Breitband Später wäre es doppelt so teuer

Hattenhofen / Jürgen Schäfer 26.07.2018

Am Ende waren alle dafür: Nach einer kritischen Fragerunde, zu der Verbandsbaumeister Wolfgang Scheiring gekommen war, entschied sich auch der Gemeinderat Hattenhofen, Leerrohre in die Gräben zu legen, die die Telekom für ihren Vectoring-Ausbau aufreißt. Zuvor hatten sich schon Gammelshausen, Dürnau und Bad Boll für diese Investition entschieden.

Für Hattenhofen heißt das: Etwa 110 000 Euro kostet das Mitverlegen auf 1,4 Kilometer Leitungsstrecke in den Gehwegen. Würde die Gemeinde sich irgendwann später zu diesem Schritt entschließen, wäre sie gewaltig schlechter dran, erläuterte Scheiring den Räten. „Das wäre dann mindestens der doppelte Betrag.“ Außerdem wären die Verhältnisse im Untergrund nicht mehr dieselben. „Man stößt auf vergrabene Kabel, die nicht sauber liegen“ – das lehre die Erfahrung.

Wozu Leerrohre? „Wir legen Leerrohre neben die Telekom, wir bräuchten dafür einen separaten Netzbetreiber. Wenn wir den nie finden, ist das Geld vergraben.“ So vermutete es Gemeinderat Jürgen Kehm.  Der Verbandsbaumeister klärte auf: Dieser Netzbetreiber könnte die Telekom selber sein, die jetzt nur mal Glasfaser in Hauptsträngen verlegt – „als Zwischenstufe“. Der Internetanbieter, der nicht der einzige ist in Hattenhofen, habe auch Interesse an Leerrohren, sie bräuchte sie sogar. Die Chance sei klar gegeben, dass die Gemeinde die Leerrohre vermieten könne und Geld zurück kriege. Auch von der Option Verkaufen war die Rede, und vom „Mehrnutzen“, den dann die Bevölkerung habe, wenn sie Glasfaseranschluss dank Leerrohren der Gemeinde bekomme. „Wir brauchen den Glasfaserausbau“, drängte Bernd Hack.

Ulrich Gößl sah die strategischen Überlegungen aber schon als „Krücke“. „Wir treten in Vorlage, das wird sich hoffentlich irgendwann amortisieren.“ Bürgermeister Jochen Reutter verwies auf die frühere Erfahrung. Die Neckarwerke hätten Kabel für alle Fälle verlegt, „wir profitieren heute davon“.  Das überzeugte Martina Greiner. Kehm sah den aktuellen Fall nüchterner: „Im Prinzip finanzieren wir der Telekom das Rohr. Die sparen sich Unsummen.“ 

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