Verkehr  Schwieriges Pflaster in Heiningen

Hier kommt nur einer durch: Engstelle in der Heininger Mörikestraße. Die Vorfahrtsregelung an der folgenden Einmündung kann Komplikationen auslösen.  
Hier kommt nur einer durch: Engstelle in der Heininger Mörikestraße. Die Vorfahrtsregelung an der folgenden Einmündung kann Komplikationen auslösen.   © Foto: Inge Czemmel
Inge Czemmel 12.02.2019

Die Mörikestraße in Heiningen hat es in sich. Auf beiden Seiten gibt es jede Menge Sackgassenstiche und auch einige Straßeneinmündungen. Allen gemein ist die Vorfahrtsregelung „rechts vor links“. Darauf verlassen sich die Anwohner der Stichstraßen schon lange nicht mehr, denn kaum einer nimmt dort den Fuß vom Gas. Auch dass es aus dem neuen Wohngebiet Breite III kommend – mittlerweile auch schon etwa fünf Jahre – die Clara-Schumann-Straße und den Karl-May-Weg gibt, haben manche Verkehrsteilnehmer geistig noch nicht verinnerlicht. Zum Glück sind die Bewohner des Gebietes entsprechend vorsichtig.

Ein häufiges Problem an den Einmündungen ist zudem, dass häufig von allen drei Seiten ein Fahrzeug kommt und die „Rechts-vor-links-Regel“ ad absurdum führt. Da helfen dann nur Vernunft, Zeichen geben und darauf hoffen, dass sie auch so gemeint sind, wie man sie interpretiert.

Eine ganz neuralgische Stelle ist die Einmündung der Schubartstraße in die Mörikestraße. Eigentlich hat der Linksabbieger aus der Schubartstraße nach der „Rechts-vor-links-Regel“ Vorfahrt. Da der Mörikestraße aber just an dieser Stelle eine Verengung verpasst wurde, kann der Linksabbieger nicht abbiegen, weil er am in der Engstelle stehenden Fahrzeug in der Mörikestraße gar nicht vorbeipasst. Der Fahrer dieses Fahrzeuges kann aber die Schubartstraße erst einsehen, wenn er sozusagen „schon drin“ ist. Er müsste nun also zurücksetzen und etwa 20 Meter rückwärtsfahren, um die Vorfahrt zu gewähren. Dies verhindern jedoch meist nachfolgende Fahrzeuge. An dieser Stelle ist also einmal mehr der gesunde Menschenverstand gefragt. Nur ganz Bockige bestehen auf ihrer Vorfahrt. Die meisten winken großzügig durch.

Dass in der Mörikestraße Verengungen und an der Straße parkende Autos dafür sorgen, dass häufig keine zwei Autos aneinander vorbei kommen, bringt viele Auto-, aber auch Busfahrer auf die Idee, ganz ohne Skrupel den Gehweg mitzubenutzen. Die relativ niederen Randsteine machen es möglich. An Abfuhrtagen ist der Mülleimer ein Gegenmittel, an anderen sollten Kinder und Katzen lieber nicht vors Haus geschickt werden.

Viele Problempunkte also an einer Straße, die sich weit durch Heiningen zieht. Sie schlägt den Bogen von der Ortsdurchfahrt bis zum Ortsausgang Richtung Bezgenriet. Die Verkehrsschau-Kommission des Landkreises hat sich die Situation im westlichen, breiteren Straßenteil angeschaut. Bürgermeister Norbert Aufrecht schildert drastisch, wie es dort mit rechts vor links aussieht: „Ich könnte schon das fünfte Auto haben.“ Gemeinderätin Claudia Schlürmann (Frauenliste), die auch Anwohnerin ist, kann nur bestätigen: „Ab dem Feuerwehrhaus geben die Autofahrer Gas, wenn frei ist.“

In der Mörikestraße gilt Tempo 30. Das mag im hinteren Teil, der zur Bezgenrieter Straße führt, kein Problem sein. Man kann dort schwerlich schneller fahren. Im vorderen Teil, von der Hauptstraße bis zum Feuerwehrhaus, aber schon. Trotzdem: Die Überschreitungen halten sich in Grenzen. Bürgermeister Norbert Aufrecht gab im Gemeinderat das Ergebnis von Messungen bekannt: 85 Prozent der Autofahrer fahren nicht schneller als 33 km/h. Von den Verkehrsexperten hört er: „Das ist eine ganz normale Situation.“ Aber die Verkehrsschau-Kommission habe auch das Neubaugebiet Breite III, den Spielplatz und Bushaltestellen bedacht. Ein Schild „Achtung Kinder“ soll kommen, auf die Straße wird eine 30 er-Markierung gemalt.

Mit einem Zebrastreifen wird es dagegen nichts. Grund. Es gibt keine geeignete Stelle dafür, resümiert der Schultes, „keine zentrale gute Stelle“. Die Leute gehen dort über die Straße, wo es ihnen geschickt ist.

Aber jetzt steht das Stichwort Tempobremsen im Raum. Die Verkehrsschau habe empfohlen, an Einengungen zu denken, wenn man die Straße mal saniere. Stichwort: Fahrbahnmarkierungen. Aufrecht sieht’s als Steilvorlage. „Ob man nicht gleich Kübel nimmt.“ „Wir machen uns Gedanken“, sagt er. Claudia Schlürmann findet das eine gute Idee. „Probieren wir die Verschwenkung, testen wir sie, dann wissen wir’s, wenn wir sanieren.“

 

Haltelinien nicht überall ein Rezept

Haltelinien Um die Vorfahrt rechts vor links zu verdeutlichen, könnte man ja an den Einmündungen Linien auf die Straßen malen. So dachte man in Heiningen, und Gemeinderat Frank Sterlike (Bürgerliste) hat das extra nochmal vorgeschlagen. Bürgermeister Norbert Aufrecht bedauert. Das dürfe man nicht machen, sagten die Verkehrsexperten. Solche Linien hätten rechtlich eine andere Bedeutung.

Unverständnis Für den Schultes ist das unverständlich. „Ich kenne das von Göppingen.“ Aber: Die Kreisstadt genehmige sich das selber, sie darf das. In Heiningen ist das Straßenverkehrsamt des Kreises zuständig. Aufrecht nimmt diese Behörde in Schutz: „Unser Straßenverkehrsamt handelt konsequent. Eigentlich sollen’s alle so machen.“

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