Region So viel Obst wie lange nicht mehr

Region / Von Thomas Hehn 13.06.2018
Die Fröste an Ostern ließen schon eine Missernte befürchten. Doch die Natur hat wieder aufgeholt: Obstbäume und Beerensträucher hängen brechend voll.

Das kann man gar nicht alles verbrauchen.“ Johannes Küchle schaut zufrieden um sich: Egal ob Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge oder Beeren – alle Bäume und Sträucher hängen brechend voll mit Früchten. Wenn jetzt nicht noch Gewitter und Hagelschauer dazwischenfunken, wird’s „eine Ernte geben wie schon lange nicht mehr“, freut sich der Vorsitzende des Mühlhausener Obst- und Gartenbauvereins.

Dabei sah es vor ein paar Wochen ganz und gar nicht danach aus, dass die Natur ihr Füllhorn derart reichlich ausschütten würde. Die Frostperiode vor Ostern bremste die Vegetation erst mal aus. Doch im Anschluss folgte ein heißer April, in dem die Natur wieder Gas geben konnte. Und das tat sie dann auch mit aller Macht. Küchle kann sich kaum daran erinnern, dass Kirsche, Birne, Zwetschge und  Apfel in der Vergangenheit jemals gleichzeitig geblüht haben. Als der Mai dann noch den nötigen Regen brachte, war die letzte Hürde genommen. Im Juni werden die Bäume zwar noch einiges abwerfen, damit sie nicht unter der Last der Früchte zusammenbrechen, aber selbst was hängen bleibt, wird allemal genügen (siehe auch Info).

Die sich inzwischen abzeichnende gute Ernte verdanken wir auch den Bienen. Sie waren in diesem Jahr besonders gefordert. Schließlich wurden durch die kalte Witterung Mitte März nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Bienenvölker in ihrer Entwicklung zurückgeworfen. Als es dann plötzlich überall blühte, schienen viele Völker noch nicht stark genug zu sein, um das Überangebot in der Natur  zu bestäuben. Doch die fleißigen Nektarsammlerinnen haben sich offensichtlich ins Zeug gelegt und Extra-Schichten gemacht.

Auch Imker sind zufrieden

Neben  den Streuobstwiesen- und Gärtlesbesitzern sind auch die Imker zufrieden. Die erste Honig­ernte brachte zwar keine Spitzenerträge, dafür aber hervorragende Qualität: „Durch die bunte Mischung aus Bäumen und Blumen schmeckt der Honig in diesem Jahr besonders lecker“, zitiert Obstler-Chef Johannes Küchle einen Vereinskollegen und Imker, der seine Bienenvölker im Mustergarten des Mühlhausener Obst- und Gartenbauvereins aufgestellt hat.

Und dort haben die Bienen ­tatsächlich die Qual der Wahl. Auf der gerade mal 800 Quadratmeter großen Wiese am Dorfrand neben der Fils wachsen nicht weniger als 34 Obst- und Beeren­sorten: Allein bei den Bäumen gibt es 9 Apfelsorten, 7 Birnenarten, ­6 unterschiedliche Zwetschgen, 3 Reneclauden- und 2 Kirschsorten und als Exot  sogar „Nushi“ – eine Kreuzung aus Birnen und Quitte.

Mit dem „Junifall“ schützen sich die Bäume

Laien registrieren es mit Schrecken: Kaum haben die Bäume nach der Blüte angesetzt, werfen sie viele Früchte im Juni wieder ab. Für Experten ist das ganz normal: „Mit dem Junifall  putzt sich der Baum und behält nur das, was er später auch tragen kann“, beruhigt  Johannes Küchle.

Sollte tatsächlich mal ein Ast unter der Last brechen, sei daran eher der Besitzer schuld: „Dann wurde der Baum nicht richtig geschnitten“, erklärt der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Mühlhausen.

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