Kuchen Musik und Internet harmonieren miteinander

Die Musikindustrie hat sich verändert, doch ein Live-Erlebnis bleibt unvergleichlich: Jedes Konzert ist anders.
Die Musikindustrie hat sich verändert, doch ein Live-Erlebnis bleibt unvergleichlich: Jedes Konzert ist anders. © Foto: Thomas Madel (Archiv)
Kuchen / RUW 08.06.2018
Die Musikindustrie ist inzwischen im digitalen Zeitalter angekommen. Erfolg ist so leicht messbar wie nie. Wir haben uns darüber mit Kuchens Schlagerstar Tobee unterhalten.

Um seine Zukunft als Sänger sorge er sich nicht, sagt Schlagerstar Tobias Riether alias Tobee. Stimmungsmusiker würden immer gute Aufträge bekommen. Gerade wegen des Internets hatten Plattenfirmen massive Probleme, da der Verkauf von CD’s seit Anfang der 2000er-Jahre immer weiter einbrach (siehe Infokasten). Inzwischen laufe das Geschäft aber wieder gut – gerade wegen des Internets, sagt Tobee.

Musiker verdienten heute viel Geld dank Streamingdiensten wie Spotify. Der Kuchener liebt, wie transparent heutzutage der Erfolg ist. „Ich sehe sofort, wie gut ein Song im Netz ankommt.“ Zahlen als Beweis für Erfolg: 5,7 Millionen Aufrufe für seinen Hit Helikopter 117, dazu weitere 4,4 Millionen Viewers bei Youtube (Stand: 8. Juni, 10.57 Uhr).

Musikindustrie ist im digitalen Zeitalter angekommen

Nach den Zahlen könnten sich Musiker richten, wüssten, was ankomme bei den Fans, so Tobee.

Schränkt das aber Musiker nicht kreativ ein, wenn sie ausgehend von Erfolgsaussichten ihre Lieder schreiben? Muss Einfallsreichtum erst kanalisiert werden, darf er sich nicht frei entfalten? „Doch, das tut er“, widerspricht der Partymusiker. Es sei auch schon früher so gewesen, dass ein Musikproduzent Songs in einem gewissen Stil gefordert habe. „Selbst, wenn du Vorgaben hast, musst du innerhalb dieser Erwartungen kreativ sein“, betont er.

Zudem könne jeder dank des Internets heute zum Star werden. Die Langlebigkeit stehe zwar wegen der enormen Konkurrenz infrage, aber wer erst einmal den sprichwörtlichen Fuß in der Türe habe, könne sich auch dauerhaft halten. „Am Ende liegt aber alles an der Qualität des Produkts“, sagt Tobee. Ein guter Song müsse kein Hit werden. Je besser er allerdings ist, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit.

Für Tobee ist das Internet einer der Bausteine des Erfolgs. Ob er nochmal eine CD aufnehmen wird, weiß er nicht so recht.

Live-Auftritte bleiben einzigartig

Das Live-Erlebnis eines Konzerts sei aber mit nichts zu vergleichen. Es könnte nicht ausgetauscht werden, so wie Spotify eine CD ersetzt. Tobee liebt die Bühne und ist glücklich über singende Fans. Genau das erhofft er sich auch für die Neuauflage seines Schlagerkuchens am 14. Juli.

Eine gute Stunde wird er als Headliner auf der Bühne stehen und für die Fans im Ankenstadion auch seine neue Coverversion des Schlagerhits „Can you englisch please“ singen. Schlager seien wieder richtig beliebt, sagte Tobee unserer Zeitung im April. Mit Helene Fischer wachse heutzutage jeder auf. Von der Beliebtheit der Musik profitiert natürlich auch sein eigenes Festival.

Über den Schlagerkuchen freuen sich viele, nicht alle

„Natürlich gefällt es nicht jedem, ich glaube aber, dass der Schlagerkuchen eine Bereicherung für unsere Heimat ist“, sagt Tobee. Im vergangenen Jahr hatten sich einige Bewohner über die Lautstärke und über viele Betrunkene im Ort beschwert. Hinzu kam, dass ein paar Störenfriede gewaltsam versucht hatten, ins Stadion zu gelangen. Tobee erinnert daran, dass die Securitys die unliebsamen Gäste aufgehalten hatten. Das Sicherheitskonzept sei ihm sehr wichtig, betont der Musiker und studierte Zahnarzt. Er arbeitet dafür erneut mit der Eventbande aus Konstanz zusammen.

Auch dank des erweiterten Sicherheitskonzepts dürfen dieses Jahr 5000 Fans ins Stadion – 500 mehr als im Vorjahr. „Der Schlagerkuchen soll langsam wachsen“, sagt Tobee. Er ist den Vereinen, der Gemeinde und seinen Partnern dankbar für die große Unterstützung. Kürzlich hatte sich auch Kuchens Bürgermeister Bernd Rößner gegenüber unserer Zeitung sehr positiv über den ersten Schlagerkuchen geäußert: „Es war ein tolles Festival“, sagte er im April.

Schon lange denkt Tobee darüber nach, das Musikfestival jährlich zu veranstalten. Er glaubt daran, dass der Schlagerkuchen erfolgreich bleiben wird. Diese Musik sei ein Jungbrunnen, und werde uns deswegen noch lange erhalten bleiben.

720 Millionen Euro dank CDs

Der Musikmarkt in Deutschland hatte im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 1,58 Milliarden Euro erwirtschaftet, was ein Minus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutete. Das berichteten die dpa Anfang März dieses Jahres.

Die CD hat auch heute noch den größten Marktanteil, aktuell liegt dieser bei 45,4 Prozent. Jedoch fiel der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr auf 720 Millionen Euro (-16 Prozent). Das Streaming hat bereits einen Marktanteil von 34,6 Prozent bzw. 549 Millionen Euro (+42,8 Prozent). Im Trend liegt seit einiger Zeit wieder Vinyl. Der Marktanteil der Schallplatten liegt aber nur bei 4,6 Prozent.

Nach anfänglicher Krise scheint die Musikindustrie dem digitalen Wandel also gewachsen zu sein.

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