Nellingen Sorge um die Sicht der Fahrer

So soll der Platz mit dem Mehrfamilienhaus an der Schnittstelle zwischen Aicher Straße (rechts) und Merklinger Straße (links) aussehen. Um die Sicht für die Autofahrer zu verbessern, hat Planer Karl-Heinz Kurz die Bitte des Gemeinderats aufgegriffen und eine Garage im Kurvenbereich gestrichen.  
So soll der Platz mit dem Mehrfamilienhaus an der Schnittstelle zwischen Aicher Straße (rechts) und Merklinger Straße (links) aussehen. Um die Sicht für die Autofahrer zu verbessern, hat Planer Karl-Heinz Kurz die Bitte des Gemeinderats aufgegriffen und eine Garage im Kurvenbereich gestrichen.   © Foto: Privat
RALF HEISELE 03.08.2016
Im Kurvenbereich der Aicher Straße soll in Nellingen ein Mehrfamilienhaus gebaut werden. Der Rat gab hierfür grünes Licht – kritisiert wurde aber die Anordnung der Garagen.

Seit zwei Jahren versucht die Gemeinde Nellingen ihr Grundstück an der Einmündung der Aicher Straße in die Merklinger Straße für eine Wohnbebauung zu verkaufen. In der Sitzung am Montag hat der Gemeinderat den Weg frei gemacht für ein Mehrfamilienhaus mit Garagen – doch nicht alle am Ratstisch sind damit glücklich: Bruno Wanderer und Hans Eberhardt enthielten sich der Stimme. Dabei ging es ihnen nicht um den von Planer Karl-Heinz Kurz vorgestellten Entwurf des Hauses, sondern vielmehr um die Einsicht der Autofahrer in die 90-Grad-Kurve. Der Grund: Während Kurz das dreigeschossige Haus mit seinen neun Wohnungen in den nordwestlichen Bereich des 1624 Quadratmeter großen Grundstücks erstellen will, sollen entlang der Straße zehn Garagen und ein Fahrradunterstand gebaut werden. Wie Kurz darlegte, seien die Garagen eigens abgerückt worden, um den Kurvenbereich besser einsehen zu können.

„Das Projekt an sich ist klasse“, befand Ratsmitglied Hans Eberhardt. Er befürchtet aber Klagen aus der Bürgerschaft, „wenn wir die Ecke wieder zubauen lassen“. Eberhardt erinnerte daran, dass die Gemeinde vor sechs Jahren das Grundstück gekauft hat, um nach dem Abbruch der landwirtschaftlichen Anwesen die Sicht für Autofahrer zu verbessern. „Ich glaube, dass alles auf dem Plan besser aussieht, als es in Wirklichkeit sein wird“, sagte Eberhardt. Auch Roland Fink störte sich an einer direkt am Kurveneingang vorgesehenen Garage – „vielleicht kann man sie besser platzieren.“

 Bürgermeister Franko Kopp begrüßte aus städtebaulicher Sicht das Vorhaben. Der Bedarf an Wohnungen sei vorhanden, sagte der Schultes und verwies auf den fünften Abschnitt im Baugebiet Bruckäcker. Obwohl noch in der Planungsphase, hätten sich bereits 23 Interessenten für die dort entstehenden 29 Bauplätze gemeldet. „Nellingen ist attraktiv und wird noch attraktiver, wenn der Bahnhalt kommt.“ Gerade auch deshalb sei es sinnvoll, wenn in der Nähe der Ortsmitte neuer Wohnraum geschaffen werde. Deshalb sei das Grundstück im Rahmen des Landessanierungsprogramms gekauft worden. Die nach dem Abbruch der alten Häuser bessere Einsicht in den Kurvenbereich nannte der Bürgermeister einen positiven Nebeneffekt. Kopp und Kämmerer Werner Zimmermann stellten klar, dass man dem Regierungspräsidium einen Randstreifen entlang der beiden Straßen zum Kauf angeboten habe, damit es die Landesstraße in dem Kurvenbereich neu und breiter gestalten könne. Kopp: „Doch die wollten das nicht.“ Planer Kurz fügte hinzu, dass der Sichtwinkel geprüft und „genehmigungsfähig“ sei – trotz der Garagen.

 Nach längerer Diskussion um Themen wie Gehwege und um die Linksabbiegespur, auf denen die Fahrer von Traktoren mit Frontschaufeln ihre Sichtprobleme bekämen, befürwortete der Rat mehrheitlich den Bauantrag. Allerdings soll der Planer prüfen, ob man die angesprochene Garage versetzen könne. „An der einen Garage darf das Projekt nicht scheitern“, befand Günter Maier.

Die Gemeinde verkauft nun das Grundstück an die Externi Wohn- und Gewerbebau GmbH aus Ulm, die das Gebäude bauen wird. Wie Planer Karl-Heinz Kurz gegenüber unserer Zeitung bestätigte, könne mit dem Bau noch in diesem Jahr begonnen werden, „wenn alles nach Plan läuft“. Interessenten für die 55 bis 100 Quadratmeter großen Wohnungen gibt es bereits. Auch der Bitte des Gemeinderats hat Kurz bereits entsprochen und nach Rücksprache mit dem Bauherrn die strittige Garage aus dem Plan gestrichen.