Uhingen Stadtarchiv Uhingen: Schrift erinnert an Kunstwerk

Uhingen / MARGIT HAAS 06.08.2013
Archivarbeit ist spannend und vielfältig. Wir wollen in den kommenden Wochen die großen und kleinen Archive des Landkreises, die "Archivarbeiter" und besondere Archivalien vorstellen.

"Unheimlich spannend" sind für Carola Eberhard historische Archivalien; insbesondere hat es ihr das Fleckenbuch von 1567 angetan. Die Diplomarchivarin betreut seit sieben Jahren das Archiv der Stadt Uhingen und würde sich wünschen, mehr Zeit zu haben, um sich in das wertvolle, in schönes geprägtes Leder gebundene Buch zu vertiefen. Sie ist sich sicher: "Der Inhalt könnte ein aufschlussreiches Bild von Uhingen um 1600 zeichnen." Indes, sie arbeitet nur einen Tag pro Woche im Stadtarchiv. Da fällt zu vieles andere an, die Lektüre von historischen Dokumenten muss warten, bis alle anderen Bestände verzeichnet sind.

Die Arbeitsbedingungen der 39-Jährigen sind gut. Ihr Büro hat sie im Rathaus. Das eigentliche Stadtarchiv, gleich in der Nachbarschaft in einem großen Raum über der Fahrzeughalle des Feuerwehrmagazins, bietet "ideale Bedingungen". Selbst an einem heißen Sommertag sind die Temperaturen erträglich. Im ersten Stock gelegen, sind die Bestände sicher vor Hochwasser - "und im Haus der Feuerwehr sollten sie auch sicher vor einem Brand sein", meint die Archivarin und lacht. In langen Reihen stehen die Bestände. Die Regale sind nicht prall gefüllt, sondern "bieten Luft für Jahrzehnte".

Am Fleckenbuch fehlt eine der Metallschließen. Wahllos schlägt Carola Eberhard das Buch auf. Gleichmäßig ist die Schrift, erinnert eher an ein Kunstwerk als an eine amtliche Mitteilung. Die Archivarin konzentriert sich kurz auf die Schrift und liest: "Anno 1569 ist Michel Eberlin Schuolmeister zu Uhingen uffzogen den 28 Novembris." Und zitiert weiter: "Den 3. Martii anno 74 Zoller worden." Ihm wurde also das Amt des Zöllners übertragen, und er zog ins Zollhaus um. Für den "23 Martii 1579" ist verzeichnet, dass "Jakob Bußmann Keller zu Göppingen seinen Weinberg zu kaufen gegeben dem ehrbaren Stoffel Heiner Einwohner zu Uhingen und um 190 und 5 Guldlin". Das Fleckenbuch hielt aber nicht nur alle bedeutsamen Vorgänge im Ort selbst fest, sondern auch die Dinge, die die Menschen darüber hinaus beschäftigten. "1608 starb der durchlauchtigst Friedrich Herzog von Wirtemberg", ist gleich zu Anfang zu lesen.

Wichtig waren auch die Lagerbücher, Vorläufer der Grundbücher. "Sie hielten zunächst etwa alle 50 Jahre den aktuellen Zustand fest", erklärt die Archivarin. Sie schlägt die Seite 212 auf und findet zufällig beim Jahr 1594 einen Vorgang, der wieder den Zöllner Michel Eberlin betrifft. Die Aufzählung zeigt, dass er "Häuser, Äcker, Wiesen, Kraut- und Hanfgarten" besaß.

Meist jedoch sitzt Carola Eberhard nicht über alten Schriften, sondern verzeichnet in ihrem Büro im Computer die Bestände des Archivs. "Die der Teilgemeinden sind verzeichnet." Archivnutzer finden in den drei Findbüchern für Sparwiesen, Holzhausen und Baiereck nun schnell die Unterlagen, die sie für die Familienforschung, ein Schulprojekt oder eine Studienarbeit benötigen. Ganz einfach war die Arbeit nicht gewesen. Denn "zwei Jahre lang waren in den 70er Jahren Rechnungen nicht thematisch, sondern chronologisch abgelegt worden. Ich musste mich Blatt für Blatt durchkämpfen", erinnert sich Carola Eberhard. Die Uhinger Bestände sind lückenlos vorhanden bis auf die Jahre 1880 bis 1920. "Die hat vielleicht ein Bürgermeister zum Altpapier getan", vermutet sie.

Zum Uhinger Archiv gehört auch ein Bildarchiv, das der Ortschronist Otmar Traub mit weiteren Ehrenamtlichen vor ein paar Jahren gesichtet und verzeichnet hatte. "Es ist sehr umfangreich, sodass wir zu allem etwas finden."

Info Carola Eberhard ist verheiratet und hat zwei Kinder. In ihrer Freizeit arbeitet sie stundenweise im Archiv der Stadt Süßen, liest gern und findet Ausgleich in einer Jazztanzgruppe in Reichenbach unterm Rechberg. Schon in der Schule interessierte sie sich sehr für Geschichte. Zur Archivarbeit kam sie über Roland Müller aus Donzdorf, der heute das Stadtarchiv Stuttgart leitet.

Neue Sommerserie zu Archiven im Landkreis Göppingen
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel