Laientheater Stehender Applaus für Onkel Hubi und Familie

Bettina Verheyen / Patricia Jeanette Moser 11.01.2018
Von den vielen Theateraufführungen am Wochenende haben wir die Böhmenkircher und die Degginger besucht.

Wenn allerorten ungeniert gebruddelt und gezofft, gelästert und geflucht wird, und alle einen Riesenspaß dabei haben, dann ist wieder die Hochsaison der Laienspiel-Aufführungen gekommen. Die Böhmenkircher und die Degginger Theatergruppen standen am Wochenende  jeweils schon zweimal auf der Bühne und werden in wenigen Tagen nochmal alles geben. Beides sind gut eingespielte und bei den Zuschauern beliebte Ensembles. Die Schauspieler knien sich durchweg mit so viel Spielfreude in ihre Rollen, dass letztlich jedes Stück zu einem Erfolg wird.

Die Böhmenkircher mögen’s eher derb. Oder grotesk. Gerne auch beides auf einmal. Und immer schön übertrieben. Ihr aktuelles Stück heißt „Familie Metzger spielt verrückt“ und darin wird ein heilloses Durcheinander angezettelt: Opa Hugo soll nach dem Willen seiner Schwiegertochter endlich das Haus überschreiben, was er aber gar nicht einsieht. Viel lieber ärgert er seine Nachkommen und kündigt einen Paris-Besuch mit der verwitweten Nachbarin an. Enkel Bernd hat bei einer Schaumparty ein Mädel geschwängert, und zwei „Irre“, die aus einer Anstalt ausgebüchst sind, landen auch noch auf dem Hof der Metzgers. Da gibt es einige Verwicklungen, da müssen einige Obstler getrunken und Missverständnisse aus der Welt geräumt werden bis der verdiente Schlussapplaus einsetzt.

Michael Penz bringt Opa Hugo absolut liebenswert rüber. Im Nachthemd und mit Zipfelmütze oder mit aus der Hose heraushängendem Karohemd trinkt er den Kaffee direkt aus der Kanne – nicht ohne ihn vorher mit einem ordentlichen Schuss Schnaps verfeinert zu haben: „Jetzt isch dees a Sach’“.

Aus ganz anderem Holz geschnitzt ist sein Sohn Fritz, den Michael Nagel als leicht trotteligen Mitläufer darstellt. („Mir sagt hier ja niemand etwas.“) Die Rolle beinhaltet einen Auftritt als Geist, den Nagel schräg bis zum Geht-nicht-mehr in einem Engelskostüm samt weißen Turnschläpple hinlegt.

Hugos Schwiegertochter Linda ist eine Gemeine und Raffgierige, die auch an ihrem Mann Fritz kein gutes Haar lässt. Carina Biegert gelingt es, sie glaubhaft darzustellen.

Elisabeth Nagel parodiert ihre Rolle wieder ganz besonders, das kann sie auch in der Rolle als Wanda, Lindas Schwester. Nichts ist ihr zu daneben, Wollstrümpfe und Küchenschürze trägt sie mit der gleichen Begeisterung wie ihren Mülltüten-Anzug, damit sie die anderen nicht mit der Hamsterpest ansteckt.

Den Vogel schießen aber Stefan Reiff und Wolfgang Prinz als Irre ab. Ersterer ist als Arzt getarnt unterwegs, letzterer als Schwester Gisela. Absolut verrückt diese beiden Irren.

Da wirken das junge Paar Bernd und Doris, dargestellt vom Theaternachwuchs Florian Biegert und Daniela Klamt, ziemlich normal. Ebenso die Nachbarin. Gerda – Tanja Knoblauch steht in dieser Rolle dem Opa treu zur Seite.

Schauplatz ist die Bäcker-Stube

Die Theatergruppe der Concordia Deggingen bringt zurzeit das Stück „Alter schützt vor Torheit nicht“ auf die Bühne. Der Schwank in drei Akten kam im ausverkauften Canisiusheim bereits zweimal zur Aufführung und begeisterte das Publikum restlos.

In einem ansprechenden Bühnenbild findet sich der Zuschauer wieder. Schauplatz ist die gute Stube der Bäckersfamilie Dinkelkorn. Bäcker Heinz Dinkelkorn (Klaus Kober) gibt das despotische Oberhaupt der Familie und ist aufgebracht gegen jeden und alles. Es gelingt Klaus Kober diesem Charakter durchaus liebenswerte Eigenschaften zuzuordnen. Man muss ihn einfach gern haben, den großen Bäcker mit dem mehligen Gesicht.

Seine Gattin Wilma Dinkelkorn (Ulrike Raaf-Doehl) ist der gute Geist im Personenreigen und behält stets den Überblick und die Geduld.

Eigentlicher Mittelpunkt der Familie ist jedoch Onkel Hubi (Ulrich Schulz), der den Schalk im Nacken hat. Er, schon etwas betagt, geht noch mit dem Neffen Stefan Dinkelkorn (Alexander Kneer) in den Nachtclub und treibt so manchen Schabernack. Ulrich Schulz ist auch diese Rolle, wie schon viele zuvor, auf den Leib geschneidert. Er weiß was beim Publikum ankommt und das bekommt es auch.

Die Nachbarin Else Wachtel (Silke Kneer) spielt ebenfalls eine tragende Rolle im Stück. Ihr entgeht nichts und als älteres Fräulein steht sie der Männerwelt eher kritisch gegenüber. Gerade das gefällt Onkel Hubi, der sie heimlich verehrt. Leidenschaftlich lässt Silke Kneer die Else Wachtel Recht sprechen und gleichzeitig verurteilen.

Aber an dieser Stelle sind noch lange nicht alle Karten der Theatergruppe der Concordia ausgespielt. Rosalie Gierschlund, die Steuerprüferin des Finanzamtes, waltet ihres Amtes in der Bäckerei Dinkelkorn, so lange bis alles anders kommt. Gabriele Probost brilliert in dieser Rolle und verlangte dem Zwerchfell der Zuschauer so manches ab.

Polizist Eduard Jägermeister (Thorsten Kasper) gehört im Stück zum illustren Männerkreis. Er ist hin und her gerissen zwischen seiner Beamtenpflicht und dem Freundeskreis. Seine schlecht sitzende Uniform drückt die Gesinnung unbewusst deutlich aus.

Ein Stück Exklusivität, aber auch Verruchtheit, bringt die Bardame Rosina Gierlundi (Heike Pickl)  in die Stube der Bäckerei Dinkelkorn. Die Namensähnlichkeit mit der Finanzbeamtin zieht so manche Verwechslung nach sich. Das Schuldbewusstsein manches Herrn im Geschehen unterstützt dies zusätzlich. Heike Pickl gelang es als Bardame durchweg zu „berlinern“ und überraschte als „Dame der Nacht“ am Ende charakterlich.

Der sympathische Bäckerlehrling Max (Fabian Probost) sorgte hinter der Bühne für die funktionierende Technik und auf der Bühne für lustige Sequenzen in jugendlicher Weise.

Unter der Regie von Barbara Griesbach kommt ein kurzweiliger Schwank auf die Bühne, der reichlich Situationskomik bereit hält. Viele unterschiedliche Charaktere sorgten für ein buntes Bild im Geschehen, und die Darsteller kamen beim Publikum hervorragend an. Zum Abschluss gab es stehende Ovationen und Bravo-Zurufe. Das Degginger Publikum kennt und liebt seine Theatergruppe – das war deutlich zu erkennen.

Das gesamte Bühnenensemble erhielt zum Ende des Abends tosenden Applaus. In diese Anerkennung mit eingeschlossen wurden Mareike Kasper, als fleißiges Helferlein hinter der Bühne, die Souffleuse Claudia Mack und die Maske Heike Maisterl.

Weitere Aufführungen auf der Alb und im Täle

Für die Aufführung von „Familie Metzger spielt verrückt“ am Samstag, ab 20 Uhr in der Gemeindehalle Böhmenkirch kann man noch Restkarten reservieren unter ☎ (07332) 9 23 06 20.

Die Degginger Veranstaltungen sind beide ausverkauft.