Tradition Seitendorfer: Geschichte mit in die Zukunft nehmen

Traditionelle Tänze waren Teil des Treffens.
Traditionelle Tänze waren Teil des Treffens. © Foto: patricia moser
Patricia Moser 19.06.2017
Die Seitendorfer feierten das 36. Heimattreffen und 55 Jahre Patenschaft mit der Stadt Süßen.

Die Feier des Heimatvereins auf dem Marienplatz in Süßen und der festliche Gottesdienst in der Marienkirche wurden optisch bereichert durch die schönen, farbenprächtigen Trachten der Seitendorfer. Die Damen bestachen mit ihren Spitzenhäubchen auf dem Kopf, den glänzenden Schürzen und den gestrickten Strümpfen, genauso wie die Herren in ihrer uniform-artigen Tracht mit Dreispitz-Hut. Auch bei tropischer Hitze legten sie keine Jacke ab. Die Organisatorin Rosemarie Schenk führte umsichtig durch das ganze Fest in ihrer Funktion als Gemeindebetreuerin der Seitendorfer und bekam viel Lob. „Ich komme gerne zu den Seitendorfer Heimattreffen“, so bekannte Bürgermeister und „Patenonkel“ Marc Kersting. Diana Kersting, seine Tochter, ist mit ihren elf Jahren, das derzeit jüngste Mitglied im Seitendorfer Heimatverein und war für die Betreuung der Ehrengäste verantwortlich.

Ein flammendes Plädoyer für Europa gab es von allen Festrednern. Bürgermeister Kersting erinnerte an die Wirtschaftswunderzeit in den 50er und 60er Jahren. Flucht und Vertreibung nach 1945 führten hin zu einer konstanten Zeit des Friedens. Der 42-jährige Raimund Haser, Landtagsabgeordneter der CDU und Mitglied der Vertriebenen im Bund und im Bundesvorstand, sprach von einem Übergang der Erlebnisgeneration hin zur Erkenntnisgeneration. Hier sprach er den Anwesenden aus den Herzen. Was sie zusammenführt, ist das Tragen ihres Erbes und die Verwurzelung mit der Heimat.

Gespräche der Seitendorfer beinhalteten Erinnerungen von damals, hatten aber auch den Blick in der Gegenwart. Offensichtlich war der Stolz auf das Kuhländchen, das im 13. Jahrhundert durch die böhmischen Könige besiedelt wurde. Sie lebten mit slowenischen und tschechischen Völkern zusammen. Professor Ulf Brossmann war es wichtig zum Ausdruck zu bringen, dass das Kuhländchen ein schöner Landstrich ist. Im Nordosten des heutigen Tschechiens weist das Kuhländchen Orte auf, aus denen viele Gäste stammen. Neutitschein, Odrau, Fulnek, Patschendorf und Seitendorf, sind nur einige davon. Für die Seitendorfer, so wird an ihrem traditionellen Treffen deutlich, bedeutet die alte Heimat nicht nur Vertreibung und damit verbundenes Leid. Vielmehr wird festgehalten an Geschichte und Werten ihrer Herkunft.

Von Sylt bis München war die Gästeschar gekommen und auch aus Wien. Im Vorfeld des 36. Seitendorfer Heimattreffens haben sich die vier Tanzpaare, die am Nachmittag Kuhländler Tänze zeigten, in Augsburg zum Üben getroffen. Ein Mundartgedicht trug Josef Medek vor und Liebeslieder aus dem Kuhländchen gab es vom Ehepaar Lippert.

„Die Heimatvertriebenen erzählen die Geschichte weiter ohne Ressentiments“, so Heribert Rech, Innenminister a.D., in seinen Festworten. Auch seine Familiengeschichte beinhaltet Flucht und Vertreibung seitens seiner Eltern. Dass diese Geschichte noch lange nicht „nur Geschichte“ ist, betonten auch die Worte vom Jungpolitiker Simon Weißenfels aus Süßen, Jahrgang 1987. Seine Großmutter war Seitendorferin. Auch er ist sich bewusst, wie wichtig Geschichte für die Zukunft ist.

Die Reden wurden durch ein unterhaltsames Musikprogramm der Jugendkapelle Süßen unterstrichen.