Eislingen Sicherheit der Kreiselkunst wird unterschiedlich bewertet

Den Saurierkreisel am Eislinger Ortseingang halten Mitglieder der Verkehrsschau für gefährlich. Nach Ansicht des Ordnungsamts muss Abhilfe geschaffen werden. Den NWZ-Lesern jedoch gefällt der Kreisel wie er ist.
Den Saurierkreisel am Eislinger Ortseingang halten Mitglieder der Verkehrsschau für gefährlich. Nach Ansicht des Ordnungsamts muss Abhilfe geschaffen werden. Den NWZ-Lesern jedoch gefällt der Kreisel wie er ist. © Foto: Giacinto Carlucci
DANIEL GRUPP 19.03.2014
Die Sicherheit von Kunstwerken in Kreisverkehren ist umstritten. Der Chef des Eislinger Ordnungsamts, Winfried Reifenschweiler, hat Bedenken wegen des Fischsauriers und Kunstkreisel an Durchgangsstraßen.

"Der Fischsaurier, da gab es Bedenken wegen der Sicherheit", erinnert sich Winfried Reifenschweiler an die Verkehrsschau vor einigen Monaten. Das Problem sei noch nicht gelöst. Der Gemeinderat müsse entscheiden, erwartet der Leiter des Eislinger Ordnungsamts. Von den Vertretern des Regierungspräsidiums, die als Träger der Baulast für die alte B 10 gefragt sind, sei die Verkehrssicherheit in Frage gestellt worden. Obgleich zuletzt die Sicherheitsfrage nicht weiter bearbeitet wurde, wird Reifenschweiler am Ball bleiben. "Ich glaube, dass das Thema noch nicht erledigt ist."

Der Kreisverkehr mit dem Fischsaurier, den die NWZ-Leser gerade zum schönsten Kunstkreisel in Eislingen und zur Nummer vier im Landkreis gewählt haben, liegt außerhalb des Ortseingangs. Außerorts sei auf Kunstwerke zu verzichten, interpretiert Robert Hamm, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart, die Position des Verkehrsministeriums des Landes. Im Übergangsbereich zur Ortsdurchfahrt sei zu überprüfen, ob das Bauwerk im Kreisel verkehrssicher ist.

Ordnungsamtschef Reifenschweiler scheint im Zweifel auf Nummer sicher zu gehen. So meint er, dass das RP Kreiselkunst auf innerörtlichen Durchgangsstraßen grundsätzlich ablehnt. Damit könne auch kein Kunstwerk in den neuen Kreisverkehr an der Mühlbachstraße gestellt werden. RP-Sprecher Hamm ist weniger strikt. Innerorts sei die Sicherheit bei der Kreiselkunst nicht so entscheidend. Allerdings müsse die Verkehrsschau jede Kreuzung bewerten. Wenn sie entsprechend gestaltet sind, seien auch auf Durchgangsstraßen Kreiselkunstwerke möglich, sagt Hamm.

Ritz: Ohne Hindernisse fahren Autofahrer geradeaus durch

Tatsächlich waren aber die für das neue Rondell an der Kreuzung Salacher und Beltstraße vorgeschlagenen Kunstwerke vom RP abgelehnt worden. Als dann Eislinger Stadträte auf die stählernen Hindernisse hingewiesen haben, die verhindern sollten, dass Autos mit hohem Tempo direkt durch den Kreisverkehr brausen, habe das Ordnungsamt als untere Verkehrsbehörde der Großen Kreisstadt diese ebenfalls entfernen lassen, erinnert sich FW-Stadtrat Eckehart Wöller. Damit gehe der Abbremseffekt verloren. Dies hat auch Peter Ritz (SPD) beobachtet: "Jetzt fahren die Autofahrer geradeaus durch." Wöller wie Ritz halten die Sicherheitsbedenken gegen die Kreiselkunst für übertrieben. "Bei der Verkehrsschau machen sich alle in die Hose. Keiner will die Verantwortung übernehmen", findet Ritz.

Tempo 30 auf der Belt- und der Hauptstraße, ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen in der Innenstadt - immer wieder sind die Wünsche Eislinger Stadträte auf Bedenken des Ordnungsamts gestoßen. Beim Tempolimit für die Beltstraße ist Reifenschweilers Einschätzung vom RP bestätigt worden. Um das Lkw-Verbot zu erreichen, werden ein Verkehrskonzept entwickelt und die Fahrbahnen der Bahnüberführung von vier auf zwei reduziert.

Haas warnt: Nicht übers Ziel hinausschießen mit der Kunst

Grünen-Stadtrat Holger Haas wünscht sich, dass der Leiter des Ordnungsamts nicht nur sagt, was nicht geht, sondern zeigt, "was man tun muss, um es möglich zu machen". Er warnt davor, bei der Kreiselkunst übers Ziel hinaus zu schießen. Erich Schwendemann (CDU) hat hingegen keine Einwände gegen Reifenschweilers Arbeit. Das Ordnungsamt müsse sich an die gesetzlichen Vorgaben halten.

Auch Reifenschweiler bezweifelt, dass die Sicherheitsansprüche, die an die Kreiselkunst gestellt werden, immer verhältnismäßig sind. Allerdings sieht er wenig Spielraum: "Man muss die Erlasse und Urteile beachten. Das ist meine Bredouille. Ich kann aber nur Empfehlungen geben und muss nicht entscheiden." Er macht aber deutlich, dass er in Verkehrsfragen nicht einfach den jeweiligen Wunsch des Gemeinderats umsetzen kann, auch wenn in der Großen Kreisstadt sein Amt Teil der Verwaltung ist: "Als untere Verkehrsbehörde kann man auch nicht machen was man will." Es gebe Erlasse, Gesetze und Gerichtsurteile, die zu beachten seien.