Kooperation Soldaten berichten über den Krieg

Ebersbach / LILLI ELL 12.09.2018

Das ist der Irrsinn des Krieges“, so kommentierte der ehemalige Bürgermeister von Ebersbach, Sepp Vogler, die Bilder und Exponate in der Ausstellung „1914 bis 1918: Deutsche und französische Soldatenschicksale im Ersten Weltkrieg“, die am vergangenen Sonntag im Stadtmuseum „Alte Post“ in Ebersbach von Bürgermeister Eberhard Keller eröffnet wurde.

Das Besondere dieser Ausstellung, so der Museumsleiter Uwe Geiger in seiner Einführung, sei es, dass sie als ein gemeinsames Projekt mit der französischen Partnerstadt Bourg-lès-Valence konzipiert sei. So war auch die Vertreterin der Bürgermeisterin von Bourg-lès-Valence, Christiane Montaner, gekommen, um ein Grußwort zu sprechen. Die Ausstellung wird im November auch drei Wochen in Bourg-lès-Valence zu sehen sein.

Beide Städte lagen weit von den Frontlinien entfernt. Die Schicksale jedoch glichen sich. Die Industrie produzierte kaum mehr etwas anderes als Kriegsgüter, Flüchtlinge und Verwundete mussten hüben wie drüben aufgenommen werden, die Frauen mussten sich allein um die Familien kümmern und waren in ständiger Sorge um die Männer.

Die Schautafeln und die Exponate zeigen all dies, gestützt auf die offiziellen und privaten Dokumente. In Ebersbach bewegen die sehr privaten Briefe und Bilder der ungefähr 800 Soldaten aus Ebersbach und Umgebung. Ungefähr 170 Soldaten von hier fielen in diesem grausamen Krieg oder fanden danach den Tod als Folge ihrer Verletzungen.

Es geht um die einfachen Soldaten in dieser Ausstellung, nicht um die große Politik. Das ist bewegend und authentisch ehrlich zugleich. Die Soldatenfriedhöfe in Frankreich zeigen eine ganz andere Präsenz der Thematik als in Deutschland. Das führt zu der Frage, wie die einfachen Menschen sich gegenüber standen, und betont die eindrücklichen Texte und Bilder.

Besonders eindringlich ist das Schicksal von Heinrich Stuber aus Ebersbach, der ungefähr 100 Briefe in wenigen Monaten an seine Frau Rosa und die gemeinsame Tochter schrieb. Das sind authentische und ehrliche Dokumente, die für Geiger durchaus eine Herausforderung bei der Durchsicht darstellten, nicht nur nach ihrem Inhalt, sondern wegen der alten Schrift, die teilweise in sehr kleinen Buchstaben gehalten und kaum lesbar war. „Man kämpfte sich durch die viele Feldpost mit schwierig zu lesender Schrift,“ so Geiger. „Aber es war durchaus ein Gewinn.“

Im Vergleich dieser Dokumente stellte sich heraus, dass es einen Unterschied machte, an wen diese Feldpost ging. Die Frauen wurden eher geschont, sie sollten sich nicht zu sehr sorgen müssen, also schrieb man nicht alle Erlebnisse und übte eine eigene Zensur aus. Die Überlebenden des Krieges waren traumatisiert, die Männer hatten oft Albträume bis ins hohe Alter.

Diese Ausstellung öffnet ein Fenster in diese Zeit, sehr persönlich und doch auch mit der nötigen Distanz. Die Hoffnung bestand bis zuletzt, noch im Januar 1918 bauten Soldaten einen Schneemann bei Verdun, wo Gas als Waffe eingesetzt wurde, was Tod und Leid über so viele Menschen brachte. Spricht man mit den französischen Gästen, so stellt man fest, dass es sowohl in Frankreich als auch in Deutschland die gleichen Probleme, die gleichen Nöte gab.

Zum Schluss gab es herzliche Dankesworte und Beifall für die Macher dieser Ausstellung und Präsente für die französischen Gäste.

Info Die Ausstellung dauert bis zum
11. November. Danach wird sie in der französischen Partnerstadt zu sehen sein. Die Texttafeln sind in deutscher und französischer Sprache.

Infokasten

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