Einzelhandel Stadt will wieder Lebensmittelmarkt im Zentrum

Karin Tutas 10.01.2018
Der Gebäudeeigentümer des Eislinger Gebauer’s-Marktes ist von geplanter Schließung überrascht.

„Wo soll ich denn jetzt einkaufen?“, klagt eine ältere Eislingerin, die ihren Namen nicht nennen will. In die Gartenstraße schaffe sie es gerade so. Aber Ende Januar schließt der Gebauer’s Nah-und-Gut-Markt und der Weg in die weiter entfernten Lebensmittelgeschäfte, sagt die Frau, sei ihr zu beschwerlich. Die Nachricht von der geplanten Schließung des Einkaufsmarktes in der Eislinger Stadtmitte sorgt für Gesprächsstoff. Ende Januar gehen dort die Lichter aus. Wegen des im Jahr 2020 auslaufenden Mietvertrags und kurzfristig anstehender Investitionen sehe Gebauer’s keine Perspektive, hatte das Einzelhandelsunternehmen vergangene Woche mitgeteilt.

Gegen den Vorwurf des Betreibers, die Entscheidung der Stadt, die Ansiedlung eines Discounters am Stadtrand zu genehmigen, habe negative Auswirkungen auf die Filiale gehabt, verwahrt sich Eislingens Oberbürgermeister Klaus Heininger. Der Discounter befinde sich immer noch in der Innenstadt. Nach Ansicht des Rathauschefs hat Gebauer’s mit der Eröffnung eines großen Einkaufsmarkts an der Markungsgrenze in Salach selbst „Sterbehilfe“ für die Eislinger Filiale geleistet. Danach seien die Bedientheken für Wurst und Fleisch in Eislingen geschlossen worden. Damit sei die Entwicklung absehbar gewesen.

Die Stadt Eislingen sei mit dem Bau des Markts in Salach nicht einverstanden gewesen. Innenstadtrelevante Sortimente auf der grünen Wiese seien nicht konform mit dem Regionalplan, sagt Heininger. Wegen eines alten Bebauungsplans der Gemeinde Salach habe Eislingen jedoch nichts ausrichten können. Heininger verschweigt nicht, dass die kurzfristige Schließung des Markts für ihn überraschend kommt. Gebauer’s habe versprochen, den Markt bis 2020 zu führen und sei nun „wortbrüchig“ geworden.

Für die Stadt sei eine Lebensmittelversorgung im Zentrum außer­ordentlich wichtig. Die Lage an der Gartenstraße und die Stellplatzsituation seien nicht die schlechteste, meint Heininger, der dort ein gutes Standortpotenzial für einen kleineren Lebensmittelmarkt sieht. „Wir werden das Gespräch mit dem Eigentümer suchen und versuchen, wieder einen attraktiven Lebensmittler reinzukriegen“, erklärt der Rathauschef.

Die Eigentümer des Gebäudes wurden ebenfalls überrascht. Sie hätten aus dem Internet von der bevorstehenden Schließung erfahren, erklärt Martin Schurr und macht kein Hehl aus seiner Verärgerung: „Edeka ist auf uns weder schriftlich noch mündlich wegen einer Vertragsverlängerung zugekommen.“ Bislang gebe es nicht einmal eine Kündigung des seit mehr als 20 Jahre laufenden Mietvertrags.