Kreis Göppingen Schurwaldgemeinden: Zufrieden mit Stromnetz

Etwa 132.000 Euro Überschuss erzielte die Stromnetzgesellschaft Östlicher Schurwald im vergangenen Jahr. Die Rendite für die fünf Gemeinden sowie die ENBW liegt bei knapp unter fünf Prozent.
Etwa 132.000 Euro Überschuss erzielte die Stromnetzgesellschaft Östlicher Schurwald im vergangenen Jahr. Die Rendite für die fünf Gemeinden sowie die ENBW liegt bei knapp unter fünf Prozent. © Foto: Wolfgang Rupp
Kreis Göppingen / MICHAEL SCHORN 11.09.2015
Vor rund zwei Jahren haben fünf Schurwaldgemeinden das Stromnetz von der ENBW zu 74,9 Prozent zurückgekauft und eine Stromnetzgesellschaft gegründet. Bislang wurde jedes Jahr ein Überschuss erzielt.

Die Schurwaldkommunen Adelberg, Birenbach, Börtlingen, Rechberghausen und Wäschenbeuren haben vor etwa zwei Jahren eine gemeinsame Stromnetzgesellschaft gegründet und das Stromnetz auf dem Gebiet der fünf Ortschaften zu insgesamt 74,9 Prozent von dem Energieversorger ENBW zurückgekauft. Die ENBW ist an der damals neugegründeten Stromnetzgesellschaft weiterhin Minderheitsgesellschafter mit 25,1 Prozent.

Das Stromnetz in den fünf Kommunen wurde zum damaligen Zeitpunkt laut Gutachten mit 2,9 Millionen Euro bewertet. Die einzelnen Ortschaften nahmen teilweise Kredite auf, um den Rückkauf zu finanzieren. Größter Anteilseigner in diesem Gesellschaftskonstrukt ist aktuell mit 26,53 Prozent Rechberghausen, eine Sonderrolle nimmt Adelberg ein. Die 2000-Seelen-Gemeinde ist wegen der angespannten kommunalen Finanzlage bislang nur mit 0,01 Prozent beteiligt, hat aber noch die Option, zu einem späteren Zeitpunkt einen größeren Prozentanteil an der Stromnetzgesellschaft von den übrigen Kommunen zu erwerben. Damals war übrigens mit Renditen von 5,5 bis 7,5 Prozent gerechnet worden.

Rund zwei Jahre später meint der Wäschenbeurer Bürgermeister Karl Vesenmaier, der Vorsitzender des Aufsichtsrats der Stromnetzgesellschaft Östlicher Schurwald ist: "Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis. Ich bin überzeugt, wenn man heute die beteiligten Gemeinden noch einmal fragen würde, wären alle wieder mit im Boot."

Im Jahr 2013 erzielte die Stromnetzgesellschaft Östlicher Schurwald einen Überschuss von rund 142.000 Euro und im vergangenen Jahr einen Überschuss von etwa 132.000 Euro. Damit liegt die Rendite für die insgesamt sechs Anteilseigner an der Stromnetzgesellschaft knapp unter fünf Prozent, berichtet Karl Vesenmaier, was unter anderem damit zusammenhänge, dass die Zinsen in der vergangenen Zeit noch weiter gesunken seien und daher die Bundesnetzagentur regulierend eingreife.

"Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Beteiligung der Kommunen an den örtlichen Stromnetzen eine lohnende Investition", ist der Wäschenbeurer Bürgermeister Vesenmaier nach wie vor überzeugt und fügt noch hinzu: "Und für die kommenden Jahre bin ich auch guter Dinge."

Wenn die Stromkonzessionen in den Schurwaldgemeinden in knapp 18 Jahren neu vergeben werden müssen, glaubt Vesenmaier: "Ich denke, das bis dahin eingesetzte Kapital wird sich bis dahin amortisiert haben." Denn: "Strom und ein Leitungsnetz werden immer gebraucht." Zudem sei positiv, so der Wäschenbeurer Rathaus-Chef, dass durch die Gründung der Stromnetzgesellschaft die kommunale Zusammenarbeit in der Raumschaft gestärkt worden sei.

Die Stromnetzgesellschaft

Anteile: Die Schurwaldgemeinde Adelberg hält derzeit einen Anteil von lediglich 0,01 Prozent an der Stromnetzgesellschaft Östlicher Schurwald, Birenbach einen Anteil von 11,38 Prozent, Börtlingen 14,57 Prozent, Rechberghausen 26,53 Prozent und Wäschenbeuren einen Anteil von 22,41 Prozent. Der Energieversorger ENBW hält weiterhin einen Anteil von 25,1 Prozent an der Stromnetzgesellschaft Östlicher Schurwald.

Ein Kommentar von Michael Schorn: Engagement hat sich ausgezahlt

Fünf Schurwaldkommunen - nämlich Adelberg, Birenbach, Börtlingen, Rechberghausen und Wäschenbeuren - haben vor zwei Jahren einen Großteil des Stromnetzes auf ihren Gemarkungen von dem Energieversorger ENBW zurückgekauft. Vorausgegangen waren mehr als zwei Jahre Vorbereitungszeit.

Gut Ding will eben Weile haben. Die lange Vorlaufzeit, die für die Beteiligten mit viel Arbeit verbunden war, hat sich für die Kommunen ausgezahlt. Zumindest hat die Stromnetzgesellschaft Östlicher Schurwald in den ersten beiden Jahren ihres Bestehens recht ansehnliche Überschüsse erzielt, die zurück in die Gemeindekasse fließen. Warum großen Energieversorgern den Gewinn überlassen, wenn die Kommunen ihn auch selber einfahren können, werden sich die Entscheidungsträger damals wohl gedacht haben. Sie haben damit Recht behalten.

Neben dem bisherigen finanziellen Erfolg der Schurwald-Stromnetzgesellschaft zeigt sich aber auch: nur gemeinsam sind kleinere Ortschaften stark. Ohne den Zusammenschluss von mehreren Kommunen hätte die Gründung einer Stromnetzgesellschaft nur schwer oder gar nicht realisiert werden können. Denn diese war damals ein Kraftakt, verbunden mit einem hohem Engagement der handelnden Personen. Vor allem dann, wenn die Gemeindekassen wieder leerer werden, werden sich nicht nur Kämmerer und Bürgermeister über diese zusätzlichen Einnahmen freuen.

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