Sommerfestival  Stimmakrobaten zaubern Feuerwerk

Das schwedische Ensemble „The Real Group“ bot auf Filseck ein musik-gepfeffertes Programm.
Das schwedische Ensemble „The Real Group“ bot auf Filseck ein musik-gepfeffertes Programm. © Foto: Giacinto Carlucci
Wiesensteig / Annerose Fischer-Bucher 30.07.2018

Fast so bekannt und beliebt wie Abba, bot „The Real Group“ als eine der führenden A-Cappella-Formationen im vollbesetzten schönen Ambiente des Innenhofs von Schloss Filseck und bei idealem Wetter ein musik-gepfeffertes Programm voll Stimmleidenschaft und Ausdruckskraft. Mit einem Mix aus Pop, Soul, Blues, Jazz und skandinavischer Musik von den 60er Jahren bis heute, in Arrangements und Eigenkompositionen und durch technische Finessen unterstützt, begeisterten sie das Publikum.

 Die Profis – Emma Nilsdotter (Sopran), Lisa Östergren (Alt), Anders Edenroth (Altus), Morten Vinther (Bariton) und Janis Strazdins (Bass) – überzeugten durch ein stilvolles Auftreten, bei dem die klassische Ausbildung immer wieder durchschimmerte. Ein bisschen Formationen, ein bisschen Revue-Charakter, ein bisschen Wechsel von Kleidung – die Damen wechselten von sommerlich ins feine Schwarze – und ein bisschen galant-sympathische Anmoderation auf Englisch: Das alles brachte anmutige Farbe ins musikalische Geschehen.

Officer Bratwurst aus Uhingen

 So zog die Gruppe das Publikum beispielsweise bei der Darstellung eines Musical-Ausschnittes in den Dialog. Die Besucher sollten den Sängern Attribute für ihre Rollen zuwerfen, was sie und zum eigenen Vergnügen auch taten. Mit lokal heiter-ausgelassenen Erfindungen wurden so die Figuren um Mr. und Mrs. Tomato um einen Mister Spätzle, einen Officer Bratwurst aus Uhingen oder mit Emma als Doc Sauerkraut ergänzt.

 War es die Geschichte in einem Song um ein Pferd in Riga, bei dem alle Register von stimmlichen Begleiteffekten gezogen wurden, war es bei „Elements“ eine hübsche Melodie mit träumerischem Pfeifen und gemimter Orchesterbegleitung, war es das poppig-jazzige „Water“ mit Vokalisen und durch „Glasharfen“ in fünf Tönen durch die Fünf angereichert – die zwei Frauen und drei Männer entpuppten sich als wahre Stimmakrobaten.

 Rhythmisch und harmonisch blitzsauber, enorm wandlungsfähig und feingetunt in den Stimmen wurden die Themen von Liebe (My heart is singing for you) und Verbotener Liebe in sämtlichen Tonarten und Tongeschlechtern und in übereinander geschichteten Clustern  dynamisch fein dargeboten.

 In „What If“ erklang plötzlich (scheinbar) wiederum ein ganzes Orchester, in „Nice Boy“ wurden die vielen Dissonanzen geschwind in jazzige Harmonien aufgelöst, im philosophischen „I`ll help you home“ und im skandinavischen Song mit akrobatisch-schnellen Silbenfolgen, zu dem das Publikum auch hätte tanzen dürfen, doubelte das Quintett eine ganze Jazzband.

Mit dem bekannten Song „Chili Con Carne“ (Columbo lässt grüßen) drehten die Fünf aus Stockholm am Ende nochmals richtig auf und imitierten vor den beiden Zugaben ein ganzes Orchester. Mit „Freedom“, bei dem das Publikum begeistert mitklatschte, und dem etwas  wehmütigen „Good Bye“ verabschiedete sich das schwedische Ensemble „The Real Group“, das sich 1984 aus Absolventen der Königlichen Musikakademie Stockholm formiert hatte.  Ein richtig schöner Sommerabend, zu dem man den Machern des Festivals und den vielen ehrenamtlichen Helfern nur gratulieren kann.

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