Donzdorf / dgr

Die „ultraschmalen“ Radwege von Reutlingen haben es doch nicht ganz geschafft. Der „Pannenflicken 2016 in Gold“, sozusagen die „Goldene Zitrone“ der Radfahrer, ging jetzt an die Stadt Donzdorf. Die Stadt hat es laut einer Mitteilung der Initiative „Cycleride“ mit den letzten Stimmen der Jury an die wenig rühmliche Spitze gebracht.

Die vielen Umlaufsperren auf dem Radweg, der auf ehemaligen Bahnstrecke durch die Kleinstadt führt, waren im bundesweiten Wettbewerb einer besonders schlechten Radweggestaltung nicht zu schlagen. Der Preis wird von „Cycleride“ vergeben, die sich nach eigener Aussage für eine praxistaugliche Radverkehrspolitik einsetzt. Hauptanliegen sei es, mehr Sicherheit, Toleranz und Verständnis im deutschen Radfahreralltag zu erwirken. Die Initiative wurde 2005 von Benutzern des Radsportforums Tour gegründet.

Albert Herresthal vom Verbund unabhängiger Fahrradfachgeschäfte VSF, laut Mitteilung ein Experte in Sachen Radverkehr, bezeichnete die Donzdorfer Situation als „Umlaufsperrenalbtraum“ und kommentierte: „Dieser Radweg gleicht eher einem Schikane-Parcours.“ Durch die rekordverdächtige Konzentration von Sperren werde nicht nur das Fahrvergnügen geschmälert, sie stellt auch ein Sicherheitsrisiko dar. Paul Bickelbacher, der in Radverkehrs- und in Fußgängerverbänden engagiert ist, ergänzte: „Insbesondere in dieser Ausführung machen Umlaufsperren den Benutzern von Lastenrädern, Kinderanhängern und Rollstühlen das Leben schwer.“

Die Stadt rechtfertigt die Schranken mit der Sicherheit der Radler. „Wir halten den Sicherheitsaspekt der Schranken für höher als die Unfallgefahr“, sagte Bürgermeister Martin Stölzle vor einem Jahr. Mit angepasstem Tempo könne man durchfahren, ohne sich zu verletzen.

Cycleride vergibt den Pannenflicken seit 2006 jährlich in Gold, Silber und Bronze. dgr