Attacke Sind sogar Schüsse gefallen?

Böhmenkirch / Thomas Hehn 07.07.2018

Plötzlich gab es einen Höllenschlag.“ Die Böhmenkircherin kann sich noch genau an jenen 9. Mai erinnern, als sie kurz vor 22 Uhr auf dem Weg zu ihren Eltern durch den Ulmer Weg fuhr.  Die 50-jährige fuhr zunächst weiter, wendete dann doch, um herauszufinden, was ihr Auto da getroffen hatte. Außer einer Delle an der A-Säule ihres VW Golf fand sie nur noch zwei Anwohnerinnen, die am Gartenzaun miteinander tratschten. „Das war wieder der Steinewerfer“, wussten die Nachbarinnen schon Bescheid, bevor die Autofahrerin überhaupt erzählen konnte, was ihr gerade widerfahren war.

Nur in einem Bereich

Die mysteriöse Attacke vom 9. Mai war tatsächlich nicht die einzige. „Von Anfang April bis Ende Mai sind im Ulmer Weg elf fahrende, drei stehende und weitere zwei parkende Autos beschädigt worden. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf 10 500 Euro“,  erläutert Wolfgang Jürgens, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ulm, auf Anfrage der GEISLINGER ZEITUNG. In allen Fällen geht die Polizei von Steinwürfen aus. Da die Attacken auf die fahrenden Autos nur in einem bestimmten Bereich des Ulmer Wegs verübt wurden, vermutet die Polizei, dass die Straftaten miteinander zusammenhängen und von ein- und derselben Person verübt wurden. Im Dorf kursieren auch schon entsprechende Gerüchte. Jürgens widerspricht: „Die Gerüchte sind uns bekannt, aber aus polizeilicher Sicht gibt es keinen konkreten Verdacht.“

Die Betroffenen sehen das offensichtlich anders. Angesichts der Anzahl der Vorfälle kocht inzwischen die Volksseele in der Albgemeinde. Gleichzeitig sind viele verunsichert: „Ich fahre nicht mehr durch den Ulmer Weg“, erklärt die 50-jährige Golfbesitzerin. „Eltern lassen jetzt sogar ihre Kinder nicht mehr durch den Ulmer Weg laufen“, sagt ein weiteres Opfer. Bezeichnend für die tiefe Verunsicherung: Keiner der Geschädigten will seinen Namen in der GZ lesen. Sie fürchten sich vor möglichen Racheaktionen des Täters.

Was die Betroffenen zusätzlich ärgert: Sie haben den Eindruck, dass die Verantwortlichen nichts unternehmen. So lehnt die Polizei eine von den Geschädigten geforderte Video-Überwachung im Ulmer Weg bislang ab. „Das wurde wochenlang unter den Tisch gekehrt“, ärgert sich die Golffahrerin, dass auf die Anschläge hin nur ein kleiner Hinweis im Mitteilungsblatt erschien. Bürgermeister Matthias Nägele verweist auf die Polizei: „Das ist deren Aufgabe.“

„Wir ermitteln intensiv“

Jürgens wiederum widerspricht dem Vorwurf, dass nichts getan werde: „Wir ermitteln intensiv.“ Die Polizei habe Nachbarn befragt und Spuren gesichert. Außerdem würden vermehrt Streifenwagen fahren. „Die Polizeipräsenz im Ulmer Weg ist massiv erhöht worden“, erklärt Jürgens. Auch die Staatsanwaltschaft sei inzwischen „eng eingebunden“. Weitere Maßnahmen will er  „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht nennen. „Das muss man nicht auch noch an die große Glocke hängen.“

Die geforderte Video-Überwachung im Ulmer Weg ist nach Einschätzung des Polizeisprechers im Übrigen auch gar nicht so einfach: „Da gibt es hohe Hürden sowohl aus strafprozessualer als auch polizeirechtlicher Sicht. Die erreichen wir hier gar nicht.“  Öffentliche Bereiche könnte man vielleicht noch überwachen. Da mittlerweile aber erwiesen sei, dass  die Steine nicht von der Straße aus, sondern von Privatgrund aus geworfen wurden, würde man mit einer Kameraüberwachung „in den persönlichen Bereich reinleuchten und das ist nicht erlaubt.“ Bürgermeister Matthias Nägele kann das nicht ganz nachvollziehen. „Wenn jemand Steine auf Autos wirft, kann das Schlimmste passieren.“ Eine Überwachung per Kamera sei das einfachste Mittel, um den Täter zu überführen.

Nicht nur Steine geflogen?

Offenbar sind aber nicht  nur Steine geflogen. Die 50-jährige Golffahrerin hat Bekannte im Schützenverein. Die haben die Delle begutachtet und sind zum Schluss gekommen, dass die Spuren nie und nimmer von einem Stein herrühren. Die Konturen würden vielmehr auf eine Kleinkaliber-Schusswaffe hindeuten. Als sie den Schaden beim Polizeiposten zur Anzeige brachte, hätten die Beamten  auch nicht ausschließen könne, dass eine Schusswaffe im Spiel war, ergänzt die Geschädigte. „Wenn ich nur ein bisschen schneller gefahren wäre, könnte ich das hier vielleicht gar nicht mehr erzählen“, sitzt der Frau der Schrecken  noch heute in den Gliedern.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel