Porträt Schulleiterin mit Power und Ideen

Das gemeinsame Lernen liegt ihr am Herzen: Schulleiterin Claudia Leber fördert an ihrer Schule auch Projekte, die von sich reden machen.
Das gemeinsame Lernen liegt ihr am Herzen: Schulleiterin Claudia Leber fördert an ihrer Schule auch Projekte, die von sich reden machen. © Foto: Sabine Ackermann
Uhingen / Sabine Ackermann 12.05.2018

Direkt nach dem Abitur am Göppinger Freihof-Gymnasium zog Claudia Leber von zu Hause aus und ging als Au-Pair für ein Dreivierteljahr nach Paris. Und das Verrückte daran, auch wenn sie unbedingt „raus dem Mief, raus aus dem kleinen Göppingen wollte“, plagte sie dennoch furchtbares Heimweh. „Das sind so die Gegenpole“, stellt sie lachend fest, „für mich war diese Zeit teilweise schon hart, damals gab es ja noch keine Möglichkeit, täglich zu telefonieren“.

Schon nach wenigen Sätzen mit der Schulleiterin der Hieber-Gemeinschaftsschule wird einem klar, sie ist erfrischend ehrlich, humorvoll und irgendwie auch tiefenentspannt. Gibt einem ein gutes Gefühl bei der Fragestellung, nimmt sich Zeit und macht ihrem Namen alle Ehre – berichtet aus ihrem Leben wortwörtlich „frei von der Leber weg“. Im Rückblick sei ihr Auslands-Aufenthalt bei einer alleinerziehenden Mutter eine ganz wichtige Erfahrung gewesen, verrät sie, so konnte sie sich als 19-Jährige etwas bei ihr abschauen: Denn auch Claudia Leber zog knapp zehn Jahre später ihre Kinder Laura (23) und Max (22) alleine groß.

Wieder zurück in der Heimat, entschied sie sich trotz der schulischen Leistungskurse in Deutsch und Französisch für ein Studium in Mathematik, Biologie und Kunst. „Ich glaube, ich bin einfach so eine klassische Allrounderin, vieles fiel mir leicht“, verrät die 51-Jährige und schiebt nach: „Ja, man kann alles ganz gut, aber brennt für etwas nicht ganz so leidenschaftlich. In jungen Jahren wäre ich gerne eine Künstlerin gewesen. Doch mittlerweile brenne ich längst für die Schule.“

Trotzdem sieht sie ihren pädagogischen Berufsweg eher als zufällig, denn Lehrerin stand anfangs nicht auf der Wunschliste. Mit leuchtenden Augen erinnert sie sich an das „International Festival of Creativity“ aus Cannes, dort wurden bereits während ihres Frankreich-Aufenthalts die tollsten Werbefilme gekürt, die sogar im kommunalen Kino in Eislingen liefen und vor allem junge Menschen anzogen. Zu jener Zeit wollte Claudia Leber Werbewirtschaft studieren, unbedingt etwas Kreatives machen. Doch nach Paris hätte sie dafür ein Wartesemester gebraucht, also nahm sie pragmatisch das Angebot ihres Patenonkels an, zu ihm zu kommen – er war Seminarschulleiter an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Bereut habe sie diesen Weg nie, ganz im Gegenteil: „Diese Entscheidung machte mich auch ein Stück weit stark. Ich bin niemand, der hadert oder sehr viel zurückschaut“, betont die Schulleiterin, ergänzt lachend: „Dafür ist mir meine Zeit zu schade“. Sie versuche stets aus den Dingen, die ihr das Leben vorgibt, das Beste daraus zu machen und sich anzupassen.

Claudia Leber absolvierte dort ihr Studium, engagierte sich aber eine Zeitlang – wie sie lachend zugibt – lieber im Büro des Allgemeinen Studentenausschusses Asta, als in den Vorlesungen oder Seminaren, was sie am Ende zwei Semester mehr kostete. Das lag mit daran, dass sie in der Studentenvertretung auf Leute traf, die mit ihr auf einer Wellenlänge lagen. Doch als Macherin, Leitwölfin, sieht sie sich nicht: „Ich bin eher eine Mitmacherin“, betont die zweifache Mutter aus Göppingen und unterstreicht damit ihre Freude, gemeinsam im Team zu arbeiten: Noch immer hält sie den Kontakt zum „harten Kern“ der Studentenbewegung.

Auf eigenen Wunsch führte sie ihr Praktikum an eine sogenannte Brennpunktschule im Stuttgarter Westen, gleich an ihrem ersten Tag machte sie Bekanntschaft mit der Polizei. Anschließend folgte ein anderthalbjähriges Referendariat an der Walther-Hensel-Schule in Göppingen. „Das war ein Lehrstück für mich“, berichtet Claudia Leber über die Zeit, als Klaus Bühler damals noch als Konrektor aufgrund der Krankheit des Schulleiters quasi ad hoc dessen Stelle übernehmen musste. Einige Jahre später befand sich die Pädagogin nach dem plötzlichen Tod des Schulleiters Uwe Schwalm im April 2013 an der Uhinger Hieberschule in der gleichen Situation.

„Klaus Bühler war nicht nur mein Mathe-Mentor, er war darüber hinaus ein Vorbild und genau richtig für mich, er hat mich stets machen lassen“, berichtet sie von jener Zeit, die sie sehr geprägt habe. „In meinem Leben habe ich immer wieder für mich festgestellt, dass ich mich gut entwickle, wenn ich Freiraum habe und mich machen lässt“. Obwohl manche Kollegen ihr Engagement in jungen Jahren misstrauisch beäugt haben, sei sie zum Glück auch auf Leute getroffen, die ihr vieles zugetraut hätten, verrät die Schulleiterin, die nach dem zweiten Staatsexamen ihre erste Lehrerstelle an der Johann-Georg-Fischer-Grundschule in Süßen antrat.

„Schon bei meiner Vereidigung wussten die meisten, dass ich schwanger war“, erinnert sich Claudia Leber. Nach ihrer vierjährigen Elternzeit unterrichtete sie ab Schuljahresbeginn 1999 an der Albert-Schweitzer-Schule in Albershausen, wechselte von dort 2012 als Konrektorin an die Hieberschule und setzte sich zwei Jahre später auch als Schulleiterin mit aller Kraft für das „Miteinander Lernen“ ein, etablierte mit Unterstützung der Lehrkräfte die Gemeinschaftsschule in Uhingen.

Unter ihrer Leitung machte die Bildungseinrichtung mit spannenden Projekten und Aktionen auf sich aufmerksam. Unter anderem mit „Zirkus macht Schule“, dem Musical „Mio“, mit Toleranzwochen, einem Praxistest der Barrierefreiheit in der Stadt oder der „Roten Karte“ für Hassreden. Eine neue und aus Claudia Lebers Sicht die wichtigste Leitperspektive nach dem neuen Bildungsplan ist die „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, berichtet die parteilose Schulleiterin. Kraft für all ihre Aufgaben schöpft sie aus Yoga oder einer großen Runde mit ihrem Golden Retriever Peaches.

Porträtreihe über starke Frauen im Landkreis

Jubiläum Der Landkreis Göppingen feiert seinen 80. Geburtstag, zudem wird das  Frauenwahlrecht 100 Jahre alt. Die NWZ veröffentlicht aus diesem Anlass die  Porträtreihe „ Starke  Frauen“, die im Landkreis als „Heldinnen des Alltags“ oft im Verborgenen Großartiges leisten. Ob die Pflege von Angehörigen, herausragende Leistungen als Unternehmerin, Künstlerin, Politikerin und Sportlerin oder unermüdliches Engagement im Ehrenamt – die Serie soll  Frauen und ihre Arbeit zeigen. Bisher wurden in dieser Serie Ilse Birzele, Barbara Küpper, Susanne Weißkopf, Caroline Märklin, Lena Urbaniak, Claudia A. Schlürmann, Angeline Fischer, Margret Hofheinz-Döring, Marga Lorch, Renate Mutschler, Birgit Göser, Gabriele  von  Trauchburg und Helene Mühlhäuser vorgestellt.

Kooperation Die Serie „ Starke  Frauen“ erscheint in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, Lidwine Reustle, dem Kreis frauenrat und der Geislinger Zeitung. Die  Frauen-Porträts begleiten das ganze Jubiläumsjahr 2018.