Porträt Starke Frauen: Porträt von Anneliese Hermes

Oberwälden / Inge Czemmel 15.08.2018

Porträts, Pommes sowie Kühe, Hirsche und andere Tiere in vielen Variationen, Spiegeleier, in denen sich Gesichter spiegeln, expressive Tortenstücke, Florales, Traktoren und Heuernteszenen – es lässt sich gar nicht aufzählen, was Anneliese Hermès schon alles auf Leinwand gebracht hat.

Von Monothematik kann bei ihrem Schaffen wahrlich keine Rede sein. Dennoch wurde die in der Eifel geborene Künstlerin, die von 1970 bis 1974 an der Fachhochschule für Design in Aachen und von 1978 bis 1983 an der Kunstakademie in Stuttgart studierte und später lehrte, zunächst als „Kuhmalerin“ bekannt. Anfang der 80er Jahre erregte sie Aufsehen, weil sie statt abstrakter Formen Kühe malte. „An der Akademie schlugen alle die Hände über dem Kopf zusammen“, erinnert sich Hermes, die ihrer Linie, sich künstlerisch nicht am Mainstream zu orientieren, immer treu geblieben ist und sich nie ganz der abstrakten Malerei hingab. „Ich setze in meinen Bildern immer etwas Gegenständliches in Szene“, verdeutlicht sie.

Heute verkauft Hermes ihre Bilder weltweit, ist in bekannten Museen, Galerien und Sammlungen vertreten und als Porträtmalerin gefragt. Der Künstlerin, die im beschaulichen Oberwälden lebt, seit 43 Jahren mit dem Göppinger Baubürgermeister Helmut Renftle verheiratet ist und 2015 ihre Rubinhochzeit in Ave Maria in Deggingen feierte, ist es nach eigenen Aussage wichtig, Werte und Traditionen zu leben und zu erhalten. Was sie aber noch nie hinderte, immer mal wieder vermeintlich vorgegebene Rahmen zu sprengen und in so genannte Männerdomänen einzubrechen.

So spielte sie als junge Frau beispielsweise aktiv und erfolgreich Fußball. „Ich war eine der ersten Fußballerinnen, die um die Deutsche Meisterschaft mitspielten“, erzählt sie schmunzelnd. „Zunächst bei Alemannia Aachen, dann beim Bonner SC und zuletzt beim VfL Stuttgart. Ich spielte links außen, war schnell und konnte beidfüßig schießen. Links besonders gut.“

Während des Studiums fotografierte sie am Nürburgring für „Auto, Motor, Sport“ und gelangte bis ganz nach vorn an die Boxen. Vor zwei Jahren entschloss sich Anneliese Hermes, das Jagdhornblasen zu erlernen, und im vergangenen Jahr machte sie nach einem halben Jahr Büffeln bei der Kreisjägervereinigung Göppingen den Jagdschein. Um den sicheren Schuss zu üben, ist sie der Schützengilde Bartenbach beigetreten. „Ich lebe, male und gehe auf die Jagd“, beschreibt sie ihre drei wichtigsten Leidenschaften. Dass ihr ein Teil des linken Armes fehlt, sieht die Künstlerin weder beim Malen, beim Jagen noch sonst wo als Einschränkung.

„Ich war schon als Kind gern und viel im Wald. Wenn meine Mutter mich nicht fand, wusste sie: Sie ist Rehlein gucken und kommt schon wieder. Mit Jagdschein ist der Wald für mich noch schöner und aufschlussreicher geworden. Er ist unser Ursprung und verdient Respekt, ist aber auch gleichzeitig eine Art „Gegenwelt“, die für mich Entspannung und Inspiration für mein künstlerisches Schaffen zugleich bietet.“ Kein Wunder also, dass die Farbe Grün, Tier- und Waldmotive momentan in Hermes Bildern vorherrschen.

Die Beziehung zum Kreislauf der Natur wurde Anneliese Hermes ebenso in die Wiege gelegt wie das Sichbehaupten. „Ich bin mit acht Geschwistern auf einem Bauernhof aufgewachsen und schlief über dem Kuhstall“, erzählt sie. „Wir Mädchen mussten genauso mithelfen wie meine Brüder. Ich bin Trecker gefahren, war beim Schlachten dabei und habe erlebt, wenn Kälber tot geboren wurden.“

Doch bei aller Liebe zu Wald und Kunst: An erster Stelle stehen bei Anneliese Hermes ihr Mann und Tochter Katharina, die das Künstlergen geerbt hat und erfolgreich Handtaschen und aufsteckbare Schuhabsätze, sogenannte Heelbobbs, designt.

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