Wiesensteig Spannender Streifzug durchs Jagdrevier

Jäger Wolfgang Hauser erzählte den Teilnehmern aus seinem Alltag und beantwortete  ihre Fragen.
Jäger Wolfgang Hauser erzählte den Teilnehmern aus seinem Alltag und beantwortete  ihre Fragen. © Foto: Isabell Noether
Wiesensteig / CHRISTINE FIGL 23.08.2016
Mit dem Jäger Wolfgang Hauser aus Wiesensteig konnten sich beim „Sommer der Ver-Führungen“ 20 Teilnehmer auf die Pirsch durch sein Revier machen.

Sabine Echterbecker aus Ebersbach ist sich sicher: „Der Sommer der Ver-Führungen ist einfach etwas ganz Besonderes, ich lerne so viel Neues dazu, von dem ich bisher nichts wusste und komme an Ecken, die ich davor nicht kannte.“ Genau das ist das Geheimnis, warum sich auch nach zwölf Jahren noch immer tausende Besucher die Veranstaltungen des Sommers der VerFührungen rot im Kalender anstreichen.

Wolfgang Hauser aus Wiesensteig ist passionierter Jäger und das seit 20 Jahren. In seinem Pantoffelrevier, so nennt man Jagdreviere, die direkt vor der eigenen Haustüre liegen, ist er gerne nach der Arbeit mit Hund Logan unterwegs – die Ruhe auf dem Hochsitz und der Wald an sich bilden für ihn einen idealen Ausgleich zum Alltag. Wolfgang Hauser von der Jägerschaft Fils e.V. hat sich für den Sommer der VerFührungen eine tolle Kombination einfallen lassen. Nicht nur, dass er die über 20 Gäste mit in sein Revier nimmt und sie über seine Schultern blicken lässt, im Anschluss wartet im Gasthof Selteltor in Wiesensteig ein Wildmenü, das bereits vorab vielen Gästen das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Wie sollte es anders sein, das Wildschwein wurde selbstverständlich einige Tage zuvor im eignen Revier erlegt.

Dass Jäger lediglich mit ihrer Schusswaffe auf dem Hochsitz sitzen ist wohl ein weitverbreiteter Irrtum. Über das Jahr hinweg beobachten Jäger die Tiere in ihren Revieren genau, nur so können sie einen Überblick über die Population und beispielsweise schwache und kranke Tiere bekommen. Kirrungen für Schwarzwild sorgen dafür, dass die Jäger dieses Wild an bestimmte Orte gezielt locken können, um so die Sauen effektiv bejagen zu können. Rehwild konnten die Jäger in der Vergangenheit im Winter – insbesondere in Notzeiten – füttern, wie der Waidmann berichtete. Dies lasse das neue Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) in Baden-Württemberg nicht mehr zu. Die Jäger legen  vermehrt Wildäcker an und säen dort einen „Blumenstrauß“ an natürlicher Äßung für die Rehe. So werde versucht, die Verbissschäden am Jungbaumbestand des Waldes zu vermeiden.

Prinzipiell stehen Jäger im regelmäßigen Austausch mit den Landwirten, eine gute Kommunikation sei wichtig. So werden mit ihrer Absprache blaue Reflektoren an Straßenübergängen angebracht, um Autofahrer vor Wildunfällen zu schützen, oder Maisfelder der Bauern mit 10.000 Volt-Stromzäune eingezäunt, um sie vor Wildschweinen und Dachse zu schützen.

Bevor es auf den Hochsitz geht, absolvieren Jäger regelmäßige Trainings, denn bei sofort tötenden Schüssen spielt die Schießfestigkeit eine große Rolle, damit Tiere nicht leiden und die Richtlinien des Tierschutzes eingehalten werden. Absatzprobleme hat Wolfgang Hauser nicht, die örtliche Gastronomie und Hotellerie sowie Metzger freuen sich über die Wildspezialitäten.

Auch die Familie Storr vom Gasthof Selteltor hatte sich für die Gäste des Sommers der VerFührungen zum Abschluss etwas ganz Besonderes einfallen lassen, auf die Teilnehmer wartete ein fantastisches Wildmenü bestehend aus einem Carpaccio vom Rehmaultäschle mit Zupfsalat, einem Steinpilz-Süpple mit Pistazienklößle, Saltimobcca vom Wildschwein und einem Zitronen-Cheesecake-Crumble. Selbst die Jagdgöttin Diana meinte es gut mit den Teilnehmern, denn erst kurz nach dem Erreichen der gedeckten Tische, kam es zum regnerischen Wetterschwung.