Porträt Sender zeigt Facetten eines Ortes

Dreh bei den Sportakrobaten vom TSGV Albershausen: Trainerin Tanja de Susa Freitas, SWR-Reporterin Sonja Faber-Schrecklein, Kameramann Andy Enderle und Tontechniker Wolfgang Steiner (von links).
Dreh bei den Sportakrobaten vom TSGV Albershausen: Trainerin Tanja de Susa Freitas, SWR-Reporterin Sonja Faber-Schrecklein, Kameramann Andy Enderle und Tontechniker Wolfgang Steiner (von links). © Foto: WERNER SCHMIDT
Albershausen / WERNER SCHMIDT 03.05.2018

Es war eine doppelte Premiere: Für den SWR ebenso wie für Albershausen. Dort wurde am Montagabend das Ortsporträt gezeigt, das Anfang des Monats das Team von „Landesschau mobil“ gedreht hatte. Präsentiert wurde die 30-minütige Sendung von SWR-Projektleiter Michael Kost.

Es sei bisher noch nie passiert, dass es eine „Preview“ unmittelbar vor der Ausstrahlung der Sendung im Fernsehen gegeben habe, sagte Kost. Denn zuerst konnten die Albershäuser das Porträt über ihren Ort im Festzelt auf dem Krone-Areal am Stück sehen, etwa eine Stunde später konnte die ganze Welt das erste Kapitel im Fernsehen ansehen. Die weiteren Teile folgen am heutigen Mittwochabend, morgen und am Freitag jeweils in der Landesschau.

Bevor aber die Sendung über die eigens aufgestellte Leinwand im Festzelt flimmerte, musste draußen Schwerarbeit geleistet werden: Der Maibaum wurde aufgestellt. Der mit Krone 27 Meter hohe Baum stammt aus dem Gemeindewald und sei eigens vom Förster geschlagen worden, sagte Horst Höfle vom ortsansässigen Gewerbeverein. Mit den Schildern der Gewerke verziert überragte er bald alles, was in der Nähe stand und kündigte Albershausen von weither sichtbar an.

Und in Kombination mit der Maibaumaufstellung sei eine Vorab-Präsentation einer Landesschau-Mobil-Sendung auch für ihn neu, sagte SWR-Moderator Michael Kost, der die Zuschauer im prall gefüllten Festzelt einstimmte. Er lobte Albershausen und die Verwaltung, die dem Fernsehteam um Reporterin Sonja Faber-Schrecklein alle notwendige Unterstützung zukommen ließ: „Man merkt immer schon im Vorfeld, ob die Leute sich mit ihrem Ort identifizieren.“ Und in Albershausen sei man auf offene Türen und Herzen gestoßen. Wichtig sei, dass alle authentisch wahrgenommen werden.

Und damit haben die Albershäuser offenbar kein Problem. Wenn das Ortsporträt auch nicht bei allen 100-prozentige Zustimmung fand.

Für Edmund Maier spiegelt die Sendung den Ort nicht wider. Aber er gibt auch zu: „Ich bin nicht objektiv.“ Für ihn ist das vermittelte Bild von Albershausen nicht stimmig. So gehöre für ihn die Geschichte mit der Mauer da nicht rein.

Die Mauer ist ein Streitfall, den die Verwaltung seit nunmehr rund sieben Jahren mit einem Einwohner führt, weil der die Stützmauer teils auf Gemeindegrund gebaut hat. Längst beschäftigen sich Juristen mit dem Thema, sind Gutachter eingeschaltet und der Fall wird vor Gericht verhandelt.

Ganz anders dagegen Franz Freibichler, der seinen Ort, in dem er schon seit 70 Jahren lebt, durchaus wieder erkannt hat: „Das stimmt alles so!“ stellte er fest. Und für Michaela Müller war es „amüsant, wenn man bekannte Leute auf einmal im Fernsehen sieht“. Man habe den Ort mal aus einer ganz anderen Perspektive kennenlernen können.

Robin Klein dagegen stammt nicht aus Albershausen, sondern kam eigens aus dem zu Ebersbach gehörenden Teilort Roßwälden und lernte einiges über Albershausen: „Was ich nicht wusste, ist, dass ein Vorfahre von Albert Schweitzer von hier stammt. Und dass es einen Bäcker und einen Metzger gibt, die noch alles selbst machen.“

Naja, und das Mauerthema sieht er pragmatisch: „Ist halt ein Ort, wie jeder andere auch.“ Will heißen, es gibt positive Seiten, es gibt negative Seiten – eine bunte Mischung an Charakteren.

Für Gemeinderätin Doris Mayer-Joecks hat das Fernsehen eine ungewöhnliche Anziehungskraft. Zwar seien auch in den Vorjahren viele Menschen zur Maibaum-Aufstellung gekommen. Aber: „So viele kamen sonst nicht. Das Fernsehen hat schon seine Attraktivität.

Rätsel um Tulpe bleibt ungelöst

Das Rätsel um die grüne Tulpe bleibt ungelöst. Selbst das Rechercheteam des Südwestrundfunks musste sich geschlagen geben. Dabei hielten sich Landesschau Mobil-Reporterin Sonja Faber-Schrecklein, Kameramann Andy Enderle und Tontechniker Wolfgang Steiner eine Woche lang in Albershausen auf. Heraus kam dabei ein Porträt des Ortes, der in vier Episoden in der „Landesschau Baden Württemberg“ vorgestellt wird.

Die Frage nach der Herkunft der Tulpe im Wappen war nur ein Aspekt, dem die Fernsehmenschen nachgingen. Warum hat ein Ort mit knapp 4300 Einwohnern fünf Kirchen? Da stellte sich Sonja Faber-Schrecklein die Frage: „Sind die Einwohner etwa besonders fromm?“

Obwohl die Sendung Landesschau Mobil seit 27 Jahren zur Fernsehlandschaft in Baden-Württemberg gehört, ist sie spontan geblieben. Das verleiht ihr Lebendigkeit und Authentizität. Und Sonja Faber-Schrecklein, deren Handschrift die Sendung von Anfang an trägt, schreckt es auch nicht, wenn mal ein Termin platzt: „Dann gehen wir jetzt in den Ort und interviewen Leute!“ Und die Leute wissen auch nicht, dass jetzt das Fernsehen kommt.

Wer wusste, dass Albershausen mehr oder weniger mit dem Urwald-Arzt Albert Schweitzer verbunden ist? Das Fernsehteam ging der Frage nach: „Wissen die Einwohner von Albershausen, welche gemeinsame Vergangenheit ihr Ort mit diesem Arzt und Theologen, der 1913 im zentralafrikanischen Staat Gabun das Urwaldkrankenhaus „Lambarene“ gründete, aufweist?“

Um es vorweg zu nehmen: Der Urgroßvater mütterlicherseits stammt aus Albershausen. Der letzte Nachfahr dieser Linie sei vor zehn oder 15 Jahren verstorben, sagte der Albershauser Bürgermeister Jochen Bidlingmaier. Der es als „Ehre für den Ort“ bezeichnete, dass sich das Fernsehen derart intensiv mit der Gemeinde befasste. Die Bewohner von Albershausen seien stolz auf die Tatsache, dass Albert Schweitzer indirekt Kind ihres Ortes sei. Mit der Albert-Schweitzer-Schule haben sie ihm ein Denkmal gesetzt. Für das Fernsehteam war es dann interessant, in den Interviews mit Schülern zu erfahren, wie diese sich über Albert Schweitzer identifizierten.

Team dreht lieber in Orten

Für ihn selbst habe der Besuch des Fernsehteams auch etwas bewirkt: „Man hat sich einmal mehr in die Chronik vertieft“, sagte Bidlingmaier. Und er habe festgestellt, dass die von außen kommenden Fernsehleute auch einen anderen Blickwinkel mitbringen.

So hätte ihn persönlich weniger die Frage nach der Herkunft der Tulpe im Wappen interessiert, als vielmehr der Buchstabe, der über der Tulpe steht. Es ist ein A wie Albershausen. Aber ein Buchstabe im Wappen sei in der Heraldik ausgesprochen selten: „Ich glaube, Albershausen ist sogar der einzige Ort in Baden-Württemberg, in dessen Wappen ein Buchstabe vorhanden ist.“ Naja, und dann wäre es ihm lieber gewesen, wenn das Team vielleicht erst nächstes Jahr gekommen wäre, wenn dann die Ortsmitte gestaltet ist.

Aber darauf hat ein Ort keinen Einfluss, denn die Wahl der Gemeinden, die porträtiert werden, trifft ein Redaktionsteam. Das versuche Orte in möglichst unterschiedlichen Regionen zu finden und dadurch auch Abwechslung in die Sendereihe zu bringen, sagte Sonja Faber-Schrecklein. Das TV-Team mag dabei lieber Ortschaften als Städte. In den kleinen Gemeinden seien die Menschen aufgeschlossener als in der größeren Anonymität der Städte, stellte Kameramann Andy Enderle im Verlauf seiner Arbeit fest.

Doch die Menschen schätzen „Landesschau Mobil“, denn es stelle Land und Leute vor, sagt Sonja Faber-Schrecklein, die als gebürtige Esslingerin aus ihrem Dialekt kein Geheimnis macht. Und auch nach 27 Jahre hat sie noch Spaß an der Begegnung mit den Menschen und ist erkennbar nicht nur beruflich neugierig auf das Neue und Unbekannte, sondern auch persönlich.

Daher ist der Besuch des Fernsehteams beim Training der Sport­akrobaten des TSGV Albershausen eine Visite nicht nur bei Deutschen Meistern, sondern auch bei Weltmeistern. Zirkusreif – bloß ohne Manege – sieht das Training der etwa 50 anwesenden Sportler aus. Von ganz jung bis Jungerwachsen gestaltet sich die Palette der Akrobaten, die ihre Körper so verbiegen können, dass dem unsportlichen Zuschauer allein vom Hinsehen die Bandscheibe rausspringt.

Reporterin Sonja Faber-Schrecklein ist immer wieder erstaunt, wie viele Geschichten und wie viel Geschichte in einem doch recht kleinen Ort wie Albershausen verborgen sind und darauf warten, entdeckt zu werden.

Das Ortsporträt im Fernsehen

Sendetermine Der SWR
Baden-Württemberg strahlt die einzelnen Episoden bis zum 4. Mai jeweils in der „Landesschau Baden-Württemberg“ in der Zeit von 18.45 Uhr bis 19.30 Uhr aus. Am 5. Mai wird der Beitrag noch einmal von 18.15 bis 18.45 Uhr im SWR gezeigt. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter swr.de/landesschau-bw/landesschau-mobil.