Kommunalpolitik Stadion-Pläne in Turbulenzen

Zell u. A / Jürgen Schäfer 28.07.2018

In Turbulenzen ist das Projekt Kunstrasenplatz mit Leichtathletik-Anlagen am Zeller Berg geraten. Die Freien Wähler im Gemeinderat, die das mühsame Bebauungsplanverfahren bisher mitgetragen haben, aber auch immer betont haben, dass das noch keine Zustimmung zu dem Projekt als solches sei, sind nachdenklich geworden. Sie hörten aus der Bevölkerung überwiegend Ablehnung, berichteten Michael Dreher und Martin Holl.  „Wenn wir gefragt werden, was habt ihr denn da vor, und wir erläutern es, dann heißt es: Habt ihr eigentlich einen Vogel?“

So sind die Freien Wähler umgeschwenkt. Sie sprechen sich für eine kleine Lösung aus: Entweder einen Kunstrasenplatz zu schaffen, der an der Hangkante des Zeller Bergs eine geringere Auffüllung braucht, oder den jetzigen Rasenplatz umzuwandeln.

Was in der Bevölkerung schlecht ankomme: Der enorme Flächenverbrauch und eine veränderte Landschaft, weil man das Plateau am Zeller Berg mit 150 000 Kubikmetern Richtung Bachtal auffüllen würde. Ferner sei das Stadion für den Schule zu weit und es gebe in zell keine Leichtathletik für die Wettkampfanlagen.

Bürgermeister Werner Link nannte es einen Fehler, dass er dem Gemeinderat und der Bevölkerung nicht gesagt habe, was er vor Jahren schon mit dem Sportverein erörtert habe: Dass ein Kunstrasenplatz am jetzigen Gelände auf acht bis zehn Jahre hinaus nicht finanzierbar sei. So ein Platz koste runde 900 000 Euro. Baue man ihn über die Hangkante mit einer gewissen Auffüllung, für die man einiges bekäme, seien es immer noch 500 000 bis 600 000 Euro. Der Gemeinderat sei mit anderen projekten bei einer Agenda von 18 Millionen Euro.

Holl ließ das nicht gelten. „Vielleicht finden wir früher einen Weg. Das kann auch in fünf Jahren schon sein.“ Dreher griff Links Einwand auf: Wenn es nicht machbar sei mit kleinem Platz, „kommt für uns eventuell ein Bürgerbegehren in Frage.“

Link sieht die große Lösung als Chance, die so schnell nicht wieder komme: Die Strabag würde am Zeller Berg soviel Aushub von Baustellen unterbringen, dass man vom Erlös einen Kunstrasenplatz mit Wettkampfbahn schaffen kann. „Wir kriegen das umsonst“, sagt Kurt Ulmer, Gemeinderat und stellvertretender Vorsitzender des TSG Zell, der sich in finanztechnische Fragen hineingekniet hatte. Die Gemeinde spare sogar noch die Rasenpflege und bekomme 200 000 Euro Rücklage für die Sanierung des Kunstrasenplatzes in 15 bis 20 Jahren. Geklärt sind offenbar auch andere Fragen. Link wartet jetzt noch auf Aussagen zu einer Leitungsverlegung und zu Umweltbelangen. Bei letzterem sehe es gut aus.

„Kostenlos. Umsonst. Das ist einfach nicht wahr“, protestierte Eberhard Binder (Bürgerforum). Es sei ein enormer Landschaftsverbrauch, man bekomme einen Verkehr von 15 000 Lkw für die Auffüllung. Das seien 30 000 Fahrten. „Da ist die Kreuzung zu. Da braucht’s eine Ampel.“ Und: „Die Landschaft verändert sich.“ Man solle mit der Bevölkerung rausgehen und sagen, wie das aussehen werde. Mit Luftballon und Gerüst zur Veranschaulichung. „Da werden sich die Leute die Augen reiben.“  Ulrich Beißwenger (CDU), der als Landwirt auch auf den Verlust von Grünland schaut, ist ratlos.  „Die kleine Lösung ist keine Lösung. Die große Lösung ist auch keine. Das tut mir für den Fußball leid.“

Was da an landwirtschaftliche Fläche verloren gehe, sei aber schon jahrzehnte als Sportgelände bestimmt, stellte Link klar. Und zum Landschaftsbild, das sich verändere: Es verändere auch auf der anderen Seite der Landesstraße, an der Erddeponie. „Dazu habe ich noch nie etwas gehört.“ Am Sportplatz habe es früher schon Erdbewegungen gegeben. Der erste Platz sei mit einer Planierraupe hingeschoben worden, die ein Besatzungsoffizier den Zellern gebracht habe. 1994 habe man mit einer Auffüllung die Grundlage für den Rasenplatz geschaffen. „Da gab’s null Diskussion komischerweise.“ Klar, es sei das heute eine andere Diskussion, sagt Link, „aber vielleicht auch eine andere Zeit“. Ulmer verwies auf einen ökologischen Pluspunkt der geplanten Auffüllung: Die 15 000 Fuhren würden sonst über weite Strecken gekarrt. Mit der Entfernung nach Zell würden 1,1 Millionen Liter Diesel gespart.

Link traut dem Sportverein zu, die geplanten leichtathletischen Anlagen mit Leben zu füllen. „Gebt dem TSG die Chance, zu beweisen, dass er es auch hinkriegt“, appellierte er an die Räte. Er prophezeite, dass ein Manager als Halbtageskraft kommen werde, der ein Kursangebot aufziehen könne.

Bürgerbegehren steht im Raum

Abstimmung Die Freien Wähler haben beantragt, über eine Kursänderung abzustimmen. Das könnte noch in den Sommerferien geschehen. 

Grundlage Auch das Thema Bürgerbegehren haben die Freie Wähler aufgeworfen. Dazu bedarf es aber eines Gemeinderatsbeschlusses, sagt Bürgermeister Werner Link. Den gebe es im Moment nicht. Aber:  Wenn man den nächsten Schritt zum Bebauungsplan mache, sei das die frühzeitige Bürgerbeteiligung. Das biete eine Grundlage für ein Bürgerbegehren.

Information Der Schultes erklärte sich bereit zu einem Vor-Ort-Termin mit Bürgern. Er bezweifelt nur, dass viele kommen. Einen Info-Abend gab’s schon vorige Woche. Dort seien vor allem Befürworter gewesen. Die Veranstaltung sei ganz klein angekündigt gewesen, kritisiert Gemeinderat Eberhard Binder.

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