Kreis Göppingen Shisha-Bars bekommen neue Auflagen

Erkan Erdem raucht eine Shisha in seiner Bar, dem Mamagayo. Seit neun Jahren kommen die Shisha-Fans zu ihm, um zu rauchen. Im Mamagayo lüfteten die Anlagen gut, sagt er. Einen Arzt habe noch keiner in all den Jahren gebraucht.
Erkan Erdem raucht eine Shisha in seiner Bar, dem Mamagayo. Seit neun Jahren kommen die Shisha-Fans zu ihm, um zu rauchen. Im Mamagayo lüfteten die Anlagen gut, sagt er. Einen Arzt habe noch keiner in all den Jahren gebraucht. © Foto: Markus Sontheimer
Kreis Göppingen / Ruben Wolff 07.11.2018
Wer eine Shisha-Bar besitzt, muss besondere Lüftungsanlagen besitzen, andernfalls droht Strafe. Die Regelung gilt ab dem heutigen Mittwoch.

Wenn in einer Shisha die Kohle verglüht, entsteht giftiges Kohlenmonoxid (CO). Wird das Gas eingeatmet, verdrängt es den Sauerstofftransport im Blut. Manch einem wird dann schwindelig. Andere sind schon bewusstlos zusammengebrochen. Deswegen gelten seit dem heutigen Mittwoch neue Auflagen für Shisha-Bars in Geislingen. Göppingen will in Kürze nachziehen.

„In den Gaststätten müssen ausreichend große Lüftungsanlagen installiert sein“, erklärt Philipp Theiner, Chef im Geislinger Ordnungsamt. „Ausreichend groß“ bedeutet, dass pro brennender Wasserpfeife stündlich 130 Kubikmeter Luft nach außen befördert werden müssen. Es gibt noch mehr Auflagen: In den Gaststätten und Bars muss es CO-Warnmelder geben. Sobald einer anschlägt, gilt es unter anderem, alle glühenden Kohlen zu löschen. Jeder Alarm muss dokumentiert werden. „Wir setzen damit um, was im Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg bereits Ende Oktober beschlossen wurde“, erklärt Theiner. Das Wirtschaftsministerium ist auch die oberste Gaststättenbehörde.

„Wenn es um die Gesundheit geht, muss man genau hinschauen. Ich finde das also gut“, betont Erkan Erdem, der das Mamagayo leitet. Seit neun Jahren bedient er Shisha-Fans in Geislingen. Neue Lüftungsanlagen habe er nicht kaufen müssen, sagt Erdem. Das Mamagayo habe die Räume einer früheren Raucher-Lounge geerbt, dem „Konfetti“. Alles sei vorhanden gewesen. Auch die CO-Melder habe er schon länger.

Wer die neuen Auflagen zu streng finde, der müsse sich klarmachen, dass es um die Gesundheit und um den Schutz des Lebens gehe, meint Philipp Theiner. In Bremerhaven hatten beispielsweise im März dieses Jahres 16 Menschen eine Kohlenmonoxidvergiftung in einer Shisha-Bar erlitten. In Geislingen sei ihm zwar kein konkreter Fall bekannt, sagt Theiner, allerdings gebe es ähnliche Fälle im ganzen Land, deswegen müsse man vorsorgen. Wer eine Shisha-Bar in Geislingen besitzt, hat von Theiner bereits ein Formular erhalten, das er möglichst schnell zurückschicken sollte, um zu bestätigen, dass die technischen Anlagen vorhanden sind. Finden dann zeitnah erste Kontrollen statt, passiere das unangekündigt.

Im Gesundheitsamt in Göppingen betrachte man den Shisha-Trend kritisch, sagt Pressesprecherin Julia Schmalenberger vom Landratsamt. Im Rauch von Wasserpfeifen käme CO in größeren Mengen vor als im Zigarettenrauch. Beides enthalte zudem Teer und Nikotin. Was häufig unterschätzt werde: Da mehrere Menschen an der Shisha ziehen, steige die Gefahr, Herpes zu bekommen. Auch Tuberkulose könne übertragen werden. Da reiche es nicht, die Mundstücke einer Wasserpfeife regelmäßig auszutauschen, sagt Schmalenberger. Bakterien und Viren habe man auch in den Schläuchen nachgewiesen, deswegen wisse man, dass Infektionsgefahr bestehe.

In Göppingen sind die Shisha-Bars bereits vor zwei Jahren kontrolliert worden, erzählt Benjamin Dari, der die Mayers Lounge in der Hauptstraße leitet. „Wir mussten gar nichts umbauen. Bei uns hat alles gereicht“, sagt er. Seine Lüftungsanlagen zögen sogar mehr als die geforderten 130 Kubikmeter Luft nach außen. „Das kostet zwar mehr Strom, aber das ist es mir wert“, sagt Dari. „Ich will nicht, dass einem Gast übel wird und er umfällt.“

Ob er doch noch tätig werden muss, wird die nahe Zukunft zeigen. Die neuen Auflagen des Wirtschaftsministeriums seien umfangreicher als die Kontrollen von 2016, sagt Göppingens Presse­sprecher Dejan Birk-Mrkaja. Die Stadtverwaltung habe damals wegen der bundesweiten Vorfälle mit CO-Vergiftungen in Shisha-Bars reagiert. Man habe geeignete Auflagen zum Schutz der Gäste und Beschäftigten definieren wollen, so Birk-Mrkaja. Jetzt müssten die Gaststätten erneut kontaktiert werden. Das Wirtschaftsministerium habe keine Frist gesetzt, aber man wolle so schnell wie möglich alles regeln.

Immer mehr Menschen rauchen Wasserpfeifen. Als Erkan Erdem 2009 seine Lounge eröffnete, damals noch als Papagayo, sei er der erste in Geislingen gewesen. Mittlerweile gibt es acht Gaststätten mit Shishas in der Fünftälerstadt, in Göppingen sind es 13. „Ich glaube, der Trend wird nicht mehr aufhören“, sagt Benjamin Dari von Mayers Lounge. Seine Gäste liebten es, gemeinsam ihre Zeit zu genießen. „Heutzutage ist die Nähe zwischen Menschen nicht mehr so da wie früher“, meint Erkan Erdem. Die digitalen Kommunikationsmedien entfernten die Menschen voneinander, deswegen nutzten sie umso lieber die Chance, mal zusammenzusitzen, um sich zu unterhalten – wie bei einer Shisha.

Zwangsgelder und Ausnahme

Dem Betreiber einer Gaststätte, der die ­neuen Auflagen nicht einhält, droht ein Zwangsgeld von 1000 Euro. Im Extremfall riskiert er sogar die Schließung seiner Gaststätte. Das teilt der Geislinger Ordnungsamtsleiter Philipp Theiner mit.

In Geislingen gelten die Auflagen wegen ­kohlebefeuerter Wasserpfeifen in geschlossenen Räumen mit sofortiger Wirkung ab Mittwoch, 7. November.

Für das Entzünden und Rauchen von Shishas gelten im Freien keine Auflagen. Das Kohlenmonoxid zieht draußen einfacher ab als in geschlossenen Räumen.

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