Eislingen Krummwälderin sammelt 170 Teddybären

Eislingen / Von Kristina Betz 06.04.2018
Ein Teddy half Elfriede Nägele vor 20 Jahren eine Krise zu überwinden. Seither hat die 66-Jährige aus Krummwälden 170 Plüschbären gesammelt.

Wenn Elfriede Nägele von ihren Teddys erzählt, nimmt sie sie hastig aber behutsam aus dem Regal, vom Sofa oder aus dem Kinderwagen, in dem sie sitzen. Liebevoll streicht sie über den zottigen Plüsch auf dem Kopf der Bären. „Ich kaufe sie nach dem Gesicht“, sagt die 66-Jährige. Wichtig sei ihr, dass das Plüschtier freundlich und lieb dreinschaue.

Vor 20 Jahren begann Elfriede Nägeles Sammelleidenschaft. Die damals 46-Jährige befand sich in einer Lebenskrise. Nach einer Trennung ließ sie einen alten Teddybären, den sie im Keller gefunden hatte, restaurieren. Teddykliniken, wie es sie zum Beispiel in München gibt, haben sich darauf spezialisiert, alte und kaputte Plüschtiere herzurichten. „Meiner hier bekam eine Felltransplantation“, sagt Nägele und lacht laut. Ihre Sammelleidenschaft betrachtet sie stolz, aber immer auch mit einem Augenzwinkern. Der Grundstein für die mittlerweile 170 Bären starke Sammlung war gelegt. Die ersten Bären stillten die Einsamkeit, eine Sammelleidenschaft entwickelte sich. „Die Bären haben mir Trost gespendet“, sagt die Sammlerin heute zufrieden.

Ihr Lebensgefährte Heinrich Oberle unterstützt die Sammelleidenschaft seiner Partnerin. Wenn er auf der schwarzen Ledercouch Platz nehmen möchte, muss Oberle zunächst die Bärensammlung bei Seite räumen. „Das macht mir aber gar nix aus“, sagt der 67-Jährige. Viele der 170 Bären hat er seiner Partnerin geschenkt.

Eines der wertvollsten Stücke der Sammlung brach ganz zu Beginn der Beziehung des Paares das Eis. Ein graubrauner, etwas abgewetzter Teddy der Firma Steiff. Ein Exemplar mit Sammlerwert – noch mit Knopf und ohne Schleife im Ohr. 40 Jahre lag der Bär in einer Holzkiste auf dem Dachboden des Elternhauses von Heinrich Oberle. Mittlerweile ist das wertvolle Stück 65 Jahre alt. Vor zehn Jahren ließ das Paar den Bären schätzen: 700 Euro war er bereits damals wert.

Wie viel Elfriede Nägele für ihre Sammlung ausgegeben hat, kann sie heute nicht mehr beziffern. „Sehr viel“, ist sie sich aber sicher. Wie hoch der heutige Sammlerwert der teilweise limitierten Steiff-Bären ist, rechnet sie nicht nach. Für sie habe die Sammlung ohnehin vor allem ideellen Wert. Der Teddysammler-Markt sei aber „ein riesiger“, weiß sie.

Wie wertvoll jahrzehntealte Bären von Traditionsfirmen wie Steiff oder Hermann sind, zeigt der Verkauf des „Fröhlich“-Bären. 2002 wurde dieser beim 6. Steiff Festival in Giengen für 156 240 Euro verkauft. Loswerden möchte sie ihre Sammlung aber nicht, im Gegenteil. Gerade weil ihr die Bären am Herzen liegen, denkt sie schon weiter: „Was wird aus ihnen nach meinem Ableben?“, fragt Elfriede Nägele sich.

Die zwei erwachsenen Kinder der 66-Jährigen haben bislang kein Interesse an der Sammlung gezeigt. „Sie akzeptieren mein Hobby, aber haben selbst keine Leidenschaft fürs Sammeln“, sagt Elfriede Nägele. Ihre Enkel hingegen haben große Freude am Bärenmeer im Hause Nägele. „Der Kleine überprüft immer, ob noch alle da sind.“

Weil die Erbfrage ungeklärt ist, erweitert Elfriede Nägele die Sammlung nicht mehr. „Ich muss mich bremsen“, sagt sie und erzählt von Messen und Ausstellungen, die sie seit einigen Jahren meidet. „Ich muss mich selber schützen. Wenn ich da einen Bären sehe, sagt der, ‚nimm mich mit’ zu mir, da kann ich dann nicht anders.“ Einen Bären wegwerfen? „Kommt nicht in Frage.“

Mit viel Selbstironie lebt die Krummwälderin ihre Leidenschaft. Wenn Freunde fragen, wie das Wochenende war, entgegnen Nägele und ihr Partner auch mal: „Wir waren Zuhause bei den Bären.“ Und ihr sei auch klar, dass es für Nachbarn ein komischer Anblick sei, wenn sie ihre 170 Bären zum Lüften nach draußen auf die Terrasse schicke. Aber sie liebe und lebe „ihren Fimmel“, wie Nägele selbst sagt.

Und vielleicht steckt auch noch mehr hinter dem Hobby, gibt Nägele gerne zu. Aufgewachsen ist die lebensfrohe Frau auf einem Bauernhof in Krummwälden. „Meine Kindheit war geprägt von der Arbeit auf dem Hof und in der Wirtschaft. Wir durften nicht weg, hatten keine Spielsachen und mussten immer schaffen“, erzählt Nägele. „Möglicherweise kompensiere ich die harte Kindheit heute mit den Teddybären“, sagt sie ganz rational und mit einem leichten Schulterzucken. Später führte die junge Frau gemeinsam mit ihrer Schwester die Gaststätte Krone in Krummwälden. Bekannt sei man für die Pfannenschnitzel und die achterlei Sorten Salat gewesen, erzählt Nägele stolz. Noch heute wünschen sich Gäste die traditionellen Krone-Gerichte, wenn sie zu Besuch sind. Die werden dann unter den Augen dutzender Knopfaugen serviert. Denn Elfriede Nägele stellt klar: „Solange ich hier bin, sind die Bären hier.“

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Tausend Euro kostete einer der teuersten verkauften Steiff-Teddybären. Der Bär mit dem Namen „Fröhlich“ wurde 2002 in Giengen an der Brenz versteigert.

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