Im Mittelpunkt des gemeinsamen Projektes von Schwäbischem Turnerbund und Internationalem Bund (IB) stehen die Belange muslimischer Frauen und Mädchen mit Fluchterfahrungen. Dass für das Anliegen des Projektes „aktiF“ großes Interesse besteht, zeigte sich schon bei der Vorstellung in Göppingen: Aus vielen lokalen Sportvereinen, muslimischen Frauengruppen und von den Städten und Gemeinden waren Vertreter gekommen, um sich über Chancen, Möglichkeiten aber auch Schwierigkeiten für die integrative Arbeit vor Ort zu informieren. Dazu wollten die Organisatoren Impulse geben, über gelungene Projektarbeit aufklären und Möglichkeiten für Förderungen eröffnen.

Denn besonders muslimische Mädchen und Frauen aus arabischen Ländern sind vor Ort in den Vereinen nur selten aktiv. Um diesem Missstand Abhilfe zu schaffen und das integrative Potenzial der 1800 Sportvereine, die im Turnerbund organisiert sind, zu nutzen, nimmt das Projekt im Besonderen den ländlichen Raum in den Fokus. Die Fördermöglichkeiten des Pilotprojekts seien zunächst auf zwei Jahre angesetzt und sollten „Vereine durch Fortbildung in ihrer integrativen Arbeit stärken“, erklärte Bernd Umbach, Geschäftsführer des Internationalen Bundes Württemberg. Die Zusammenarbeit zwischen Turnerbund und IB soll Synergien erzeugen,  um die Weiterentwicklung der Sportvereine mit Sozial- und Jugendarbeit zu verbinden. „Integration darf aus unserer Sicht nicht bedeuten, dass die Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, das tun müssen, was wir von ihnen erwarten“, unterstrich Umbach.  Vielmehr gelte es, einen nachhaltigen Austausch anzustoßen und interkulturelle Sensibilität bei den Engagierten in den Sportvereinen anzustoßen.

Wolfgang Fleiner, Geschäftsführer des Schwäbischen Turnerbundes, stellte die besondere Affinität seines Verbandes zur gesellschaftlichen Arbeit für Integration heraus. Als Verband, der seit über 200 Jahren bestehe, könne der Turnerbund dazu eine gute Plattform bieten. Bei Zugewanderten würden Sport- und Bewegungsangebote zumeist von Männern wahrgenommen. Angesichts des Zuzuges vieler Geflüchteter aus dem arabisch-sunnitischen Kulturkreis müsse man daher auch mit Blick auf die Spitzensportförderung mehr um die Frauen und Mädchen werben. „Wir wollen auch langfristige Kooperationen mit anderen Fraueninitiativen auf den Weg bringen“, betonte Projektreferentin Susanne Brand vom Turnerbund und hob hervor, wie vielfältig das Projekt  angelegt sei.

Das Förderprogramm starte nun mit zehn Pilotprojekten, die auch den Weg der interkulturellen Öffnung der Sportvereine unterstützen sollen – denn Integration sei keine Einbahnstraße. Vereine, die sich beteiligen, erwarten dann Workshops zur interkulturellen Kompetenz ihrer Ehrenamtlichen, Unterstützung beim Entwerfen neuer Bewegungsangebote für Mädchen und Frauen mit Fluchterfahrung, Beratung, Vernetzung sowie finanzielle Unterstützung durch die Verbände.

Wie gut die Arbeit mit Geflüchteten funktionieren kann, präsentierte Manuela Kircher vom TSV Waldenbuch. Der Verein habe auch Geflüchtete für ehrenamtliches Engagement gewonnen.