Verhandlungen Wende: Klinik soll stehen bleiben

Wird die Klinik am Eichert doch nicht abgerissen? Freitagabend wurden die Kreisräte hinter verschlossenen Türen über die Pläne des Unternehmers Johannes Krauter informiert. Dieser will das Gebäude nach Fertigstellung der neuen Klinik umbauen.
Wird die Klinik am Eichert doch nicht abgerissen? Freitagabend wurden die Kreisräte hinter verschlossenen Türen über die Pläne des Unternehmers Johannes Krauter informiert. Dieser will das Gebäude nach Fertigstellung der neuen Klinik umbauen. © Foto: Markus Sontheimer
Göppingen / Dirk Hülser und Helge Thiele 11.11.2017
Kreisklinik: Der Göppinger Unternehmer Johannes Krauter hat Pläne für Wohnungen und ein Hotel erstellen lassen. Kreistag  am Freitag nichtöffentlich informiert.

Die Bombe platzte Freitagabend am Ende der Kreistagssitzung – im nichtöffentlichen Teil. In geheimen Verhandlungen ist der Weg dafür geebnet worden, dass die Klinik am Eichert entgegen der bisherigen Planungen doch nicht abgerissen werden müsste. Dadurch würde der Landkreis eine erhebliche Summe sparen. Nach den vorliegenden Informationen soll der Göppinger Unternehmer Johannes Krauter das Gebäude übernehmen.

Bislang hatten Klinik und Kreisverwaltung aus vielerlei Gründen darauf verwiesen, dass am Abbruch des Altbaus aus den 1970er-Jahren kein Weg vorbeiführe. Unter anderem sei das Gebäude energetisch nicht mehr zeitgemäß. Nun die Wende: Landrat Edgar Wolff präsentierte den Kreisräten gestern Abend umfangreiche Pläne, erstellt von einem Stuttgarter Architekturbüro, beauftragt von Krauter. Für die Öffentlichkeit ist die Präsentation nicht bestimmt – noch nicht einmal der Göppinger Gemeinderat weiß Bescheid. Damit die Pläne umgesetzt werden können, müsste das Gremium aber zuerst einmal den Bebauungsplan ändern.

Nach ersten Schätzungen will Krauter offenbar 70 bis 90 Millionen Euro in das Gebäude investieren – für die Klinik soll er allerdings nur einen symbolischen Betrag berappen, das Grundstück müsste er allerdings kaufen. Vor vielen Jahren hatte Krauter bereits die Göppinger Werfthalle für einen symbolischen Preis gekauft, sie umfangreich saniert und unlängst an die Firma Kleemann im Stauferpark verkauft.

Die vorliegenden Pläne sehen vor, dass in dem Gebäude unter anderem Wohnungen, Seniorenwohnungen, ein Hotel und die Möglichkeit zur Kurzbelegung für Angehörige von Patienten untergebracht werden. Zudem könnte das Bildungszentrum für Pflegekräfte der Klinik dort einziehen – ein möglicher Neubau entfiele damit. Zwischen der bisherigen Klinik und dem Neubau soll nach der Machbarkeitsstudie des Stuttgarter Büros eine Art Piazza entstehen, offenbar soll auch dafür der bisherige Eingangsbereich des Altbaus abgerissen werden.

In dieser Woche ist der Aufsichtsrat der Klinik bereits über die neue Entwicklung informiert worden. In dem Gremium sei das Vorhaben grundsätzlich positiv bewertet worden, heißt es aus Teilnehmerkreisen. Nun sollen Verhandlungen mit Stadt und Investor aufgenommen werden.

Wolfgang Schmid, der Kaufmännische Geschäftsführer der Alb-Fils-Kliniken, bestätigte gestern Abend ein erstes Gespräch mit Johannes Krauter. Schmid sagte aber, er könne die Pläne „aus heutiger Sicht nicht bewerten“. Er verwies auf das geltende städtebauliche Konzept, wonach auf dem Gelände des Altbaus der neue große Park für Patienten, Besucher und Mitarbeiter entstehen soll. Dieser müsste dann auf der Westseite angelegt werden. Schmid: „Das ist nicht ideal.“ Außerdem fielen bei einem Erhalt des Altbaus die Flächen für eine mögliche spätere Erweiterung der neuen Klinik weg. Andererseits betonte Schmid: „Wenn man den Altbau nicht abreißen müsste, wäre das schon ein Wort. Das muss man jetzt prüfen.“ Für den Abbruch wird derzeit mit Kosten von rund zehn Millionen Euro gerechnet.

Die Wende beim Klinikneubau wirft noch viele Fragen auf.  Für den  Neubau müssen Ausgleichsflächen ausgewiesen werden, die mit Fortbestand der alten Klinik teilweise fehlen würden. Zusätzlicher Wohnraum und ein Hotel würden auch den Parkdruck erheblich verschärfen, die Parkplatzfrage müsste also auch neu bewertet und beantwortet werden.