Ehrenamt Stiftung kümmert sich um vergessene Tiere

Die Ehepaare Eberhard und Behles (v.l.) engagieren sich mit vollem Einsatz für Heim- und Haustiere und vermitteln Tiere aus Gnadenhöfen und Tierheimen.
Die Ehepaare Eberhard und Behles (v.l.) engagieren sich mit vollem Einsatz für Heim- und Haustiere und vermitteln Tiere aus Gnadenhöfen und Tierheimen. © Foto: Kreissparkasse
Wäschenbeuren / Sabine Ackermann 07.04.2018

Neugierig streift Stubentiger Paulchen um die Beine des Neuankömmlings, kurz beschnuppern, alles klar, keine Gefahr. Nicht weit entfernt dösen Mona und Lisa auf einem der zahlreichen Kratzbäume friedlich vor sich hin und Kater Rudi genießt wohlig schnurrend die Streicheleinheiten seines „Frauchens auf Zeit“.

Nur vier Katzen, die wie weitere Artgenossen  derzeit im „Sanatorium Behles“ auf ein liebevolles Zuhause warten. Eine Bleibe, wo es die Tiere gut haben, artgerecht gehalten und als Lebewesen wertgeschätzt werden. Notwendige Kriterien hierfür sind ausreichend Platz und Zeit sowie die Familiensituation. Die dort lebenden Kinder, Katzen oder Hunde sollten bereit für einen tierischen Neuling sein.

Kontrolle hat oberste Priorität

„Keine Vermittlung ohne Vorkontrolle“, ist Gabriele Behles ganz wichtig, so hat das Wohl der Tiere im Verein generell oberste Priorität. „Unsere Mitstreiter werden mit den Fingerspitzen ausgesucht“, berichtet die 63-Jährige aus Wäschenbeuren, die im vorletzten Jahr zwischen 40 und 50 Katzen vermittelte. „Selbst wenn ich mich für die Tiere freue, für mich ist es immer ein Schmerz“, verrät die Mitbegründerin des 1998 ins Leben gerufenen gemeinnützigen Vereins „Aktiv für Tiere e.V.“. Tatkräftig unterstützt wird Gabriele Behles von ihrem Mann Markus sowie Ruth und Walter Eberhardt, das Ehepaar aus Albershausen kam etwa fünf Jahre später dazu. Mit im Helferboot sitzen eine dritte, sehr treue Lobbyistin, die allerdings anonym bleiben möchte, etwa 35 weitere Vereinsmitglieder und mittlerweile über 500 engagierte Unterstützer und Spender. „Das ist unser im ganzen Bundesgebiet verteilter Freundeskreis, von denen jeder Einzelne von unschätzbarem Wert ist“, erklärt Ruth Eberhardt das ineinandergreifende Netzwerk. Selbst Jahre nach der Vermittlung eines Tieres, sei man mit den meisten Familien noch immer in Kontakt. „Unter uns herrscht eine gute Harmonie und Vertrautheit“, betont die 61-Jährige, die sich in ihrem Außengehege neben „Urlaubskatzen“, auch um Hühner und Ziegen kümmert. „Wir sind immer da, wenn Probleme entstehen, bei uns heißt es keinesfalls, aus den Augen, aus dem Sinn“, ergänzt Gabriele Behles und nennt noch eine Frau, die sich auf medizinischem Sektor mit selbstlosem Einsatz um die kranken, verletzten oder vernachlässigten Tiere kümmert.

„Herkomma“, lautet die knappe Ansage der Ottenbacher Tieräztin, wenn man sie mitten in der Nacht wegen eines Notfalls aus dem Bett holt. „Vom Beruf zur Berufung, ohne unsere Annette Marquardt wäre unsere Arbeit um ein Vielfaches schwieriger, wir sind ihr zutiefst dankbar, sie ist unser Engel“, sagen Behles und Eberhardt.

Aufklärung auf Bauernhöfen

Gabriele Behles und Ruth Eberhardt liegt auch ein ganz besonderes Thema auf dem Herzen: Tierhalter, Gemeinden und alle, die mit Katzen umgehen darüber zu informieren, welche Konsequenzen aus der mangelhaften Versorgung freilebender Katzen entstehen können und welche Bedeutung deren rechtzeitige Kastration für die Eindämmung des Katzenelends in der Region hat – besonders auf Bauernhöfen gebe es unbelehrbare Katzenvermehrer. „Kastrieren, tätowieren und chippen sie ihre Tiere“, lautet ihre Botschaft an alle Tierbesitzer. In ihrer Freizeit fahren sie deshalb oft von Hof zu Hof, um den Landwirten ihre Hilfe anzubieten oder die Katzen in der Nähe des Grundstücks mit Futter zu versorgen. Dabei stoßen wir leider nicht immer auf offene Türen, berichtet Ruth Eberhardt und weiß: „Solange Katzen Mäuse fangen ist alles in Ordnung, doch an die immer größer werdenden Ausmaße der Katzenpopulation nimmt kaum jemand Anteil“. Verwilderte Hauskatzen vermehren sich ungehemmt vor allem in den städtischen Randgebieten sowie ländlichen Gegenden. Die Folge davon sei: „Der Großteil der unzähligen Jungkatzen stirbt elendig“. Aber es gebe auch Bauern die froh darüber seien, dass ihnen der Verein unter die Arme greift und die Tiere sterilisieren lässt.

Verein finanziert sich vor allem durch Spenden

Verein 1998 von etwa 10 Leuten gegründet, ist „Aktiv für Tiere e.V“ seither gemeinnützig – überwiegend in der Region – im Tierschutz tätig. Am 5. Juli 2017 errichteten die Ehepaare  Behles und Eberhardt unter dem Dach der Stiftergemeinschaft der KSK Göppingen die gleichnamige Stiftung.

Finanzierung Der Verein erhält keine Zuschüsse und finanziert sich durch Spenden, Verkaufserlöse aus Flohmärkten, Haussammlungen oder der Patenschaft für eines der Pflegetiere. Verwendungszweck „Aktiv für Tiere e.V. Göppingen“, Bankverbindung: KSK Göppingen, IBAN: DE28 6105 0000 0049 0780 00.

Hilfe Nähere Infos zur Katzen-Vermittlung erteilt Gabriele Behles, Tel. (07172) 1892390. Darüber hinaus ist die 24-Stunden-Anlaufstelle für verletzte oder notleidende Tiere unter Tel. (0152) 53573999 zu erreichen.

Wissen Die älteste, je im Guinness Buch der Weltrekorde geführte Katze hörte auf den Namen Crème Puff und war stolze 38 Jahre und 3 Tage alt, als sie 2005 in Texas verstarb. Wohnungskatzen haben eine ­Lebenserwartung von 8 bis 19 Jahren, wobei der Durchschnitt bei etwa 14 Jahren liegt, Streuner hingegen werden meist nicht älter als 4 Jahre. ack