So geht ein Bildungs-Netzwerk an den Start: Mit einem Countdown und einem kräftigen gemeinsamen Knopfdruck haben neun Mitglieder einer Steuerungsgruppe eine Bildungs-Plattform für das Ehrenamt ins Internet hochgeladen. Jetzt sind über 60 Angebote für die Aus- und Fortbildung im ehrenamtlichen Bereich online. Sie spricht Interessenten an, Neues zu lernen und Sinnvolles zu tun.

Mit Blick auf diese Plattform und Anderes, das im Rahmen des Landesförderprogramms der Workshop „Gemeinsam sind wir bunt“ in zwei Jahren erarbeitet wurde hat, kündigte Dr. Susanne Diemer vom Sozialministerium an: „Wir werden an der einen oder anderen Stelle versuchen, von Ihnen zu lernen.“  Auch Prof. Sigrid Kallfaß, die durchs ganze Land kommt, gab dem Kreis gute Noten. Er hatte unter 113 Bewerbungen eines von 25 Förderprojekten bekommen und ist auch in der Region Stuttgart gut unterwegs. Hier ist er einer von vier Motoren für „Gemeinsam sind wir bunt“ und einer von zwei Landkreisen, neben Böblingen.

„Bürgerschaftliches Engagement wächst von unten“, stellte Diemer fest. 80 Ehrenamtliche und auch Hauptamtliche machten sich im April 2016 in der Evangelischen Akademie Bad Boll auf den Weg, jetzt betrachteten sie an gleicher Stelle das Ergebnis. Flaggschiff ist die Bildungsplattform. Achtmal hat eine Steuerungsgruppe von elf Institutionen im Kreis getagt, um ein Kursprogramm für Ehrenamtliche zusammenzustellen. Sie bringen sich selber ein mit ihren Angeboten, seien es die Volkshochschulen, das Haus der Familie oder die kirchliche Erwachsenenbildung, es gibt aber auch Anbieter als verbindliche Kooperationspartner und solche, die einfach Kurse ins Programm reingeben. Auf Qualität wurde geachtet, sagt Christine Stutz vom Landratsamt, bei der die Fäden zusammenliefen. „Das Konzept können andere Landkreise übernehmen.“

Auch vor Ort ist Neues entstanden. In Faurndau wurde eine Idee weiterentwickelt, die aus dem örtlichen Alten- und Pflegeheim der Wilhelmshilfe kommt: Heimbewohnern einen Bewegungsparcours nach der Methode „Die fünf Esslinger“ anzubieten. Das dient auch der Sturzprophylaxe. Dies hatte eine Mitarbeiterin ehrenamtlich geleitet, die sich dabei selbst weiterentwickelt hat. „Ich war vorher ein Mensch, der im Hintergrund steht. Ich habe nicht gewusst, dass ich das kann.“ Dank des Förderprogramms gibt es mittlerweile etliche Ehrenamtliche, die die Ausbildung absolviert haben und zweimal die Woche den Parcours von der Wihelmshilfe zum Filsufer anbieten. Längst sind das nicht nur Heimbewohner. „Das spricht sich herum“, freut sich Christina Horn, Beauftragte für bürgerschaftliches Engagement in Göppingen.

Mit und ohne Handicap

Lust am Wandern? Für Menschen mit Hilfebedarf, speziell mit Demenz, hat der Albverein in Zusammenarbeit mit der Stadt Göppingen Wanderungen begründet. Das kommt an, und keiner wird gefragt, ob und welches Handicap er hat, sagt Horn. Die Wanderführer seien geschult, womit sie bei einem Menschen mit Demenz rechnen müssen. Bei Bedarf gibt es einen Abholdienst oder Wanderbegleiter. Aber prägend sei dies in keinster Weise. Es sei eine Wandergruppe wie andere auch, sagt Horn. Die nächste führt am 13. September nach Sparwiesen und Schloss Filseck.

 Des Themas Demenz, für das es bereits ein Netzwerk mit Koordination im Landratsamt gibt, haben sich Lesepaten in Süßen angenommen. Bisher gab’s Lesen für Kinder, gefördert wurde Lesen für Menschen mit Demenz.

Seniorenpaten – daran dachten Christine Pfundtner und Brigitte Wasberg  vom Mehrgenerationenhaus der Stadt Geislingen schon länger. Jetzt gibt es sie. 15 sind ausgebildet, fünf schon eingeteilt. „Es ist kein Problem, die Senioren zu finden“, berichtete Wasberg in Bad Boll. „Das passt richtig gut zusammen, es kommt zur richtigen Zeit.“ Pfundtner und Wasberg wollen auch Menschen mit Behinderungen und mit Migrationshintergrund zu Patenschaften ermuntern. Zum Kennenlernen gab es schon Aktionen mit Backen, Fototour und Naturerlebnis.

Lust auf Ehrenamt? Der Workshop für „Gemeinsam sind wir bunt“ hat sich auch zur Motivierung der Mitbürger etwas einfallen lassen, lobte die Moderatorin Perpetua Schmid. In der Akademie warben Sätze auf Plakaten fürs Mitmachen: „Ist auch was für mich dabei? Weißt du, wer mit dabei ist?“

Motto: Freiwillig, engagiert und qualifiziert


Broschüre Für das Bildungsprogramm Ehrenamt gibt es neben dem Internet-Auftritt auch eine Broschüre. Es stellt ein Kursprogramm bis April 2018 vor. Neu ist auch: Anbieter haben ihre Kurse für alle geöffnet.

Vielfalt Neben Kursen für Fachliches wie Erste Hilfe, Familienpaten, Altenbegleiter  gibt es Schulungen zur Persönlichkeitsentwicklung: für den sicheren Auftritt, die professionelle Gesprächsführung. Kurse bieten auch viele Möglichkeiten, Menschen mit Musik, Bewegung und Kreativität zu erreichen.

Börse Die Kreissparkasse hat für ihre 1200 Mitarbeiter eine Ehrenamtsbörse installiert. 400 haben sich schon dafür interessiert, berichtete Sascha Lukic. Jetzt wolle man einen Kümmerer benennen und die Angebote optimieren. „Wir wollen die Plattform vergrößern.“ Das Unternehmen betrachte das Ehrenamt als Form der Personalqualifizierung.