Kreis Göppingen Stadt: Fortbestand der Theatertage sichern

Wie geht’s weiter mit den Theatertagen? Erklingt nun der Abgesang an eine Institution? Oder wird doch in aller Harmonie da capo gesungen? Szene aus dem Stück „Fahraway“ der Wiener Gruppe „die Fremden“, die 2017 bei den Göppinger Theatertagen gastierte.
Wie geht’s weiter mit den Theatertagen? Erklingt nun der Abgesang an eine Institution? Oder wird doch in aller Harmonie da capo gesungen? Szene aus dem Stück „Fahraway“ der Wiener Gruppe „die Fremden“, die 2017 bei den Göppinger Theatertagen gastierte. © Foto: Tilman Ehrcke
Kreis Göppingen / Marcus Zecha 06.04.2018
Die Göppinger Theatertage stehen auf der Kippe. Die Stadt sichert Unterstützung zu, doch Lösungen sind nicht in Sicht.

Die Suche nach einem alternativen Ausrichter der Göppinger Theatertage gestaltet sich  schwierig. Nachdem das Kreisjugendamt vor gut zwei Wochen die weitere Ausrichtung des Treffens öffentlich in Frage gestellt hat, zeichnet sich bisher keine Lösung ab. Allerdings hat die Stadt Göppingen, die das Treffen mit jährlich 12.000 Euro bezuschusst, weitere Unterstützung zugesagt. „Wir werden alles daransetzen, die Fortführung der Theatertage zu sichern“, sagte Bürgermeisterin Almut Cobet am Donnerstag unserer Redaktion. Allerdings, so Cobet, sei auch die Stadt mit zusätzlich 750 Arbeitsstunden jährlich überfordert. So viele Überstunden leistet das Jugendamt jedes Jahr, um das Theatertreffen zu veranstalten.

Anlass für die Suche nach neuen Strukturen war ein Einbruch bei den Besucherzahlen im Jahr 2017, der laut Jugendamtsleiter Lothar Hilger einen Abmangel von 20.000 Euro zur Folge hatte.

Die Fachleiter Margarete Kienzle und Ralf Rummel haben jetzt erstmals zum drohenden Aus für die  Göppinger Theatertage Stellung genommen. Im Gegensatz zu Jugendamtsleiter Lothar Hilger sehen die beiden durchaus inhaltliche Bezüge der Theatertage zum Aufgabenbereich des Kreisjugendamtes. Hilger hatte zuvor betont, dass die finanziellen und personellen Anforderungen nicht im Einklang mit den Pflichtaufgaben seines Amtes stünden, was jüngst auch eine vom Landkreis beauftragte Unternehmensberatung moniert habe. Die Fachleiter weisen nun darauf hin, dass „kulturelle bzw. interkulturelle Bildung ... zu den wesentlichen Grundlagen für die Zukunftsfähigkeit unserer Städte“ gehöre. Wer anderer Meinung sei, habe „noch nie Jugendliche erlebt, die mit ihrer Gruppe anreisen und mit vollem körperlichen und sprachlichem Einsatz sich mit gesellschaftlichen und politischen Themen auf der Bühne auseinandersetzen“. Dabei entstünden neue Kontakte und Freundschaften, würden Meinungen ausgetauscht, unterschiedliche Perspektiven eingenommen und Horizonte erweitert. Rummel: „Das ist eindeutig Jugendarbeit und kulturelle Bildung!“

Auch die vom Kreisjugendamt genannten Kosten zweifeln Margarete Kienzle und Ralf Rummel an. Da die Theatertage inzwischen zweijährlich stattfänden, kostete das Festival den Landkreis nicht, wie berichtet,  45.000 Euro jährlich. 2017 etwa habe das Treffen inklusive Personal (ohne Überstunden) zirka 42.000 Euro an Kosten verursacht.

Die Fachleiter räumen allerdings ein, dass die Zuschauerzahlen 2017 „nach Jahren positiver Entwicklung überraschend eingebrochen“ seien. Dies müsse nun eingehend analysiert werden. Wichtig ist der Fachleitung, dass weder freie Theater noch die Stadt Göppingen „abgewunken“ hätten. Aber „auf die Schnelle“ lasse sich eben keine langfristige Lösung finden.

Liegt der Ball nun also bei der Fachleitung? Lothar Hilger winkt ab: „Nein, natürlich werden auch wir uns weiterhin um Alternativen bemühen – es sind mehrere Bälle im Spiel.“ Gemeinsam wollen alle Beteiligten in den nächsten Monaten versuchen, den personellen Aufwand zu reduzieren. Dabei ist man auch in Kontakt mit dem Landesverband Amateurtheater sowie mit anderen Festivals.

Übernächste Woche findet ein Treffen von Hilger mit Landrat Edgar Wolff statt, Ende Juni tagt der Jugendhilfeausschuss. Bis dahin soll eine Lösung sichtbar werden, denn Mitte des Jahres müssten die Weichen für die nächsten Theatertage im Jahr 2019 gestellt werden, so Hilger.

Bürgermeisterin Cobet wagt derweil schon mal einen Blick in die Zukunft. Sie kann sich vorstellen, dass ein finanziell gestärkter Förderverein oder eine eigenständige Agentur die Aufgaben des Kreisjugendamtes übernimmt. Jetzt müssten aber erstmal intern Gespräche geführt werden.

55 Jahre alte Theatertradition

Geschichte: Seit 1963 ist der Kreis Göppingen Gastgeber der Theatertage, die damit nach dem hessischen Korbach das älteste Amateurtheatertreffen Deutschlands sind. Veranstalter ist das Kreisjugendamt mit dem Freundeskreis Göppinger Theatertage. 2007 wurde das Festival um die Theaterwerkstatt für Kinder und Jugendliche erweitert. 2011 fielen die Theatertage, seit 2005 ohnehin nur noch alle zwei Jahre ausgerichtet, dem Spardiktat des Landkreises zum Opfer. 2013 feierten sie ihre Rückkehr und zugleich ihren 50. Geburtstag. In Theaterkreisen genießt das Treffen offenbar trotz der Umstellung auf einen Zwei-Jahres-Rhythmus einen
guten Ruf. So hatten sich 2017 immerhin 81 Gruppen für eine Teilnahme beworben.

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