Breitband Schub fürs schnelle Internet

Bad Boll / Jürgen Schäfer 08.05.2018
Die Telekom will im Raum Bad Boll mit Vectoring kommen. Es gibt jetzt auch einen Masterplan für die Glasfaserversorgung.

In Aichelberg hat die Zukunft schon begonnen: Dort ist die Firma Imos im Begriff, den Ort flächendeckend mit Glasfaser zu versorgen. Für die fünf größeren Verbandsgemeinden zwischen Hattenhofen und Gammelshausen steht das noch auf dem Papier. Aber immerhin: Es gibt jetzt einen Masterplan, wie man Glasfaser „bis ans letzte Haus“ verlegen kann. Erarbeitet hat ihn die Firma Geodata im Auftrag des Verbands Raum Bad Boll.

Glasfaser ist die Zukunft, sagt Manuel Hommel von der Geodata. „Das Kupferkabel wird’s nicht mehr abdecken.“ Auch wenn es derzeit im Raum Bad Boll nicht so schlecht aussehe mit der Internetversorgung. Aber auch da gebe es Unterversorgung. Bei Aussiedlerhöfen, in Gewerbegebieten. Dürnau wollte schon vor Jahren sein Gewerbegebiet mit Glasfaser ausrüsten, der Plan war eine Anbindung von Heiningen her mit einem gemeinsamen Zuschussantrag. Aber dann legte die Telekom Glasfaser nach Heiningen und Dürnau blieb allein zurück. Förderfähig, sagt Hommel, wäre die Glasfasererschließung des Dürnauer Gewerbegebiets ebenso wie des Zeller Gebiet Raubis. Förderfähig wäre auch Glasfaser für Pliensbach, nicht bis an die Häuser, aber zu einem Knotenpunkt. Ebenso die Erschließung von Schulen, Beispiel: das Boller Schulzentrum. Bürgermeister Hans-Rudi Bührle wundert sich, dass seine Schule diese Kapazität nicht hat. In Bad Boll gebe es relativ schwach versorgte Gebiete, so Hommel, auch in Zell, nördlich der Göppinger Straße und eben auch Pliensbach.

Aber: Die Telekom will nachrüsten. Sie ist im Verbandsgebiet überwiegend Konkurrent von Unitymedia, die das robuste Fernseh-Kabelnetz von Kabel BW hat. Die Telekom will mit Vectoring kommen: die Verteilerkästen mit Glasfaser verbinden und so die Leistung des Kupferkabelnetzes erhöhen. So berichtet es der Verbandsvorsitzende Jochen Reutter. Er kündigt an: „Die Telekom hat einiges vor in unseren Gemeinden.“

Diese Botschaft wurde in der Verbandsversammlung unterschiedlich bewertet. Reutter findet sie gut und hadert auch nicht damit, dass die Telekom sich lange nicht rührte. „Sie kann morgen wieder Partner sein.“ Sein Kollege Werner Link in Zell fragt sich, warum die Telekom nur den halben Schritt mache: Glasfaser zwischen den Knoten. Warum nicht bis zum Kunden? Dürnaus Bürgermeister Markus Wagner begrüßt den Ausbau. Es sei immerhin der Zwischenschritt. Die Meinung von Fachmann Hommel: „Gegen den Vectoring-Ausbau können Sie gar nichts machen.“

Der Wirtschaftsförderer des Landkreises, Alexander Fromm, ist mehr als überrascht von der plötzlichen Offensive der Telekom. „Das hat mich vom Hocker gehauen.“ Der Kreis verhandle doch mit der Telekom über etwas anderes, nämlich über den Aufbau eines Glasfasernetzes: für Gewerbegebiete bis 2025, für 90 Prozent der Haushalte bis 2030. Fromm sieht in der Telekom-Offensive im Voralbgebiet die Strategie, der Unitymedia Kunden abzugewinnen. Darauf ziele die Struktur des Ausbaus. Verbandsbaumeister Wolfgang Scheiring: „Es werden nicht alle Verteilerstandorte ausgebaut.“

Fünf Gemeinden haben jetzt einen Masterplan – aber damit können sie erstmal nichts anfangen. Das sei perspektivisch, sagt der Verbandsvorsitzende Reutter. Schritt für Schritt können die Gemeinden dort, wo Straßen aufgerissen werden, Leerrohre für Glasfaser einlegen. Es werde eine Generation dauern, bis ein Netz zusammengewachsen sei. Dann können die Gemeinden es an einen Betreiber vermieten. Auch wenn das Zukunftsmusik ist – Reutter und Scheiring raten den Verbandsgemeinden, an diesem „Mosaik“ zu arbeiten. Neu ist das nicht, es liegen auch schon Leerrohre im Boden.

„Ein Doppel-Ausbau ist absoluter Quatsch“, sagt der Zeller Gemeinderat Kurt Ulmer zu den Plänen der Telekom. Und malt aus: „Man stelle sich vor, beim Strom würde jeder Anbieter seine eigene Leitung legen.“ Man solle Infrastruktur gemeinsam nutzen. Ulmer weist noch auf anderes hin: Es gebe ja die LTE-Technik, eine Internet-Versorgung über Funk. Der misst Manuel Hommel keine durchschlagende Bedeutung bei. „Das kann ein Festnetzersatz sein. Aber eher punktuell, nicht flächendeckend.“

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