Kommentar Stefanie Schmidt: Raus aus der Grauzone

Kreis Göppingen / Stefanie  Schmidt 14.02.2018
In fast allen der insgesamt  20 evangelischen Landeskirchen können sich gleichgeschlechtliche Paare öffentlich segnen lassen.

In fast allen der insgesamt  20 evangelischen Landeskirchen können sich gleichgeschlechtliche Paare öffentlich segnen lassen. Die Ausnahmen sind Bayern, Schaumburg-Lippe und Württem­-
berg.  Die übrigen 17 Landeskirchen haben ganz unterschiedliche Regelungen gefunden. In Baden, Berlin und Rheinland etwa sind homo- und heterosexuelle Paare völlig gleichgestellt, wenn es um die kirchliche Trauung geht, die auch als offizielle Amtshandlung ins Kirchenbuch eingetragen wird. Anderswo gibt es öffentliche Segnungsgottesdienste, die sich aber – manchmal sehr, manchmal weniger deutlich – von einem Traugottesdienst unterscheiden müssen.

Eine klare Linie gibt es nicht, außer einer: Kein Pfarrer kann gezwungen werden,  ein homosexuelles Paar zu trauen oder zu segnen, wenn er es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann.   Deshalb ist es befremdlich, dass in der württembergischen Synode nicht einmal der vorsichtige Kompromissvorschlag des Oberkirchenrats die erforderliche Zweidrittelmehrheit bekam.  Eine öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sollte eine „Ausnahme“ bleiben, die in den Gemeinden Dreiviertel des Kirchengemeinderats und der Pfarrer mittragen müssen. Die  Offene Kirche stimmte zu, obwohl der Kompromiss weit entfernt war  von der völligen Gleichstellung, die sie sich wünschte. Zumindest hätte die neue Regelung die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare aus der „Grauzone“ heraus in die Öffentlichkeit geholt. Viel Rücksicht nahm der Kompromiss darauf, die pietistisch geprägte Lebendige Gemeinde  nicht in Gewissenskonflikte zu bringen. Dass diese den Kompromiss trotzdem blockiert hat, stößt zu Recht auf Widerstand. Auf das Gewissen der anderen scheint ein großer Teil der Lebendigen Gemeinde keine Rücksicht nehmen zu wollen.

17 Landeskirchen haben vorgemacht, wie man eine Regelung finden kann, die über den Status Quo in Württemberg hinausgeht. Sicher hat man es sich damit nirgends leicht gemacht, sicher sind damit auch nicht überall alle glücklich. Aber in Württemberg muss man jetzt nachziehen, die theologischen Argumente sind seit Jahrzehnten ausgetauscht. Damit biedere sich die Kirche dem „Zeitgeist“ an – so der Vorwurf aus konservativen Kreisen. Und was hat der wankelmütige Zeitgeist Kirche und Gesellschaft denn jemals gebracht? Emanzipation zum Beispiel, Religionsfreiheit und Menschenrechte.