Lesung Stroheker liest aus neuem Buch „Inventarium“

Gratulationen, Geschenke und viel Lob fürs neue Buch: Tina Stroheker (l.) feierte ihren 70. Geburtstag mit einer Lesung.
Gratulationen, Geschenke und viel Lob fürs neue Buch: Tina Stroheker (l.) feierte ihren 70. Geburtstag mit einer Lesung. © Foto: Staufenpress
Eislingen / Sandra Thurner 15.06.2018

Exakt zum 70. Geburtstag machte die Eislinger Schriftstellerin Tina Stroheker Inventur. Nicht nur eine Inventur ihrer liebsten Dinge, sondern auch der Freunde und Wegbegleiter. Diese waren zahlreich zur Lesung ihres neuesten Buches gekommen, ja sie strömten nahezu mit guten Geburtstagswünschen und mit dinglichen Geschenken in die Stadthalle – um das Inventarium quasi zu bereichern. „Inventarium. Späte Huldigungen “, so heißt Tina Strohekers neuer Sammelband, den sie mit dem Fotografen Horst Alexy jüngst veröffentlicht hat.

Da widmete sich eine weltzugewandte Schriftstellerin der Dingwelt, ganz ohne Ekel wie etwa der Philosoph Jean-Paul Sartre (1905 bis 1980) und auch nicht mit metaphysischen Implikationen –, nein mit Liebe und Huldigungsabsichten. Geht das? Das beweist ein großformatiger Leseband mit 174 Seiten und 78 Farbfotos, der eine „unkruschtige Sammlung“ präsentiert, so der Verleger Hubert Klöpfer.

Die poetischen Prosaminiaturen bilden entlang der Gegenstände eine Art autobiographisches „Puzzle“, ein Schatzkästchen hervor geholter materieller und immaterieller Erinnerungen und Assoziationen. Dinge, die bewegt werden müssen, haben die Schriftstellerin von der Vergangenheit bis ins Jetzt bewegt und inspiriert.

In einer Zeit, in der viel und gern weggeworfen wird, ist solch ein Ansatz – welcher den Wert und die Bedeutsamkeit von Dinge, die uns teilweise lebenslang begleiten, in den Fokus rückt – besonders aussagekräftig.

„Inventarium ist unparteiisch“

Ihre Lesung an diesem Abend begann Tina Stroheker mit dem „Handspielbär“, über den sie las: „Er ist ein Komplize. Sitzt auf meinem Arm und kommentiert den Zustand der Welt. Was er treibt, wenn ich abwesend bin, weiß ich nicht; das wissen wir schließlich von keinem Ding.“ Stroheker erweckte mit solchen Zeilen, hier den Bär, mit einer schnörkellosen, aber dennoch bildlich klar konturierten Sprache zum Leben.

Manche Huldigungen, wie die des Heizkissens, sprachen biografische Details an; „Du bist schließlich zu früh geboren worden, nach acht Monaten war der warme Mutterbauch dem Bruder und dir zu eng, die Welt anschließend lebenslang zu kalt.“ Konkreta aus der Vergangenheit wurden mit denen aus dem Jetzt verknüpft – zumeist nicht brüchig und sprunghaft, sondern vielmehr fließend.

Beim Thema „Bücher“ wurde Stroheker besonders sentimental. Sie gebe jetzt manchmal Bücher weg und übe sich im Abschied nehmen, was ihr allerdings nicht sonderlich gut gelinge.

Auf jeden Fall freut sich ihre Leserschaft ein neues Buch – , das allerdings nicht so wagemutig wie das letzte (Luftpost für eine Stelzengängerin) ist – begrüßen zu dürfen; ein Buch der Wertschätzung, ein Buch mit Zukunft, ein Buch, das auf eigene Weise eine siebzigjährigen Lebensgeschichte zu ordnen und kohärent zu erzählen vermag.

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