier Kinder kümmern, aber auch Tagesmütter, die sich mit anderen Tagesmüttern zusammenschließen und Räume für die Betreuung mieten. Derzeit gibt es zwölf solcher Großpflegestellen im Landkreis Göppingen, darunter zwei für Flüchtlingskinder.

Im Kommen sind sogenannte Kinderfrauen, „hier steigt die Nachfrage“, sagt Ilse Birzele. Eine Kinderfrau ist eine Art Nanny, die sich im Haus der Familie um die Kinder kümmert. Kinderfrauen sind bei den Eltern angestellt, der Tagesmütterverein vermittelt und steht beratend zur Seite, Zuschüsse gibt’s vom Landratsamt. „Auf keinen Fall soll eine Kinderfrau jedoch eine Haushaltshilfe sein“, unterstreicht Bettina Bechtold-Schroff.

„Räumlich gesehen ist es einfacher, Kinderfrau zu sein“, erklärt die Vereinsvorsitzende. Weil sie eben für ihre Arbeit das eigene Haus verlässt und kein Spielzeug oder Kinderbett vorhalten muss. Ansonsten seien die Voraussetzungen, auch was die Qualifizierung betrifft, bei Tagesmüttern und Kinderfrauen identisch. „Es hat sich herumgesprochen, dass der Komfort größer ist, wenn die Frau ins Haus kommt“, sagt die Geschäftsführerin.

Ilse Birzele und Bettina Bechtold-Schroff machen deutlich, dass es vor allem in größeren Kommunen schwierig sei, Personal zu finden – allen voran in der Göppinger Kernstadt. „Das soziale Ansehen bei der Arbeit an Kindern hat abgenommen. Aber Kinder sind das Kapital der Gesellschaft“, sagt die Vereinschefin und wünscht sich, dass diesem Berufsstand wieder mehr Wertschätzung entgegengebracht wird.

Aktuell hat der Tagesmütterverein 126 aktive, qualifizierte Tagespflegepersonen und 432 vermittelte Tagespflegekinder. Den Großteil der betreuten Kinder machen die unter Dreijährigen aus, ein Drittel der Tagesmütter hat einen pädagogischen Hintergrund. „Bei vielen geht es aber um Erfüllung“, sagt Bettina Bechtold-Schroff. Eine Erzieher-Ausbildung sei nicht notwendig, um Tagesmutter zu werden, Erfahrung im Umgang mit Kindern aber sehr wohl. Ilse Birzele und Bettina Bechtold-Schroff wissen: „Wenn die Frauen mal da sind, sind sie begeistert.“ Nahezu alle Kursteilnehmerinnen blieben auch bei der Stange. „Wir erleben immer wieder, dass Menschen aufblühen, wenn sie eigenständig arbeiten können“, nennt die Geschäftsführerin einen aus ihrer Sicht großen Vorteil bei der Arbeit als Tagesmutter.

Von Ernährung bis Rechtssicherheit

Kurs Ein neuer Kurs für Tagespflegepersonen startet am Samstag, 22. September, um 9 Uhr im Haus der Familie in Geislingen. In zunächst 30 Unterrichtseinheiten (Kurs 1) werden die Bewerberinnen fit für den Alltag als Tagesmutter gemacht. Es geht unter anderem um die Aufgaben der Betreuerin, um rechtliche und finanzielle Grundlagen der Kindertagespflege, um Sicherheit drinnen und draußen, Vertragsangelegenheiten und die Ernährung von Kindern. Insgesamt sind es 160 Unterrichtseinheiten, die eine Bewerberin absolvieren muss.

Kontakt Mehr Informationen und Terminvereinbarung unter Tel. (07161) 963310 oder (07331) 301763 beziehungsweise im Internet unter info@tmv-gp.de und www.tmv-gp.de

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