Ökostrom Steiniger Weg zur Windkraft

Blick auf die Fotovoltaikanlage auf der neuen Technotherm-Halle in Eschenbach. Sie geht demnächst als neunte Anlage der Bürgerenergiegenossenschaft ans Netz.
Blick auf die Fotovoltaikanlage auf der neuen Technotherm-Halle in Eschenbach. Sie geht demnächst als neunte Anlage der Bürgerenergiegenossenschaft ans Netz. © Foto: Bürgerenergiegenossenschaft
Jürgen Schäfer 04.07.2018

In neun Jahren hat die Bürgerenergiegenossenschaft Voralb-Schurwald neun Fotovoltaik-Anlagen gebaut. Das hört sich nach einem Selbstläufer an. Aber: Die Suche nach Standorten war nie einfach. Es kommen fast nur Gemeindegebäude in Betracht: Feuerwehrmagazine wie in Heiningen, Dürnau und Schlat, Schulen und Turnhallen wie in Eschenbach, Schlierbach und Börtlingen. Die Vereinshalle der Kleintierzüchter in Heiningen ist da schon eine Ausnahme. Das Problem: Die Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) braucht ein gutes Dach und einen Eigentümer, der mit einer geringen Dachmiete zufrieden ist. Vorstand Dieter Nemec hat schon über das Kerngebiet hinausgeblickt und die Fühler zum kreiseigenen Schulzentrum in der Öde ausgestreckt. Aber das verhedderte sich in Fragen, wie das bautechnisch zu bewerkstelligen sei.

Gut, dass Eschenbach und Heiningen nach vielen Jahren Diskussion die Sport- und Kulturhalle in Eschenbach gebaut haben. Sie lässt sich mit fast 50 Kilowatt-Peak bestücken – ein satter Zuwachs zu den 242 Kilowatt maximale Leistung, die die bisher acht Anlagen bringen. Eine Besonderheit: Die Module werden nicht in der Dachhaut verschraubt, weil nichts das Dach durchdringen soll. Sie werden schlicht beschwert, mit bis zum 50 Kilo pro Modul. So trotzen sie dem Wind, berichtete Nemec den gut 50 Teilnehmern der jüngsten Generalversammlung im Gammelshäuser Gemeindehaus. Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Taxis lobt Nemec: Es sei keine Kleinigkeit gewesen, die Module sauber in Linie bei einer Dachneigung von 2,5 Prozent auszurichten.

Schon zwei Jahre alt ist der Beschluss der BEG, in die Windkraft einzusteigen. Umgesetzt ist das noch nicht. Die BEG ist zwar längst Kommanditist in einer GmbH & Co KG, die unter Federführung einer großen Firma sieben Windräder im Raum Singen an der A 81 betreiben will. Aber vor Ort klemmte es – und überhaupt. Es begann damit, dass das Regierungspräsidium im Februar vorigen Jahres die „Waldumwandlungsgenehmigung“ zurückgewiesen hat. Die Windräder sollen auf einem bewaldeten Kamm auf 900 Meter Höhe entstehen, es steht dort auch schon schon ein älteres Windrad, sagt Nemec. Das Problem: Mit der Ausgleichsfläche für den Natureingreiff hat’s gehapert. Und so wurde es nichts mit dem Baubeginn in 2017. „Wir haben uns die Haare gerauft.“

Das größere Problem: Man braucht Gelder von der EEG-Umlage, und die werden über eine Ausschreibung vergeben. Da werden Tranchen über riesige Leistungsmengen ausgeschrieben, und man muss günstig bieten. Die GmbH, zu der die BEG Voralb-Schurwald gehörte, bot zunächst einen Preis von 5,78 Cent pro Kilowattstunde. Heißt: Sie dürfte dann zu diesem Preis Strom produzieren. Liegt der Marktpreis darunter, schließt die EEG-Umlage die Lücke. Aber mit diesem Gebot wurde sie haarscharf ausgebremst. Bei der nächsten Ausschreibung ging sie runter auf 5,2 Cent, aber andere waren günstiger. Beim dritten Mal hätte sie sogar unglaublich niedrige 3,72 Cent bieten müssen, um zum Zug zu kommen. Aber siehe da. Bei der vierten Ausschreibung klappte es.

Das war Anfang des Jahres. Aufatmen. Die Rodung war mittlerweile genehmigt. „Das ist nur ein Bruchteil des regulären Waldeinschlags“, verdeutlicht Nemec. Aber eine Bürgerinitiative will die Windräder verhindern – bis heute. „Die Gegner klagen gegen das Regierungspräsidium und gegen das Land“, berichtet Nemec. Er denkt, dass sie unterliegen. Aber: „Ein Risiko bleibt.“ Und so ließ die GmbH nur den Wald roden, die Trasse für die Leitung ins Tal aber noch nicht herstellen. Wenn die Gerichte Ja sagen, könnten die  Windräder Mitte/Ende nächsten Jahres laufen.

Wieviel sie bringen – Nemec weiß es nicht. Man habe bei der Windkraft Schwankungen von plus minus 40 Prozent. Die BEG vertraut dem Standort. Wie acht weitere Bürgerenergiegenossenschaften, darunter die ökumenische Energiegenossenschaft mit Sitz in Bad Boll, und sieben Stadtwerke, darunter die aus Schwäbisch Gmünd.

Die Strategie: Die BEG will Windkraft nur zu einem Drittel ihres Geschäftsumfangs. „Das ist ein gesundes Verhältnis“, sagt Nemec. Das Risiko solle verteilt sein. 180 000 Euro sind es letztlich geworden, und weil sie schon investiert sind, aber noch keinen Ertrag bringen, sinkt die Dividende auf drei Prozent. Es sollen wieder die fünf Prozent werden, wenn die Windräder bei Geisingen laufen, an denen die BEG Voralb-Schurwald mit einem Fünfundfünfzigstel beteiligt ist.

Eine zehnte Fotovoltaik-Anlage ist nicht in Sicht, bedauert Nemec. Die Energiegenossenschaft könnte sie aus dem Stand finanzieren. 250 000 Euro halten die Mitglieder auf Abruf bereit. Das würde locker für fünf Anlagen wie die auf dem Dach der Technotherm-Halle reichen, sagt Nemec.

Aber er hat auch anderen Zuwachs im Blick. Man werde auf auslaufende GbR-Gesellschaften zugehen, die für 20 Jahre Fotovoltaik-Strom produzieren und sich dann entscheiden müssen, ob und wie sie den Strom weiter verkaufen. „Sie müssten dann denselben Aufwand betreiben wie wir“, sagt Nemec. „Wir sind ein eingetragenes Energieversorgungsunternehmen.“  Die BEG könnte sie übernehmen und würde ihnen anbieten, Genossen bei ihnen zu werden.

„Wir sind an der unteren Grenze“

Größe Die Energiegenossenschaft Voralb Schurwald gehört zu den kleinen im Land. „Wir sind so an der unteren Grenze“, sagt Vorstand Dieter Nemec. Sein Vergleich: Mit zuletzt 266 000 Kilowattstunden habe man gerade mal das anderthalbfache produziert, was das ökumenische Gemeindehaus in Heiningen früher an Energie brauchte.

Energiesparen Wohlgemerkt: früher. Heute braucht dieses Heininger Gemeindehaus nur noch 60 000 Kilowattstunden. Weil es isoliert ist und eine effiziente Reglertechnik bekam. Das zeigt: Es lässt sich auch gewaltig Energie sparen.

Ertrag Das vorige Jahr war sonnenreich. Die BEG verkaufte Strom für 68 300 Euro, das waren 2000 Euro mehr als im Vorjahr. Der Überschuss stieg um diesen Betrag auf  knapp 20 000 Euro.

Steuern Die BEG zahlt einiges an Steuern. 3500 Euro Gewerbesteuer gehen an die Standortgemeinden.

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