Sanierung Stadt nimmt Entscheidung vorweg

Die angegriffene Wengertstraße in Weiler sollen neue, dünne Schichten aus Asphalt bedecken.
Die angegriffene Wengertstraße in Weiler sollen neue, dünne Schichten aus Asphalt bedecken. © Foto: GIACINTO CARLUCCI
Ebersbach / TOBIAS FLEGEL 14.09.2017

Haltbar und teuer oder billig und mit absehbarem Verfallsdatum? – Überspitzt ausgedrückt spaltete diese Frage den Ausschuss für Technik und Umwelt am Dienstag in Ebersbach. Dessen Mitglieder sollten entscheiden, ob drei kaputte Straßen mit einem schnellen und vergleichsweise günstigen Verfahren ausgebessert werden sollen oder mit einer teureren und widerstandsfähigen Methode. Bei der ersten Variante hält der Asphalt bis zu acht Jahre, bei der zweiten länger.

Eine echte Wahl zwischen diesen zwei Lösungen hatten die Stadträte nicht. „Wir können die Ausschreibung nicht mehr rückgängig machen“, räumte Markus Ludwig auf Nachfrage ein. Dem Leiter des Bau- und Umweltamts zufolge ist ein Rücktritt von der Vergabe nur möglich, wenn es sich um ein unwirtschaftliches Angebot handelt. Bei der Firma aus Kaiserslautern, die sich den Auftrag gesichert hat, trifft das nicht zu.

Das Unternehmen will einen Teil der Stuttgarter Straße in Ebersbach, die Wengertstraße in Weiler und den Gairenweg in Roßwälden für insgesamt rund 60 000 Euro ertüchtigen. Die übrigen zwei Bewerber lagen mit rund 67 000 Euro und rund 82 000 Euro über diesem Preis. Alle Firmen wollen die Arbeit erledigen, indem sie dünne Schichten von Asphalt auf den bestehenden Belag auftragen. Im Jargon der Tiefbauer heißt diese Methode „Dünne Schichten im Kalteinbau“ (DSK-Technik) im Gegensatz zum Einbau einer neuen, heißen Asphaltdecke. Dieses Verfahren schied jedoch aus, da die Stadt die Sanierung nach der DSK-Technik ausgeschrieben hatte.

Die Vergabe konnten die Räte nur noch pro forma absegnen. Einige ging es aber darum zu klären, wie die Stadt künftig ihre maroden Straßen erneuert. „Diese Flickerei muss ich ablehnen“, schimpfte Gerhard Mayer (CDU). Er sei dafür, dass sich die Stadt nur eine Straße vornimmt und diese gründlich saniert: Bei dem billigen Verfahren sei der Belag nach wenigen Jahren wieder hinüber. „Die Frage ist auch, ob man eine kleine Stichstraße wie die Wengertstraße in dem Umfang machen muss“, sagte Mayer. Seine Ansicht teilten andere Ratskollegen nicht. „Es ist besser als die Schäden zu belassen“, fand Oliver Knur (CDU). Der Stadtrat und Ortsvorsteher des Ebersbacher Stadtteils Weiler schlug vor, im Zuge der Instandsetzung der Wengertstraße die Zufahrt zum Parkplatz hinter dem Sportplatz mit zu erneuern. Neben Knur befürwortete Brigitte Pullmann (SPD) das Verfahren: „Es schützt die Straße, so dass der Untergrund nicht kaputt geht.“ Zuvor hatte Bürgermeister Eberhard Keller klar gemacht, dass er hinter der Entscheidung seines Bauamtsleiters steht. „Die Straßen werden nicht besser – und bald kommt der Winter“, warnte er.

Dieser Zeitdruck dürfte ein Grund für das schnelle Verfahren sein. Der Empfehlung von Bauamtsleiter Markus Ludwig schlossen sich nach der Diskussion neun Räte an, zwei lehnten das Sanierungsverfahren ab und vier enthielten sich ihrer Stimme.

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