Engagement Sternsinger trotzen Regen und Sturm

Sheremet, Mattis und Thomas ziehen mit flatternden Umhängen durch Dürnau. Dieses Jahr sammeln die Sternsinger für arme Kinder in Indien.
Sheremet, Mattis und Thomas ziehen mit flatternden Umhängen durch Dürnau. Dieses Jahr sammeln die Sternsinger für arme Kinder in Indien. © Foto: Jens Buchholz
Jens Buchholz 08.01.2018
In Dürnau hat die Hilfsaktion dank der Ökumene heute wieder stärkeren Zulauf.

Orkanböen peitschen den Regen an die bunten Scheiben des Gemeindesaals der katholischen Kirche St. Michael in Dürnau. Atemlos lauschen die Sternsinger und ihre Begleiter dem Sturm, der draußen an den Bäumen zerrt. „Vor der Tür ist voll die Überschwemmung“, meldet ein König vom Eingang her. Eigentlich sollten die Sternsinger jetzt losziehen. Aber das Wetter hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eine Gruppe singt gerade das Sternsinger-Lied „Stern über Bethlehem“. In der anderen Ecke des Saals trocknen sich einige triefend nasse Sternsinger die Haare. Daneben lernt eine Gruppe nochmal den Spruch: „Öffnet das Haus und öffnet das Tor!“

Karin Vogt-Humm organisiert in diesem Jahr erstmals die Sternsinger für Dürnau und Gammelshausen. Jetzt steckt sie mit den Begleitern die Köpfe zusammen. Schließlich verkündet sie „Wir laufen erst heute Nachmittag!“„Es hat die ganze Zeit geregnet“, erzählt später Hannes lachend. Er ist elf Jahre alt und zum zweiten Mal dabei. Der Regen habe ihm nichts ausgemacht. „Wir mussten sogar unsere Besuchsliste trockenföhnen“, berichtet er. „Die war nass, und wir konnten nicht weiterblättern.“ Trotzdem ist er jetzt schon sicher, dass er im kommenden Jahr wieder dabei ist.

Organisatorin Karin Vogt-Humm ist am Abend hoch zufrieden. „Es sind 33 Kinder mit zehn Begleitern an zwei Tagen unterwegs gewesen“, erzählt sie. Und trotz des widrigen Wetters hätten die Sternsinger in diesem Jahr mehr Spenden gesammelt, als in den beiden vorangegangenen Jahren. „3761,74 Euro, darauf können wir richtig stolz sein“, findet Vogt-Humm.

Mattis, Sheremet und Thomas stehen an einer offenen Haustüre in der Riedstraße und singen mit flatternden Umhängen beherzt gegen den Wind an. „Wir sammeln in diesem Jahr gegen Kinderarbeit in Indien“, erklärt Mattis der freundlichen Frau, die ihnen geöffnet hat. Die steckt einen gerollten Schein in die Spendenbüchse, anschließend bekommt jeder Bub noch eine Kekspackung zugesteckt. Dann wird der Segen an der Haustüre erneuert. „Immerhin regnet es nicht mehr“, verabschiedet sie die Frau. „Zum Glück“, antworten die drei im Chor und ziehen weiter.

Den ökumenischen Aussendungsdienst für die Sternsänger hatten der katholische Pfarrer Hubert Rother und seine evangelische Amtskollegin Miriam Springhoff am Silvestertag gemeinsam gestaltet.

Die Aktion Sternsinger sei in Dürnau und Gammelshausen eine enge Kooperation zwischen der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde, erklärt Marie-Luise Buchholz. Als ehemalige Chorleiterin des Kinderchores der evangelischen Kirchengemeinde, sei sie von der damaligen Sternsinger-Organisatorin Gerda Ehrler darauf aufmerksam gemacht worden, dass es für die katholische Gemeinde schwierig geworden sei, genügend Kinder zu finden. „Da habe ich meine Kinderchorkinder gefragt, ob sie Lust hätten“, erzählt sie. Seither laufen als Sternsänger auch viele evangelische Kinder mit.

Heute helfen Marie-Luise Buchholz und Gerda Ehrler den Sternsingern beim Einkleiden in ihre prächtigen Kostüme. Die hat zum größten Teil Gerda Ehrler genäht. Insgesamt fünfzehn Jahre lang hat sie die Sternsinger organisiert und in diesem Jahr das Amt an die langjährige Sternsinger-Begleiterin Karin Vogt-Humm abgegeben.

Micha ist fünf. Er will auch Sternsinger werden, wenn er groß ist. Jetzt guckt er seinem großen Bruder Hannes zu, wie er mit seinen Mitkönigen Sofie, Eva und Max im Kreis sitzt und  die gesammelten Süßigkeiten aufteilt, teilweise sogar mit einer Lebensmittelwaage.

„Die Süßigkeiten sind toll“, meint Sternsinger Max, „aber es ist schon auch wichtig für mich, den Kindern in Indien zu helfen.“ Beim Vortreffen im November hätten sie sich einen Film anschauen können, in dem alles erklärt wurde. „Da wurde ein fünfjähriges Kind gezeigt, das 14 Stunden am Tag arbeiten muss, das ist schon krass“, erinnert er sich. Micha hört gebannt zu.

Am evangelischen Pfarrhaus in Dürnau hat sich eine Gruppe Sternsinger versammelt. „Die Pfarrerin ist im Urlaub, aber beim Aussendungsgottesdienst hat sie uns gesagt, dass sie trotzdem einen Segen an ihrer Tür braucht“, sagt König Marius. Die Kinder tun sich etwas schwer mit der Höhe des Türrahmens, aber am Ende steht der Segen da. In Schönschrift.