Gabionen sind im Kommen. „Im Baumarkt gibt es das in jeder Höhe“, weiß Olaf Post. Er wollte das auch für sein neues Heim in Heiningen, das in einem älteren Baugebiet liegt. Schlanke Hohlgitter, mit Steinen gefüllt, dazwischen sollten Zypressen stehen. Für ihn lag das nahe.

Olaf Post ist Schlosser, das Gitter baute er selbst. Er hat eine Eigenkonstruktion mit einigen liebevollen Abwinkelungen hingestellt. „Das waren schon ein paar Stunden Arbeit.“ Die Höhe: locker über zwei Meter. Weil er einen Sichtschutz von 1,80 Meter haben will, wenn er vom Haus auf den Garten blickt. Diese Höhenlinie wirkt für den Passanten auf der Straße aufsteigend oder absteigend, weil die Straße ein Gefälle hat.

Warum Sichtschutz? Gegenüber liegt eine Zahnarztpraxis, da sei den Tag über „High Life“, sagt Post. Und auf der Straße zögen viele Hundehalter hinaus ins Grüne und wieder zurück. „Eine Gassi-Strecke“, sagt Post.

Der Gitter-Komplex steht schon seit letztem Sommer, mehr hat sich nicht getan. Denn ein Nachbar hat im Rathaus Alarm geschlagen: an der Straße sind nur Einfriedungen von gerade mal 80 Zentimetern erlaubt. Und das nur auch nur für lebende Hecke oder Holzzaun.

Dreimal hat sich der Technische Ausschuss des Gemeinderats schon mit dem Fall befasst. Jetzt billigte er einen Kompromiss: Die Gitter-Säulen müssen auf 1,80 Meter gestutzt werden, und zwar parallel zur Straße. Dann sieht man vom Haus aus eine schräge Höhenlinie. „Damit muss ich leben“, sagt Olaf Post. Die Säulenzypressen mit südlichem Flair kann er auch abhaken. Heimische Hölzer müssen es sein.

Für einen Kompromiss gibt es gute Gründe. „Anderswo stehen Hecken genauso hoch“, wendet beispielsweise Gemeinderätin Ute Schoppa ein. Da muss Olaf Post nur zu seinem Nachbar rüberschauen. Bürgermeister Norbert Aufrecht spricht von einem „Kampf gegen Windmühlen“. Er weiß noch, wie sein Vorgänger Martin Weissbrodt mal mit einem Heckenbesitzer gestritten habe. „Die Hecke steht heute noch.“

Neu ist das Thema Gabionen. „Eine Art von Präzedenzfall“, sagt der Schultes, „es könnte Nachahmer finden.“ Gemeinderat Matthias Kreuzinger (CDU) hat damit kein Problem. „Das gefällt mir besser als ungepflegte Hecken.“ Man solle den Leuten soviel wie möglich entgegenkommen.

Kirsten Lorenz (Frauenliste) findet Gabionen grundsätzlich gut, pocht aber auf die Vorschriften. Wenn Heiningen selbst in Neubaugebieten Gartenbegrenzungen strikt reglementiere, sei nicht einzusehen, warum man das in älteren Gebieten aufweiche. Was jetzt stehe, mit einer geschätzten Höhe bis zu 2,50 Metern, sei „eine Zumutung“.

In Heiningen ist der Kompromiss durch. Aber das Landratsamt könnte ihn verwerfen. Die Aufsichtsbehörde habe schon angedeutet, dass ein Grundzug des Bebauungsplans berührt sein könnte. Das hieße: den 38 Jahre alten Plan zu ändern. Andernfalls stünde der Gemeinderat unter Druck, mit den Gabionen auch die ungebührlich hohen Hecken in der Nachbarschaft zu kappen. Amtsleiterin Aida Scheiring wünscht dieses Szenario nicht. Aber: „Es wäre überschaubar.“