Böhmenkirch Stromfresser am Straßenrand

Mit den neuen LED-Lampen hofft die Gemeinde Böhmenkirch, die Kosten für die Straßenbeleuchtung um rund die Hälfte reduzieren zu können.
Mit den neuen LED-Lampen hofft die Gemeinde Böhmenkirch, die Kosten für die Straßenbeleuchtung um rund die Hälfte reduzieren zu können. © Foto: Gemeinde
THOMAS HEHN 20.03.2014
Zum Fenster hinaus geheizt wird in Böhmenkirchs öffentlichen Gebäuden schon lange nicht mehr. Trotzdem gibt es Einsparmöglichkeiten, wie ein dem Gemeinderat jetzt vorgelegter "Energiebericht" zeigt.

"Die öffentlichen Gebäude in Böhmenkirch sind in einem guten energetischen Zustand." Dieses Fazit schickte Bürgermeister Matthias Nägele am Dienstag in der Sitzung des Gemeinderates schon mal voraus. Und in der Summe hat der Schultes auch recht: Im "Energiebericht", den das Geislinger Albwerk (AEW) der Gemeinde alle zwei Jahre kostenlos zur Verfügung stellt, hatten alle 24 kommunale Anlagen im Jahr 2013 einen normalen bis niedrigen Energiebedarf. Gegenüber dem vergangenen Jahr ist der Wärmebedarf sogar um weitere 1,7 Prozent auf 1,23 Millionen Kilowattstunden (kWh), der Stromverbrauch um 0,3 Prozent auf 1,15 Millionen kWh gesunken.

Dass es aber immer Stellschrauben gibt, um den Strom- und Wärmeverbrauch weiter zu optimieren, wurde deutlich, als Liegenschaftsverwalter Stefan Kübler den knapp 70-seitigen Bericht des AEW im Detail erläuterte. Hier fällt auf, dass es in der Gemeinde zwei große "Stromfresser" gibt: So verbrauchen Rührwerke und Pumpen der Kläranlagen in Böhmenkirch (206.800 kWh) und im Roggental (161.000 kWh) zusammen 367.800 kWh Strom, was 2013 unterm Strich mit 78.000 Euro zu Buche schlug. Ohne die Abwasserturbine im Roggental, die 91.800 kWh Strom erzeugte, wären es sogar noch 14.000 Euro mehr.

Noch mehr Strom wird nur noch für die Straßenbeleuchtung verbraucht: Die Lampen in Böhmenkirch (225.269 kWh), Schnittlingen (48.000 kWh), Steinenkirch (43.000 kWh) und Treffelhausen (70.000 kWh) haben die Gemeinde im vergangenen Jahr stattliche 82 500 Euro gekostet. Wie berichtet hat die Gemeinde bereits mit der Umstellung auf LED-Leuchten begonnen: Derzeit werden in Böhmenkirch 180 Lampen - und damit rund die Hälfte aller Laternen im Hauptort, mit der neuen energiesparenden Technik ausgestattet. "Das könnte den Verbrauch um fast die Hälfte senken", berichtete Kübler von Erfahrungswerten des Albwerks.

An dritter Stelle der größten Stromverbraucher in der Kommune steht mit 233.500 kWh das Schulzentrum in Böhmenkirch, dessen Wärmebedarf mit 351.100 kWh im vergangenen Jahr 50.600 Euro - und damit so viel wie kein anderes öffentliches Gebäude kostete.

Die Heizkosten schlagen allerdings nur rechnerisch zu Buche: Schulzentrum, altes und neues Rathaus sowie Bibliothek werden von einer der Gemeinde gehörenden Hackschnitzelheizung in der Ortsmitte mit Nahwärme versorgt. Die Ausgaben für die Heizkosten werden als "innere Verrechnung" nur vom Etat der Gemeinde in den "Eigenbetrieb" der Gemeinde umgebucht. Eine "Win-Win-Situation" für die Kommune, zumal die Hackschnitzel überwiegend aus dem Gemeindewald kommen.

Ein Fernwärmekonzept wird derzeit auch in Schnittlingen verwirklicht. Das Rathaus mit Kindergarten wird schon von einer großen Biogasanlage versorgt, wodurch die Heizkosten um annähernd 20 Prozent gesunken sind. Einen ähnlichen Effekt erhofft man sich, wenn das Schnittlinger Gemeindehaus in diesem Jahr nach seinem behindertengerechten Umbau ebenfalls an das Wärmenetz der Biogasanlage angeschlossen wird.

Neben Fernwärme gibt es in der Gemeinde mit Fotovoltaikanlagen auf der Albsporthalle sowie den Schulen in Böhmenkirch und Treffelhausen noch weitere Energieproduzenten. Die hatten allerdings ein "relativ dunkles Jahr" hinter sich, wie Stefan Kübler bemerkte: So blieb die Stromerzeugung 2013 mit 147.260 kWh deutlich hinter dem Vorjahr (170.845 kWh) zurück. "Das lag auch daran, dass die Fotovoltaikanlagen zum Teil bis März mit Schnee bedeckt waren", erläuterte Kübler. Außerdem sei 2013 ein insgesamt dunkles Jahr gewesen. Das habe man unter anderem am überall gestiegenen Verbrauch für die Straßenbeleuchtung bemerkt. "Nur in Steinenkirch war das nicht der Fall", wunderte sich Kübler. "Dort wohnen auch die hellsten Köpfe", klärte ihn Steinenkirchs Ortsvorsteher Günter Pallaoro auf.