Aktion Schüler löchern prominente Vorleser mit vielen Fragen

Eislingen / Von Axel Raisch 17.11.2017
Zehn Persönlichkeiten lasen an der  Eislinger Silcherschule auch in diesem Jahr im Rahmen des von der Wochenzeitung „Die Zeit“, der Stiftung Lesen sowie der Bahn ausgerufenen bundesweiten Vorlesetages.

Die Grund- und Werkrealschule im Eislinger Süden beeindruckte auch dieses Jahr mit einer beachtlichen Auswahl an Lokalprominenz. Die Vorleser seien bereits vor den Sommerferien eingeladen worden, weshalb anderen Veranstaltern im Kreis nur noch ein neidvoller Blick nach Eislingen geblieben sei, sagte Schulleiter Andreas Janositz nicht ohne Stolz. Wichtig war dem Rektor, dass er in jede Klasse, von 1 bis 10, Lesebotschafter entsenden konnte. Dazu wurde die dritte und vierte Stunde an diesem Freitagvormittag genutzt.

„Lesen ist Kulturgut“, betonte Janositz zur Begrüßung. Allen technischen Entwicklungen zum Trotz habe das Lesen nicht an Faszination verloren. Gerade in heutiger, hektischer Zeit könne der Griff zum Buch der vielzitierten Entschleunigung dienen. Eltern empfahl er daher, sich die Zeit für Gute-Nacht-Geschichten zu nehmen. „Die Phantasie der Kinder anzuregen, ist wichtig!“ Auch der Unterstützung dieses Ansinnens solle der Tag dienen. „Es wird persönlich vermittelt, was die Welt des Lesens ist“, so Janositz. Und dies machten alle Lesebotschafter eindrucksvoll, unterhaltsam und individuell deutlich.

Nichts weniger als „eine Weltpremiere“ hatte der Göppinger Schauspieler Wolfgang Klein den Schülern der Klassen 1 versprochen. Zusammen mit der Böblinger Autorin Angela Schienle las er aus deren brandneuem, noch nicht veröffentlichten Buch „Jakobs Nase“. Erst vor zwei Wochen habe er das Hörbuch zum Titel eingesprochen, erzählte Klein. Neben gelesenen Passagen unterhielt er sich in den Klassen mit der Autorin auch über Bücher, das Schreiben und das Lesen.

Lesen, vorlesen und zuhören sei wichtig, betonte der Landtags­abgeordnete Peter Hofelich, der zusammen mit seinem Pressereferenten David Stellmacher in die Klasse 2b von Lehrerin Andrea Hettich gekommen war. Bevor er zum Buch griff, gewährte er Einblick in seinen Lebenslauf, plauderte über Erlebnisse und verriet, dass Lesen sein Lieblingsfach gewesen sei. So gewann er die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Klasse. Die Schüler waren begeistert, hatten eine wahre Flut von Fragen und keinerlei Scheu. Bist Du ein Star? Kommst Du im Fernsehen?

Damit das Lesen nicht zu kurz kam, sagte Hofelich einen weiteren Besuch in der Klasse zu. Nicht ohne vorher auch noch eine vertrauensbildende Frage gestellt zu haben.  Und in welchem Fach war ich nicht so gut (Kunst), was denkt ihr? Ausgerechnet „Schwäbisch“ vermutete ein Schüler der Klasse, deren Wurzeln in aller Herren Länder liegen. Klar wurde dies angesichts der brennendsten Fragen, die die Schüler an Hofelich richteten: Sprichst Du rumänisch, albanisch, türkisch, spanisch, russisch, kurdisch? Und dann erzählte Hofelich doch noch eine kurze Geschichte aus der weiten Welt, von einer sechswöchigen Fahrt nach Afghanistan mit einem VW-Bus, die er als 18-Jähriger unternommen hatte. Gepasst hätte nun auch „Durchs wilde Kurdistan“. Peter Hofelich las aber aus „Die Musketiere“ von Ute Krause, einer kindgerechten Adaption mit Mäusen, Ratten und Goldhamster. Es war auch Zeit geworden, wie Hofelichs junger Nebensitzer Verlind unmissverständlich deutlich machte: „Jetzt müssen wir aber weiterkommen.“

Tintenherz und Momo

Polizeipräsident Thomas Mürder hatte das Buch „Der Aufbruch“ aus der Reihe „Das wilde Pack“ mitgebracht. „Das Buch über das Lesen“ sagte der Landtagsabgeordnete Alexander Maier über sein Lesebuch („Tintenherz“ von Cornelia Funke), bevor er sich von Schülern in deren Klassenzimmer führen lies. Aus einem Klassiker las Eislingens Oberbürgermeister Klaus Heininger: „Momo“ von Michael Ende. Denselben Autor hatte die Leiterin der Eislinger Stadtbücherei, Isabel Gunzenhauser, mit einem anderen Titel („Wunschpunsch“) unterm Arm. Auf die Suche nach dem Glück nahm Pfarrerin Kerstin Hackius die Schüler mit Francois Lelords Buch „Hectors Reise“ mit. Die Sachgebietsleiterin Bildung und Betreuung der Stadt Eislingen, Petra Grus las – abhänging vom Alter der Schüler – „Die Insel der 1000 Gefahren“ von Edward Packard und „Die Zaubermaus im Klassenzimmer“ von Gunter Preuß. Die Kabarettistin Heike Sauer alias Marlies Blume hatte Katrin Zipses „Glücksdrachenzeit“ dabei.

Lesepaten schenken Kindern eine Geschichte

Vorlesetag An Schulen, in Kindertageseinrichtungen und in Bibliotheken im Landkreis Göppingen waren gestern  Vorlesepaten im Einsatz, um Kinder mit Geschichten zu erfreuen. Ziel des bundesweiten Aktionstags, der bereits zum 14. Mal stattfand, ist es, die Begeisterung für das Lesen, Vor­lesen und Zuhören zu wecken.

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