Wäschenbeuren / WERNER SCHMIDT Es hatte alles, was man zu einer düster-humoresken Vorstellung braucht. Den ganz in schwarz vermummten Henker, den Pranger, Burg Wäscherschloss sowie Autor Jürgen M. Brandtner und Vorleserin Anna Baum.

Innerhalb der Veranstaltungsreihe Sommer der Ver-Führungen hatte Rüdiger Wolff vom Manuela-Kinzel-Verlag die Veranstaltung rund ums Wäscherschloss bei Wäschenbeuren organisiert. "Im vergangenen Jahr haben wir sie auf dem Hohenstaufen veranstaltet", sagte Wolff. Zum Ende der Veranstaltung sei ein Leichenwagen mitsamt Sarg vorgefahren. Das war dieses Mal nicht der Fall, aber die mittelalterliche Aufmachung der alten Burg mitsamt Rittern, Wachen und Henker verbreiteten ein Gänsehautgefühl. Es fehlte allerdings das unheimliche Kettengerassel des Schlossgespenstes, um die Erinnerung an das "Gespenst von Canterville" zu vervollständigen.

Auf dem Weg durch den Ort rund ums Schloss hatten sich die Organisatoren immer wieder Plätze ausgesucht, an denen sie, unterlegt mit teils erfundenen und teils wahren Geschichten von Jürgen M. Brandtner, Limericks präsentierten. Oder auch nur einen makaberen Witz.

"Schwarzer Humor", der sich überspitzt und überzogen mit gesellschaftlichen Tabuthemen, vorwiegend Tod und Krankheiten, aber auch Behinderten befasst, wird vorwiegend den Briten zugeschrieben. Allerdings, das versprach der Autor, werde der dargebrachte Humor des Abends "schwärzer als der englische". Aber was macht "Schwarzen Humor" aus? Brandtner zitierte den Grandseigneur des deutschsprachigen "Schwarzen Humors", den Liedermacher Georg Kreisler aus Österreich: "Man nehme ein schlimmes Ereignis und übertreibe es bis es seinen Schrecken verliert." Kreisler machte dies in seinem Makaber-Chanson "Gehn wir Tauben vergiften im Park" virtuos vor.

Und Brandtner, dessen Gedichte im Manuela-Kinzel-Verlag unter dem Titel "Meine Tante im Keller" erschienen sind, machte es ihm nach. Zum Beispiel am Wasserturm, wo erst ein Lindwurm unter Ahorn verschwunden sei und sich letztlich als Regenwurm entpuppte und sich eine schwarzhumorig erotische Geschichte ereignete - die der beiden Königskinder. "Es steht mit einer schwachen Funzel auf hohem Turm Jungfrau Rapunzel. Da naht sich Jeppe. Wilder Zecher. Noch wilderer Rapunzelstecher . . . Rapunzel, lass dein Haar herunter. Diese schreit zurück zum wilden Jeppe: Das sind Extensions - nimm die Treppe." Das Problem bei der Geschichte ist: Der Turm hat keine Tür. Was Jeppe veranlasst, ihn mit der Abrissbirne zu attackieren. Der Turm stürzt zusammen und Rapunzel fällt tot vor seine Füße. Auf diese Weise gibt's gleich noch einen kurzweiligen Rundgang durch das Dorf, der im Schloss endet, wo Vorleserin Anna Baum erst in den Pranger und Jürgen M. Brandtners Kopf auf den Richtblock kommen.

Für den Organisator Rüdiger Wolff ist der "Schwarze Humor" beim Sommer der Ver-Führungen der Versuch, einen anderen Aspekt in diese Veranstaltungsreihe zu bringen. "Den Schwarzen Humor findet man ja sonst nicht beim Sommer der Ver-Führungen", stellte er fest.

Und die Teilnehmer am Rundgang goutierten es. Ein gutes Dutzend war gekommen. Joachim Sing aus Süßen jedenfalls nutzte die Chance, um auch interessanten Menschen zu begegnen. Er fand es gut, dass dieser Programmpunkt während des Sommers der Ver-Führungen zu einem "relativ geringen Obolus" stattfand. Angelockt habe ihn der Titel und in Brandtner habe er einen "Meister des Schwarzen Humors" während der Veranstaltung kennengelernt.

Aus Uhingen war Ingrid Olbert gekommen und gestand: "Ich mag Schwarzen Humor. Aber nicht jeden Tag."