Wiesensteig Sorge um marode Brücken in Wiesensteig

Die Brücke zwischen See- und Helfensteinstraße soll teilweise komplett ersetzt werden.
Die Brücke zwischen See- und Helfensteinstraße soll teilweise komplett ersetzt werden. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Wiesensteig / Von Sabine Graser-Kühnle 10.04.2018
Ein Gutachter stuft die Brücke beim Freibad als „verkehrsgefährdet“ ein. Für die historische Bahnhofsbrücke empfiehlt er einen Ersatz.

Alles andere als eine süße Überraschung haben Wiesensteigs Gemeinderäte in ihrer Sitzung kurz vor Ostern erhalten: Markus Vollmer vom Ingenieurbüro „Tragwerke“ präsentierte sein Ergebnis einer Untersuchung: Zwei der überprüften Brücken der Stadt haben die Prüfung mit dem fast schlechtesten Notenschnitt, den Markus Vollmer vergeben konnte, abgeschnitten.

Die Brücke beim Freibad (Helfenstein- und Seestraße), die aus einem Alt- und einem Neubau besteht, hat im alten Bauwerk mit einer 3,5 das schlechteste Ergebnis erzielt. Übersetzt heißt das: absolut verkehrsgefährdet, sofortige Tonnagebeschränkung, umgehend das alte Bauwerk durch einen Neubau ersetzen. Der jüngere Brückenabschnitt schloss mit einer Note von 2,4 ab und es würde genügen, diesen mit einem neuen Straßenbelag zu versehen und verschlissene Betonteile zu sanieren.

Ersatz für Bogenbrücke?

Nicht ganz so schlimm stellt sich die Situation bei der Bahnhofsbrücke mitten im Ort dar, aber bei einer Note von 3,4 ist dennoch Dringlichkeit geboten, riet Vollmer den Räten. Sämtliche tragende Bauteile dieser historischen Bogenbrücke, die gemauerte Stützwand, der Bogen, das Betongewölbe gehören saniert, zudem müsste der Durchflussquerschnitt reduziert werden, um so das ebenso angegriffene Fundament zu sichern. Auch das historische Geländer weist einige Schäden durch Rost auf, diese sind allerdings wenig gravierend. Schon im Asphaltbelag seien Senkungen zu erkennen, klärte Vollmer auf. Seine Einschätzung: Ein Ersatzneubau sei wirtschaftlich am effektivsten.

Doch zu einer Entscheidung konnten sich die Räte nicht durchringen. Denn Kosten liegen noch keine auf dem Tisch und obendrein will die Stadt Wiesensteig einen Zuschussantrag stellen, für den sie wiederum Unterlagen benötigt, die bis zum ­­Stichtag 15. April noch gar nicht ­existieren. Dazu zählen etwa eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und eine Entwurfsplanung, beides kann das Büro „Tragwerke“ nicht so kurzfristig erstellen. Schon für die erste Planung sind Behörden und Grundstücksanlieger zu beteiligen, was den Zeitrahmen dehnt, wie der Fachmann am Ratstisch darlegte.

Wiesensteigs Bürgermeister Gebhard Tritschler lässt derzeit beim Regierungspräsidium (RP)  in Stuttgart prüfen, ob die  Stadt die Unterlagen zum Antrag auch nachreichen kann, um den Stichtag einhalten zu können. Denn auf die finanzielle Förderung durch dieses Programm will Wiesensteig freilich nicht verzichten. Der Förderrahmen beträgt bis zur Hälfte der entsprechenden Kosten. Tritschler wäre das am liebsten, denn weil dieses Programm heuer sehr kurzfristig aufgelegt worden ist, vermutet er wenige Antragsteller, die diesen sportlichen Stichtag einhalten können. Weniger gut stünden die Chancen für einen positiven Bescheid im Jahr 2019, ist seine Meinung.

Sollte das RP die Anfrage ablehnen, will Wiesensteig den Antrag 2019 stellen und bis dahin alle notwendigen Unterlagen vorbereiten.