Sommerfestival Sommerfestival: Viel Beifall für Feucht-Trio

Ein Konzert in berührender Intensität bot das Jochen-Feucht-Trio beim Sommerfestival Schloss Filseck.
Ein Konzert in berührender Intensität bot das Jochen-Feucht-Trio beim Sommerfestival Schloss Filseck. © Foto: Giacinto Carlucci
Uhingen / Stefan Renner 28.07.2018

Lauer Sommerabend, kein Wölkchen am Himmel und andächtige Stille im angenehm beschatteten Schlosshof - das waren die äußeren Bedingungen für das eindrückliche Konzert des Jochen-Feucht-Trios auf Schloss Filseck.

Zum Trio gehören Jochen Feucht an Sopransaxophon, Bassetthorn, Flöte und diversen perkussiven Glöckchen, Dizzy Krisch am Vibraphon und Günter Weiss an der zwölfsaitigen akustischen Gitarre. Aus dieser ungewöhnlichen Instrumentierung wurde ein warmes Klangbild entwickelt, das durch das rhythmische Spiel der Gitarre und das der Hauptsolisten an Vibraphon und Saxophon in einen fließenden Groove gesetzt wurde.

Dargeboten wurde eine völlig eigenständige ausdrucksvolle Musikauffassung, die sich als luftig, melodiös, schwebend und balladesk beschreiben lässt – eine Musikrichtung zum Zu-, Nachhören und Entspannen, die sich zwischen Klassik, Jazz, Minimal und Weltmusik völlig selbstverständlich und unverkrampft ansiedelt und diese Pole zu einer besonderen Melange verbindet.

Die elegant melodische kammermusikalische Auffassung des Cool Jazz traf dabei auf Strukturen, die man eher vom modalen Jazz her kennt, der auch deshalb auf Überharmonisierung verzichtet, um ein solistisch freieres Spiel mit anderen als den gängigen Skalen zu ermöglichen – auch mit solchen aus dem Osten. Beim Feucht-Trio kippte deren Verwendung nie in ausgelassene freejazz-artige Ausdrucksformen. Die Soli blieben bei aller Freiheit zugänglich, melodiös und folgten in ihrem Aufbau selten Klischees.

Nur beiläufig kam es zu kurzen, schräg wirkenden Einwürfen – der Grundcharakter der Stücke und Soli blieb entspannt, Melodien standen im Vordergrund. Stücke und Soli wurden in sich schlüssig, melodiös und fein dynamisch aufgebaut und in weiten stimmungsvollen Bögen entwickelt. Oft gingen die Stücke von einem Thema mit bleibender Melodie aus, das nicht selten von den Begleitmusikern für den Solisten im Hintergrund weitergeführt wurde, etwa beim anrührenden „Kardamom“, beim hymnischen „Mimas“ oder der bluesartig angelegten Ballade „Kleine Melocolie“. So wurde sich verzahnend mit Melodien über Melodien improvisiert. Auf der anderen Seite wurden mantraartige Riffs als Begleitung entwickelt, die zum einen einen Fluss erzeugten, zum anderen die harmonische Basis fürs Improvisieren legten und dabei sogartig wirkten, etwa bei „Light Play“ oder auch bei der Interpretation von Ralph Towners „Ikarus“.

Es war längst später Abend geworden und der Schlosshof in farbiges Licht getaucht, als das Konzert endete – ein Konzert, das in seiner berührenden Intensität wie geschaffen war für die Atmosphäre im Schlosshof. Diese ausdrucksvolle Musik lässt sich auf CD nachhören. Das Album „Light Play“ wurde für den Preis der deutsche Schallplattenkritik nominiert. Stefan Renner

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel