Ebersbach / Lilli Ell

Sie hatten schon ein bisschen Lampenfieber vor dem ersten Treffen, das gaben die Initiatorinnen des ersten Sprachcafés in der Ebersbacher Bibliothek, Büchereileiterin Alexandra Schmid und Andrea Schiller, Integrationsmanagerin der Stadt Ebersbach, zu. Ob die Frauen diesen neuen Treff wohl annehmen würden? Schnell stellte sich ehraus, dass die Sorge unbegründet war: Die beiden konnten immerhin rund ein dutzend Frauen, einige aus Syrien, dem Irak und anderen arabischen Staaten stammend, begrüßen. Auch einige deutsche Frauen waren gekommen.

Als Referentin hatte man Brigitte Würth gewonnen, die zwar schon einige Jahre im Ruhestand ist, aber viele Jahre für die Agentur für Arbeit tätig war und kompetent aus ihrem reichen Erfahrungsschatz an Beratungstätigkeit berichten konnte.

Eines stand von Anfang an widerspruchslos fest: „Die Sprache ist der Schlüssel zur Welt.“ Ohne Sprache gibt es keine Begegnungen mit den Einheimischen, keine Berufsausbildung, keine Berufstätigkeit. Jedoch ist der Weg zur Integration ein steiniger. Da gibt es nicht nur Sprachbarrieren, da ergeben sich auch andere Probleme. Das, was in Deutschland als Berufsausbildung erwartet wird, das ist noch lange in anderen Ländern nicht so, so wurde deutlich.

Dort ist eine Ausbildung sehr viel praktischer orientiert. Das heißt, im Sommer arbeitet man in der Landwirtschaft mit und im Winter näht man für die Familie, ein bisschen vereinfacht formuliert. Das geht auch als Ausbildung, respektive als Erfahrungen sammeln durch. Selbstverständlich gibt es Schulen, an denen man ein Abitur erwerben kann, es gibt auch Hochschulen und Universitäten, und doch bleiben eklatante Unterschiede, auch was die Anerkennung der Abschlüsse in Deutschland betrifft. Diese Anerkennung, ohne die es auch keine Ausbildung geben kann, ist ein überaus schwieriger und langwieriger Weg, den dann viele doch scheuen. Auch muss man beachten, dass man hierzulande nur bis zum 35. Lebensjahr eine Ausbildung anfangen kann.

Die Frauen hörten Brigitte Würth konzentriert zu und stellten auch gleich ihre Fragen zu Detailausführungen. Interessante Biografien taten sich dabei auf, und einige der syrischen Frauen äußerten sich lebhaft zu den angesprochenen Themen. Esraa aus Syrien erwägt, in der Zwischenzeit noch einmal ein Studium oder eine Ausbildung zu beginnen. Sie ist studierte Sozialpädagogin und hat an einem College in Syrien ihre Ausbildung absolviert. Auch hat sie eine Reihe von Jahren in ihrem Beruf gearbeitet. Für sie sind die Hürden zu hoch, es erscheint einfacher, eine neue Ausbildung hier zu machen.

Auch eine junge Frau aus der Türkei hat eine interessante Biografie. Sie spricht türkisch, englisch, französisch und deutsch und hat früher in Afrika als Englischlehrerin gearbeitet. Jetzt ist die 32-Jährige in der Elternzeit, danach möchte sie gerne arbeiten oder eine Ausbildung machen.

Zwischen Kaffee und Kuchen konnte man bei etlichen Frauen schon ein sehr hohes Sprachniveau feststellen, ohne Mühe konnten sie sich in einer für sie nicht einfachen Sprache unbekümmert ausdrücken und ihre Vorstellungen formulieren. Etliche hatten auch bereits die für eine Ausbildung nötige B1-Prüfung bestanden. Die deutschen Frauen zeigten sich gleichermaßen interessiert und stellten ihre Fragen, wie beispielsweise zur Rente bei den häufig angenommenen Minijobs oder bei Geringbeschäftigungen. Mit Kompetenz und Ruhe ging Brigitte Würth auf jedes Problem ein und passte sich im Gebrauch ihrer Sprache den Frauen an. Nach den Fragen und Antworten im großen Kreis teilten sich die Frauen in drei kleinere Gruppen auf, um in den kleineren Zirkeln weiter zu diskutieren.

So konnte dieses erste Treffen des neuen Formats der Flüchtlingshilfe als voller Erfolg betrachtet werden. Für die folgenden Treffen wüncht man sich jedoch, wenn sich noch mehr Teilnehmerinnen, auch deutsche Frauen als Gesprächspartnerinnen, einfinden würden. Diese Treffen wollen eine Plattform bieten, um Deutsch zu üben und dafür braucht es Partnerinnen. So wurde mit diesem Treffen ein vielversprechender Anfang gemacht, der alle zufrieden stellte.