In 15 Minuten kann man viel sagen, vor allem, wenn man seine Rede vom Blatt abliest. Bei der Kandidatenvorstellung der Gemeinde präsentierten am Donnerstagabend sechs Bewerber für die Bürgermeisterwahl in Bad Ditzenbach sich und ihr Programm in genau diesem Zeitrahmen, aber auf unterschiedliche Weise. Der siebte Kandidat, Andreas Fischer von der Liste "Nein-Idee" aus Berlin, ist indessen nicht gekommen. "Als wir ihn fragten, hat er erwartungsgemäß nein gesagt", erklärt der amtierende Bürgermeister Gerhard Ueding, der sich nach 24 Jahren nicht mehr aufstellen lässt.

Riesengroß ist dagegen das Interesse der Bevölkerung. Um die 400 Bürger füllen die Turn- und Festhalle im Ortsteil Gosbach restlos, viele weitere müssen draußen bleiben. Unter den Besuchern sind auch die Bürgermeister der Nachbargemeinden. Sie wissen: Einer (oder eine) wird ihr neuer Amtskollege - wenn kein zweiter Wahlgang nötig wird und dann der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass sich weitere Kandidaten melden.

Frank Ansorge

Als Erster tritt Frank Ansorge aus Aufhausen ans Mikrofon. Er sagt, nach nicht ganz fünf Jahren als Bürgermeister in Birenbach sei ihm die Entscheidung zur Kandidatur in Bad Ditzenbach "nicht ganz leicht gefallen". Am Ende sei aber immer das Herz gefragt, und das schlage für diese Region. Bad Ditzenbach habe sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. Die zweifellos wichtigen Investitionen in Trinkwasseraufbereitung und Abwasserbearbeitung, in das Dienstleistungsgebäude und die Straßenbeleuchtung hätten aber zu acht Millionen Euro Schulden geführt. "Das ist zu viel." Nun müsse das Konzept zur Haushaltskonsolidierung umgesetzt werden. "Einsparungen oder Gebührenerhöhungen wären der falsche Weg." Wichtig sind ihm außerdem die rechtzeitige Straßensanierung, ein "direkter Draht" zum Gewerbe, ein intaktes Vereinsleben, attraktive und funktionierende Ortskerne, der Erhalt der Kulturlandschaft und eine sinnvolle Tourismusförderung - "für Großprojekte wie den Park mit Pavillon sehe ich trotz Fördermitteln auf absehbare Zeit keinen Spielraum." Der Bau der neuen Halle in Gosbach werde das Vereinsleben auf lange Zeit sichern.

Manuela Raichle

Die Eislingerin Manuela Raichle hält ihre Rede in einer betont einfachen Sprache. "Ich kenne Bad Ditzenbach, ich mag Bad Ditzenbach", sagt sie und bescheinigt dem Publikum gleich: "Sie haben Vertrauen zu mir, wir passen halt zusammen." Auf Birenbachs Bürgermeister Ansorge anspielend, verspricht sie: "Wenn Sie mich wählen, dann bleibe ich Ihnen erhalten." Mit Zahlen und Fakten scheint sie sich bestens auszukennen. Sie nennt beispielhaft einige Straßen, die dringend saniert werden müssten, und macht eine Rechnung auf: Als innerhalb von zehn Jahren 200 Menschen von Bad Ditzenbach wegzogen, habe die Gemeinde aus dem Finanzausgleich 200.000 Euro weniger bekommen. Damit Familien in Bad Ditzenbach bauen können, müssten die vorhandenen Bauplätze schnell verkauft werden. In den Fremdenverkehr habe die Gemeinde in einem Jahr 400.000 Euro gesteckt, über Kurtaxe und sonstige Einnahmen jedoch nur 145.000 Euro zurückbekommen. Raichle fordert: "Unser Geld muss uns zugute kommen. Punkt." Gut angelegt wäre das Geld in der Vereinsförderung und im Neubau der Halle, die dann aber eine "Mehrzweckhalle ohne Wenn und Aber" sein müsste.

Oliver Taschowsky

"Wer ist das und was will der hier?" Oliver Taschowsky beantwortet dem Publikum die rhetorische Frage bereitwillig. Er kümmert sich bei der Diakonie Stetten um Behinderte. Zuerst tat er das in seiner Freizeit, später wurde daraus sein Beruf. Der hat viel mit Verwaltungsarbeit zu tun, mit Beratung, Verhandeln, Vermitteln. "Ein guter Bürgermeister muss auch motivieren können, kommunizieren, vermitteln." Als Fachwirt habe er im Übrigen nicht nur Verwaltung, sondern auch Wirtschaft studiert. So lägen ihm in Bad Ditzenbach neben sozialen Themen das Finanzwesen und die Wirtschaftspolitik am Herzen. Finanziell sei Bad Ditzenbach nicht auf Rosen gebettet. Der Bau einer neuen Halle erscheine ihm, "nachdem ich die alte gesehen habe", jedoch unumgänglich. Da kichern die Zuhörer. Vorhandene Arbeitsplätze müssten gesichert, Betriebe mit einem neuen Gewerbegebiet, einer stabilen Schulversorgung und Kinderbetreuung nach Bad Ditzenbach gelockt werden. Auf Details geht Taschowsky nicht ein. Im Rathaus wolle er für eine "gute Arbeitsatmosphäre" sorgen, er selbst wolle immer "ein offenes Ohr für alle Bürger" haben.

Reiner Gauger (CDU)

Der Bewerber Reiner Gauger ist zwar seit 2013 Bezirksgeschäftsführer der CDU Nordwürttemberg. In Gosbach stellt er jedoch klar: "Parteipolitik hat bei mir auf dem Rathaus keinen Platz." In einer bürgerlichen Familie in Gaildorf sei er aufgewachsen, erklärt der 52-jährige Junggeselle, und seine Interessen hätten sowohl auf dem Gebiet der Betriebswirtschaft als auch der Technik gelegen. Erfahrungen im Tourismus habe er in Südtirol gesammelt. Ein besonderes Anliegen in Gaildorf sei ihm stets der Handels- und Gewerbeverein gewesen. So habe er in Gaildorf auch schon eine regionale Wirtschaftsmesse veranstaltet. "Der Mittelstand verdient jegliche Unterstützung", fordert Gauger und "Anerkennung und Unterstützung" für die Landwirtschaft. Für den Tourismus wolle er ein Konzept ausarbeiten. Touristische Einrichtungen dürften nicht Selbstzweck sein, sie müssten allen Bürgern zugute kommen. Als er die schlechte Mobilfunk-Versorgung Auendorfs anspricht, geht ein Raunen durch die Zuhörerreihen. Zum Schluss macht Gauger noch ein Wahlversprechen: "Wenn ich hier Bürgermeister werde, dann ziehe ich in Ihre schöne Gemeinde."

Herbert Juhn

"Führungserfahrungen und Führungskompetenzen" führt der stellvertretende Geschäftsführer des Jobcenters Göppingen für sich ins Feld, nachdem er ein wenig aus seinem Leben erzählt hat: "Ich bin in Brasilien geboren, aber das sieht man mir nicht an." Tatsächlich seien seine Großeltern Deutsche gewesen, die nach dem Krieg auswanderten, um eine Landwirtschaft aufzubauen; 1962 kehrte die Familie zurück. Als Bürgermeister wolle er nicht nur seine Erfahrungen aus der Verwaltung nutzen, sondern auch seine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse als Unternehmensberater. Als Einziger von den Kandidaten hält er das Mikrofon in der Hand und in gerader Linie vor den Mund, als er seine Rede hält. Von den Schwierigkeiten mit dem Ton will er sich jedoch sichtlich nicht beirren lassen. Um die Bürger besser in die Gemeindepolitik einzubinden, wolle er eine Ideenwerkstatt einrichten und auch das Internet für mehr Bürgerbeteiligung nutzen. Die Gemeindepolitik müsse transparent werden. Dazu solle es künftig jährlich eine Bürgerversammlung geben - die erste noch in diesem Jahr, falls er gewählt wird. Weitere Themen sind Bauplätze für junge Familien, eine solide und sparsame Haushaltsführung (Juhn verantwortet im Jobcenter den Verwaltungshaushalt mit neun Millionen Euro jährlich) und eine Prioritätenliste der Straßensanierungen.

Christian Stähle (Linke)

Kandidat Christian Stähle tritt ganz in Schwarz und locker auf. "Ich begrüße alle, die bei der dicken Luft hier drinnen ausgehalten haben. Sie haben etwas durchgemacht." Dafür gibt es schon die ersten zustimmenden Lacher. Weiter geht es mit Persönlichem. Stähle, diplomierter Psychologe und Theologe, erzählt von der Zeit, als er Vertriebsleiter bei Maier Sport in Gosbach war ("Helmut Maier war ein Mann aus dem Volk") und sagt, dass er den Kontakt zu Bad Ditzenbach nie ganz verloren habe. Nun brauche Bad Ditzenbach einen neuen Bürgermeister und er lasse sich zur Wahl aufstellen - "als Theologe glaube ich an Fügungen." Das Publikum lauscht gebannt, reden kann er zweifellos. Stähle kommt auf sein Programm zu sprechen, es liege nachher auch am Ausgang auf. "Mehr Kinder-, Jugend- und Familienfreundlichkeit" würden auch den Zuzug von Familien fördern. Die Gemeinde sollte mit einem flächendeckenden Glasfasernetz für schnelle Internet-Zugänge sorgen und mit dem Land und der Region über weitere Industrieflächen verhandeln; die neue Halle sollte wettkampftauglich sein; Bad Ditzenbach brauche wegen seiner vielen Pendler bessere Nahverkehrsverbindungen und die Vereine sollten auch nicht zu kurz kommen: "Ohne sie kann eine außerstädtische Region nicht überleben." Auch Stähle will "die Bürgerbeteiligung ernst nehmen". Und macht zum Schluss ebenfalls ein Wahlversprechen: Wenn er Bürgermeister wird, will er all seine Parteiämter niederlegen. "Das ist eine Frage der Demokratie." Ein Bürgermeister müsse neutral sein und mit jedem reden können.

Am Ausgang sind Stähles Programmhefte dann bald vergriffen. 500 habe er mit nach Gosbach genommen, sagt er, und nun seien schon alle weg. "So etwas ist in meiner ganzen politischen Laufbahn noch nie vorgekommen."