Schule Staatliches Schulamt: Auf Ende der Ferien gut vorbereitet

DANIEL GRUPP 11.09.2015
Am nächsten Montag beginnt für die Schüler wieder der Ernst des Lebens. Das Staatliche Schulamt Göppingen sieht sich gut vorbereitet, auch wenn die eine oder andere Lehrerstelle noch besetzt werden muss.

"Der Arbeitsmarkt ist bundesweit leergefegt", schildert der Leiter des Staatlichen Schulamts Göppingen, Jörg Hofrichter, die Schwierigkeit, wenn kurz vor dem Beginn des Schuljahres noch kurzfristig Lücken in den Reihen der Lehrerkollegien geschlossen werden müssen. Vor allem Sonderpädagogen und Grundschullehrer seien kaum zu finden. Dennoch hält Hofrichter die rund 250 Schulen in den drei Landkreisen Göppingen, Heidenheim und Ost-Alb-Kreis, für die das Göppinger Schulamt zuständig ist, für gut mit Lehrern ausgestattet: Insgesamt haben wir eine wirklich gute Versorgungssituation." Zusammen mit seinen Kollegen Roland Dangelmaier und Dietmar Burkhardt hat Hofrichter am Donnerstag die Lage kurz vor Ende der Ferien beschrieben: "Der Pflichtbereich ist sicher abgedeckt."

Hofrichter verweist auf die 6000 Neueinstellungen von Lehrern im Land. Dem stünden aber rund 4800 Fälle von Elternzeit gegenüber. "Wir haben die Möglichkeit Ersatzlehrer einzustellen." Falls diese gefunden würden. Die Situation zeigt sich auch an Schulen im Kreis. So ist die Heinrich-Schickhardt-Schule in Bad Boll gerade relativ stark von der Fluktuation betroffen. Ursache seien Erziehungszeiten, Schwangerschaften aber auch der berufliche Aufstieg einer Pädagogin. An der Gemeinschaftsschule müssen daher noch Stellen besetzt werden.

Die Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen zeigen, dass sich der Trend weg von den Haupt- und Werkrealschulen (WRS) fortsetzt. Im Kreis ist die Zahl der Kinder, die auf eine WRS wechselt, gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf jetzt noch etwa 150 Fünftklässler gefallen. Schulen, an denen sich in zwei Jahren in Folge weniger als 16 Kinder anmelden, droht das Aus. Für die Stauferschule in Wäschenbeuren ist das Ende der Sekundarstufe beschlossen. Ähnlich ist die Lage in Kuchen. Die Hauptschule (HS) in Böhmenkirch hat das zweite Mal in Folge die Mindestanforderung gerissen. Das Schulamt führte bereits vor Ort Gespräche. Hofrichter sieht kaum Chancen für die Hauptschule. "Viele Kleinstandorte werden verschwinden." Es sei eine Mindestgröße erforderlich, um einer Schule ein entsprechendes pädagogisches Angebot machen zu können. Die Mindestgröße unterschritten haben auch die Haierschule in Faurndau und die Ursenwangschule.

Wenn ab dem Schuljahr 2016/17 die neuen Bildungspläne für die Klassen 1 und 2 sowie 5 und 6 gelten und zudem die Realschulen neben der Mittleren Reife regulär den Weg zum Hauptschulabschluss anbieten werden, sieht das Schulamt noch weniger Platz für die WRS und HS. Hofrichter: "Gewollt ist ein zweigliedriges Schulwesen." Eine Säule soll das Gymnasium sein, die andere Säule sollen Realschulen und Gemeinschaftsschulen werden.

Im Grundschulbereich möchte Hofrichter Schließungen vermeiden, obgleich es Kandidaten gibt. Er steht zu dem Prinzip "Kurze Beine, kurze Wege." Im Gegensatz zu den weiterführenden Schulen gebe es hier "kein Fallbeil". Auch die Grundschule Hohenstaufen muss nicht um ihre Existenz bangen, auch wenn dort nur noch 26 Kinder unterrichtet werden. Der Transport zur nächsten Grundschule wäre nämlich relativ weit.

Das Schulamt verweist darauf, dass im neuen Schuljahr einige große Grundschulen mit einem heterogenen Anteil an Schülern zusätzliche Lehrerstunden zur Sprachförderung erhalten. Zudem sind die Poolstunden für die Realschulen weiter erhöht worden.

Die Zahl der Erstklässler im Kreis steigt im neuen Schuljahr um 42 auf 2046 Kinder. Asylbewerber, die jüngst in den Kreis gekommen sind, nicht mitgezählt. Von Montag an werde sich zeigen, wie viele Flüchtlingskinder vor den Schultüre stehen. Um diese Kinder schulfähig zu machen, wird es im Kreis 21 Vorbereitungsklassen im Grundschul- und 13 im Sekundarbereich geben. Trotz der gestiegenen Flüchtlingszahlen werden die Kurse nach Ansicht des Schulamts ausreichen.

Dass sich relativ viele Eltern bei der Anmeldung ihrer Kinder nicht an die Grundschulempfehlung halten, zeigt sich vor allem in den Bereichen HS/WRS sowie Realschulen. Im Kreisgebiet haben fast 29 Prozent der Viertklässler eine HS/WRS-Empfehlung, nur 7 Prozent folgten ihr. Eine Realschulempfehlung hatten 27 Prozent des Jahrgangs, 36 Prozent der Kinder wurden angemeldet. "Das ist nicht so dramatisch", findet Hofrichter. "Die Eltern entscheiden verantwortungsbewusst." Die Wechselzahl sei nicht so hoch. Zudem ist es aus seiner Sicht früher auch nicht besser gewesen. Der Schulamtsleiter erinnert sich, dass in seiner Schulzeit nicht einmal die Hälfte der Kinder, die mit ihm aufs Gymnasium eingeschult wurden, das Abitur gemacht haben - trotz Grundschulempfehlung und Probearbeiten, die es damals noch gab.